Author: Kathrin

Eine Serie über Women’s Studies? Au ja!

Jede große US Serie wurde erst entwickelt und irgendwann als Pilot getestet, bevor sie zum Erfolg wurde … Warum sollte es also nicht klappen mit “Women’s Studies”. HBO hat dieses Projekt laut Reuters in der Mache, und es soll tatsächlich um Frauenstudien – hierzulande besser bekannt als Gender Studies – gehen. Die Hauptrolle in der geplanten Comedy Serie soll Julie White spielen: Eine Frau, die irgendwann mal ein erfolgreiches Buch veröffentlicht hat, für kurze Zeit der neue Star am feministischen Autorinnenhimmel war, und jetzt Professorin für Women’s Studies an einem kleinen liberal arts College ist.

Judy Berman auf Salon.com stellt sich die Serie schon mal vor:

And, let’s face it: Academia (and, yes, that includes women’s studies), with its departmental pettiness and Ivory Tower elitism, is ripe for some good-natured ribbing. Can you just see it now? Of course, we’ll have to have the frat guy who signs up for a women’s studies course to meet chicks. And let’s not leave out the T.A. who speaks Judith Butler as a first language. Is an episode that pits the sex-positives against the sex-negatives too much to hope for?

In der Tat: Elfenbeinturm-Elitismus, Jungs aus Studentenverbindungen, die auch mal in ein Gender Seminar gehen, um Frauen kennenzulernen, und junge Wissenschaftler_innnen, die fließend Judith Butler sprechen … das würde doch was hergeben. Bei Greek, einer College Serie, die derzeit in den USA läuft, gibt es eine Folge, in der ein Typ aus einer sehr partyorientierten Studentenverbindung unbedingt einen Women’s Studies Kurs der Spielart “feministische Lesarten Lacanscher Psychoanalyse” bestehen musste. Seine Freunde helfen ihm beim Lernen, und am Schluss sind sie alle irgendwie geläutert. Das allein war schon ziemlich lustig anzusehen für eine, die selbst in solchen Seminaren saß, und “Women’s Studies” wird sicher super. Macht das mal, HBO.

My Gender Is Music Party in der Roten Flora

Am Samstag wird in der Roten Flora in Hamburg eine Anti-Repressions-Soli Party mit Liveacts und DJs für die kriminalisierten Aktivist_innen des vom AStA der Uni Hamburg abgeschafften feministischen Frauen_Lesben_TransRat gefeiert.

Flyer zur Soliparty in der Roten Flora

My Gender Is Music – 18. April 2009 ab 21.30 Uhr in der Roten Flora, Achidi-John-Platz 1 (Schulterblatt), Hamburg. Beginn der Liveacts um 22 Uhr. Mehr auf myspace.

FeedStats statt Feedburner

Sylespion – Probleme mit dem RSS-Feed hat mich heute daran erinnert, dass auch mich Feedburner nervt. Der mittlerweile zu Google gehörende Service zeigt mir, wie viele Leute mein Blog über RSS abonniert haben. Feedburner sorgt in letzter Zeit aber auch dafür, dass neue Artikel erst Stunden später im Feedreader landen. Ich habe darum entschieden, Feedburner abzuschaffen und als Alternative das WordPress-Plugin FeedStats von Andres Nieto Porras und Frank Bültge installiert. Das Plugin gibt mir die Statistik direkt in der Benutzeroberfläche von WordPress aus, und wenn die Auswertung nicht so viele Features hat und mir einfach einen Anhaltspunkt dafür gibt, wie viele Abonnent_innen das Blog hat, ist mir das gerade Recht. Ich hoffe, die Umstellung macht keine Probleme und alle neuen Artikel kommen nach wie vor bei euch an. Falls ihr irgendwelche Probleme mit dem Feed habt, sagt bitte Bescheid.

Queer Theoretikerin Eve Kosofsky Sedgwick verstorben

Am Ostersonntag verstarb die amerikanische Theoretikerin Eve Kosofsky Sedgwick. Die Autorin von Büchern wie “Between Men: English Literature and Male Homosocial Desire” und “Epistemology of the Closet” wäre am 2. Mai 59 Jahre alt geworden. Sie gilt als Mitbegründerin der Queer Theory.

Eve Kosofsky Sedgwick, My Friend, 1950-2009, von Cathy Davidson
Eve Kosofsky Sedgwick, 1950-2009, von Richard Kim, The Nation
Eve Kosofsky Sedgwick, von Macy Halford, The New Yorker
Educator, Author Eve Kosofsky Sedgwick Dies at 58, von Michelle Garcia, The Advocate

Danke an Nina für die Links.

the fail, the glitch: Amazons Oster-Fail und ein paar Gedanken drumherum

Die letzten Ostertage waren für viele Mitarbeiter bei Amazon in diesem Jahr vermutlich nicht sehr entspannend. Nachdem am Sonntag bekannt wurde, dass jede Menge Bücher rund um Homo- und Transsexualität, Feminismus und queer Theory (sogar Foucaults “History of Sexuality Vol 1” war betroffen) nicht mehr als Suchergebnisse auf Amazon.com auftauchten, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Netzwelt. Was war geschehen? War das Zensur, ein gezielter Angriff auf das Reputationssystem von Amazon oder doch – wie von Amazon bekannt gegeben wurde – eine Panne? Andrea James von seatlepi.com hat mit einem Mitarbeiter von Amazon gesprochen und fasst seine Erklärung zusammen:

Amazon managers found that an employee who happened to work in France had filled out a field incorrectly and more than 50,000 items got flipped over to be flagged as “adult,” the source said. (Technically, the flag for adult content was flipped from ‘false’ to ‘true.’)

“It’s no big policy change, just some field that’s been around forever filled out incorrectly,” the source said.

Mich überrascht zwar, dass es so einfach gehen soll, das System von Amazon durcheinander zu bringen, aber es wirkt einigermaßen plausibel. Eine menschliche Fehlerquelle, vermutlich ohne böse Absichten, und das Problem wird schnell gefixt. Mögen andere überprüfen, ob das stimmt, ich nehme das jetzt mal so an und beende die Suche nach der Wahrheit hinter dem #amazonfail an dieser Stelle mit einem Verweis auf den Guardian, der eine offizielle Sprecherin von Amazon zitiert:

“In fact, it impacted 57,310 books in a number of broad categories such as health, mind and body, reproductive and sexual medicine, and erotica. This problem impacted books not just in the United States but globally. It affected not just sales rank but also had the effect of removing the books from Amazon’s main product search.

“Many books have now been fixed and we’re in the process of fixing the remainder as quickly as possible, and we intend to implement new measures to make this kind of accident less likely to occur in the future.”

Mal so nebenbei: Ich würde doch sehr wünschen, bei der Suche nach Produkten wenigstens gefragt zu werden, ob ich wirkliche “adult”-Inhalte gefiltert haben möchte oder nicht – bei der google Bildersuche geht das ja schließlich auch.

Die Amazon-Geschichte hat sehr deutlich gezeigt, wie wunderbar Blogs und Twitter zusammen funktionieren, um schnelle, nicht-organisierte Proteste hervorzubringen. Allein mit Blogs hätte es vielleicht ein paar Tage länger gedauert und der Aufschrei wäre auch nicht so massiv geworden, durch Twitter und die Hashtags #amazonfail und #glitchmyass dagegen konnten viele Leute mal Schnell ihren Unmut kund tun, die Story verbreitete sich rasend schnell, und entsprechend groß war dann auch der Druck auf Amazon. Cyberaktivismus ist mit Blogs, Twitter und Facebook zum Massenphänomen geworden.

Auch wenn es kein gezielter, homophober und anti-feministischer Angriff auf das Reputationssystem war, finde ich die Überlegung spannend, ob gesellschaftliche Konflikte in Zukunft vermehrt mit auf diese Weise ausgetragen werden. Bücher als anstößig flaggen, Bands bei myspace oder last.fm melden, weil sie der eigenen politischen Meinung nicht zusagen, dazu aufrufen, Twitteraccounts zu blocken, gezielte Angriffe auf Trust- und Reputationssysteme … es gibt viele Möglichkeiten. Ist das ein legitimes Mittel, seiner Meinung politisch Ausdruck zu verleihen, sozusagen ziviler Ungehorsam im Internet, oder muss darauf hingearbeiten werden, dass sich im Internet soziale Normen herausbilden, die eine von solchen Methoden abhalten? Wann ist ihr Einsatz gerechtfertigt, wann nicht? Till Westermayer wirft in seinem Blog sogar die Frage auf, ob es einer “Verstaatlichung nahezumonopolisierter Netzräume” bedarf.

Schließlich war es für mich persönlich noch spannend zu sehen was passiert, wenn man ein Thema relativ früh am mitteleuropäischen Tag im Blog aufgreift, der Link über Twitter per Retweet, Rivva und Netzpolitik verbreitet wird und plötzlich viel mehr Leute als sonst auf das Blog kommen. Kleine Erkenntnis am Rande: Die Anzahl von Blogkommentaren hängt nicht mit der Anzahl der Zugriffe auf einen bestimmten Artikel zusammen.

Amazon.com FAIL

Der Hashtag #amazonfail wurde über Nacht zum tending topic auf twitter. Was ist da los?

Amazon.com scheint eine neue policy zu haben, der zufolge vorgeblich nicht jugendgerechte Titel ihr Verkaufs- und Suchranking verlieren und nicht mehr in Topsellerlisten und der Suche auftauchen. Dies betrifft u.a. Titel zu Homosexualität. Auf die Anfrage eines Autoren, der das veschwinden von hunderten schwulesbischen Büchern bermekt hat, antwortete eine Person beim Amazon.com:

In consideration of our entire customer base, we exclude “adult” material from appearing in some searches and best seller lists. Since these lists are generated using sales ranks, adult materials must also be excluded from that feature.

Eben habe ich auf amazon.com nach “Homosexuality” gesucht:

“A Parent’s Guide to Preventing Homosexuality” von Joseph Nicolosi und Linda Ames Nicolosi war das Top-Ergebnis, und die weiteren Bücher in der Liste zielen in eine ähnliche Richtung: Titel wie “You don’t have to be gay” und viel Kirchen- und Christenliteratur zum Thema.

Neben LGBT-Büchern sind auch femininistische und women’s health books, Titel wie “Wetlands” von Charlotte Roche oder die Queer Theory Einführung von Annamarie Jagose betroffen (vgl. die Liste der de-ranked Bücher). Nachfotografiebände dagegen nicht.

Irgendetwas ist da im Argen mit dem Amazon Rank. Ich bin mir aber sicher, wenn die Reaktion im Netz so heftig weiter geht, wie es am Ostersonntag in den USA begonnen hat, die Verkäufe bei Amazon einen Knick bekommen, viele Leute in ihren Blogs und auf twitter über das Thema schreiben, der Facebook-Gruppe beitreten und sich andere coole Aktionen einfallen lassen, könnte der Wahnsinn gestoppt werden. Amazon.com muss reagieren.

Edit: Amazon hat mittlerweile verlauten lassen, dass es sich um eine “Panne” im System (“glitch”, daher das twitter hashtag #glitchmyass) handele. Eine gute Erklärung gab es m.E. aber noch nicht.

Mehr auf:
Jezebel – Why Is Amazon Removing The Sales Rankings From Gay, Lesbian Books?
seatlepi.com – Amazon under fire for perceived anti-gay policy
Bust.com – Amazon FAIL
Feministing – Amazon Fail: Certain “adult” books (like mine) are de-ranked
blogs.news-journalonline.com – AmazonFail: A Twitter movement in action
Smart Bitches, Trashy Books – Amazon Rank, eine google-bomb
Meta Writer – Collection: Books that had their sales ranks removed
Futurezone ORF.at – Kritik an Amazons Zensurpolitik
Netzpolitik – Amazonfail

Aktuelles zum #amazonfail samt der Erklärung von offizieller Seite findet ihr im Artikel the fail, the glitch: Amazons Oster-Fail und ein paar Gedanken drumherum.

We’re born naked, everything else is CSS

Heute ist internationaler Naked CSS Day, der die Einhaltung von Webstandards fördern soll. Mit Hilfe eines Plugins für WordPress habe ich das CSS von i heart digital life entfernt, um zu sehen, ob das darunterliegende HTML ordentlich geschrieben ist. Webstandards nützen jenen, die aus welchen Gründen auch immer nicht mit modernen Standardbrowsern auf schnellen Rechnern mit Breitbandinternet im Netz unterwegs sind. Sie sind dazu da, “um für die größtmögliche Zahl von Internet-Nutzern den größtmöglichen Nutzen zu erzielen und gleichzeitig die Langlebigkeit von im Internet veröffentlichten Dokumenten sicherzustellen” (aus der deutschen Übersetzung des Webstandards Mission Statement).

Und was sind jetzt eigentlich “Frauen”?

In den letzten Tagen habe ich viel über Frauen geschrieben. Dabei weiß ich gar nicht so genau, was eigentlich sein soll. Glücklichweise bin bei schuehsch über ein hilfreiches Video gestolpert:

Glaskugel revisited: Das Mini-MacBook Air

Ich weiß, es ist nicht der neuste Scheiß, und es ist nur ein Gerücht, höchstwahrscheinlich ein Fake: Das MacBook Air Mini. Flach, klein, leicht, ultra-mobil und ultra-schick. Es ist mir bereits am 3. November letzten Jahres in der Glaskugel erschienen:

Es wird ein Netbook von Apple geben. (…) leichte, air-artige Notebooks um die 11? (…) und größere, schwerere um die 15? für die andere Zielgruppe. (…) in einem halben Jahr schauen wir nach, was passiert ist.

Warum sollte es also nicht kommen?

Lebens- und Liebesformen – Heute Abend Thema bei “Hart aber fair”

Von Frank Plasbergs Sendung “Hart aber fair – Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft” erwarte ich merkwürdige Statements und Diskussionen, die abgebrochen werden, wenn es gerade spannend wird. Aber sei es drum: Heute geht es schließlich um Ehe und Familie, die Kinder … die Zukunft! Oder werden Gabriele Pauli und Julia Seelinger die Fernsehnation davon überzeugen können, dass Monogamie und “bis dass der Tod uns scheidet” Konzepte sind, die wir gar nicht brauchen?

Schutz für die Ehe verspricht der Staat und gibt Verheirateten einen Steuerrabatt. Weg damit, fordern Kritiker. Sie sagen: Die Ehe ist nur eine von vielen Formen der Partnerschaft und lebenslange Treue nur eine Illusion! Brauchen nur noch Kinder die heile Familie? Und was machen die Erwachsenen, wenn das Alter kommt?

Heute Abend, 21:45 bis 23:00 Uhr im Ersten.

“Hart aber fair” läuft übrigens auch bei switch reloaded (youtube).