Category: DigitalLife

Über 60 000 Unterschriften für die Hebammen

Das sind mehr als über 9000 und auch mehr als 50 000! Auf dem Gendercamp haben wir uns beim Abendessen darüber unterhalten, wie toll es ist, dass die E-Petition der Hebammen so gut funktioniert. Vielleicht hat die Petition gegen die Netzsperren einen Teil dazu beigetragen, dass diese Möglichkeit, Themen in der Öffentlichkeit zu pushen und dem Bundestag auf die Agenda zu setzen, mittlerweile ziemlich bekannt ist. Ich bin ziemlich sicher, dass Hebammen und Geburtspfleger über viele Kanäle mit den Müttern und Familien, die sie betreuen und betreut haben, vernetzt sind. Die Aktionen gegen die Anhebung der Versicherungsprämie, zusammengefasst auf dem Genderblog, zeigt aber auch mal wieder, dass sich soziale Medien nicht nur bei Themen, für die sich in erster Linie netzaffine Leute interessieren, politisch nutzen lassen. Hebammen für Deutschland ist zwar ein gruseliger Name für eine Kampagne, aber ich wünsche der Aktion trotzdem noch viel Erfolg und viele Unterschriften.

nrrrdz000006: freiheiten

nrrrdz logo

Inspiriert von der Diskussion zwischen Christian Heller und Dirk Baranek auf der re:publica, den Ereignissen rund um das Sexismus-Panel – hier die Stellungnahme von Johnny Häusler – und Rochus Wolffs Blogpost Eine Frage von Freiheit sprechen wir über die großen Fragen: Freiheit, Gleichheit, Netzneutralität, Kapitalismus, Trolle. Der Facepalm des Monats führt uns mal wieder zu Bits und so, wo wir mit dem women acceptance factor Bekanntschaft machen mussten.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz06.mp3[/podcast]
Download (mp3, 91MB)

tisch mit aufnahmegerät, mikro und hackerbrause
Produktionsverhältnisse bei nrrrdz

Hackonomy bei der re:publica

Wie peinlich! Sich selbst beim Vortragen sehen und dann das ganze auch noch shamelessly promoten. Aber hey, für die Daheimgebliebenen … Dank Philip Steffan (robotporn, bausteln) gibt es einen Mittschnitt von Jens’ und meinem Vortrag über Making, Crafting, Bausteln und ihr Verhältnis zum Kapitalismus.

Im Vortrag ging es uns vor allem darum, ein paar Fragen aufzuwerfen. Was ist dran an der Revolutionsrhetorik, die gerade überall auftaucht, wo über Making, DIY und co. geschrieben wird? Welche globalen Produktionsverhältnisse stehen dahinter, wie gestalten wir das gemeinsame Entwickeln und Produzieren von Dingen und wer ist dabei? Die lebhafte und vielfältige Diskussion nach dem Vortrag war super spannend für mich. Von der Freegan-Bewegung bis zum Kapitalismus als gesellschaftlichem Konsens war alles dabei. Einige nickten und fühlten sich an Debatten über alternative Wirtschaftsformen erinnert. Hard & Negri und ein Buch namens “Newtopia” (das hab ich mir notiert, es aber nicht gefunden) wurden empfohlen. Andere fanden das meiste, was wir gesagt haben, falsch. Beim DIY entstehe vor allem unnützer Tand, darum nichts tun statt makerbot.

Manchen war es zu schwammig, aber ja: es ging uns eben um die Beschreibung eines Diskurses und um einige Überlegungen, die wir zur Brötchen- bzw. Reisfrage in den Raum gestellt haben. Da sieht man ja, was dabei raus kommt :)

Video und Folien nach dem Klick!
Read more

Wikileaks: Zurück zur Relevanz

Wikileaks.org hat gestern ein amerikanisches Militärvideo veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie US Soldaten mehrere zivile, unbewaffnete Iraker töten. collateralmurder.com zeigt heftige Bilder eines asymetrischen Krieges, zu denen hoffentlich viel gesagt und geschrieben wird.

Die Leute von Wikileaks kümmern sich um eine Infrastruktur, die es ermöglicht, Dokumente auf ihre Authentizität zu prüfen und bei höchstem InformatInnenschutz der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dadurch versuchen sie auch, Journalismus zurück zu den relevanten Themen zu bringen. Bisher habe ich jedoch nicht den Eindruck, dass die Veröffentlichung des Videos das ausgelöst hat, was Daniel Schmitt, der zum Kernteam von Wikileaks gehört, in der aktuellen Küchenradio-Folge als Erwartung formuliert hat. Vielleicht wird sich das in Deutschland mit der angekündigen Veröffentlichung von 37 000 internen NDP-Emails ändern? Die amerikanischen Medien habe ich nicht so verfolgt, aber über Twitter laufen seit gestern Abend viele Links zum Thema ein.

Der Podcast mit dem Wikileaks Update von letzter Woche knüpft an eine zurückliegende Folge von Küchenradio mit Daniel Schmitt an, über die ich auch was geschrieben hatte. Beide eignen sich, um etwas über die Hintergründe des Projekts und die aktuellen Entwicklungen zu erfahren. In der neuen Folge geht es unter anderem auch um die Icelandic Modern Media Initiative. Zum gerade veröffentlichen Video hat das kotzende Einhorn einen Post mit Videos und Links, und bei Spreeblick hat sich Simon Columbus ausführlich mit dem Video und einigen Aspekten des asymetrischen Krieges, die darin deutlich werden, beschäftigt.

Im April bei der Missy

digitallife-rahmenIch habe die Ehre für einen Monat Gastbloggerin beim besten deutschen Frauenmagazin zu sein. Also wird es vermutlich hier ein bisschen ruhiger, und dafür erscheinen auf missy-magazine.de alle paar Tage Texte, immer verziert mit diesem schmucken Bild. Ich habe mich und einige andere Leute gefragt, wie man so eine Rosette mit Schleife eigentlich nennt. Vielleicht Orden? Habt ihr eine Idee? Jedenfalls ist mein erster Text namens “Mäusestepptanz im Jugendzimmer” jetzt online. Er handelt über die Zeit, in der ich lerne, das digitale Leben zu lieben.

Typische Fraueneinstellung

Da stehe ich gerade mit einer Freundin vor der Tür unseres TU-Gebäudes und wir unterhalten uns über meinen Plan, eine Digitalknipse zu kaufen. Sie erzählt von der Kamera ihres Sohnes, deren Menüführung nicht die durchdachteste ist: “Die macht schon gute Fotos, wenn die Einstellungen zufällig gerade stimmen.”

Ein Typ, der mit uns vor der Tür steht, und der sich bereits mit einem Kichern über meine Bemerkung, dass das iPhone super Fotos macht, wenn es hell ist, bemerkbar gemacht hat, geht an uns vorbei ins Gebäude und sagt: “Typische Fraueneinstellung: Wenn die Einstellung stimmt, ist es gut, haha!”


xkcd #385

Und ich so: “Das blog ich gleich mal :)”

Hackonomy auf der Re:publica

“Making, Crafting, Bausteln: Endgegner des Kapitalismus?”. Es geht um die gesellschaftlichen Potentiale von DIY und Co: Wird der Trend zum Selbermachen die Brötchenfrage letztlich auch nicht lösen und bleibt eine Nische für diejenigen, die es sich leisten können, oder steckt in der Leidenschaft fürs Machen auch die Hoffnung auf eine gerechtere und bessere Zukunft für Alle? Am zweiten Tag der Re:publica 2010 behandeln diese Fragen Jens Ohlig und ich in einem Vortrag, der einen Bogen spannt von der “Marke Eigenbau” über Hackerspaces zur dekonstruktivistischen Ökonomiekritik und wieder zurück.

Was du auch machst
Mach es nicht selbst
Auch wenn du dir den Weg verstellst
Was du auch machst
Sei bitte schlau
Meide die Marke Eigenbau
Heim- und Netz-
Werkerei
Stehlen dir deine schöne Zeit
Wer zu viel selber macht
Wird schließlich dumm
Ausgenommen Selbstbefriedigung
Tocotronic: “Mach es nicht selbst”

Tocotronic propagieren in ihrer Anti-DIY Hymne mit distanzierter Künstler-Ironie “Mach es nicht selbst”. Dass es einen Song dagegen gibt, zeigt schon, was für ein Thema Crafting, Making und Bausteln gerade sind. Die “Marke Eigenbau” ist progressiv und irgendwie auch politisch, heisst es. Selber machen fördere Individualität und Kreativität. Die Arbeit ist weniger entfremdet, denn Menschen haben die Kontrolle über das, was sie mit ihren Open-Source-Makerbots machen. Sie sind Produzentinnen, nicht bloß Konsumentinnen, keine unwissenden User, sondern vernetzte und kommunizierende Produser. Häufig bleibt dabei aber ausgeblendet, dass sich nicht alle leisten können/wollen, an dieser Bewegung teilzunehmen. Und müssen wir uns nicht auch fragen, wo die preiswerten Bauteile eigentlich herkommen und unter welchen Bedingungen sie von wem produziert werden? DIY löst die Brötchenfrage anscheinend auch nicht von selbst, und ein iPhone kann man sich nicht selber stricken. Und trotzdem: vielleicht haut es doch nicht so ganz hin mit dem regulativen Ideal des Kapitalismus, dem sich jede und jeder unterordnen muss. Denn schon jetzt gibt es die Unterwanderung des großen Ganzen durch Leidenschaft, Teile der Ökonomie werden von Bastlern gehackt und es gibt wirtschaftliches Handeln, das sich nicht in die große Erzählung der Warenförmigkeit eingliedert. Eine andere Welt ist vielleicht nicht sofort möglich, aber dann jedoch teilweise auch schon da: Queeren, hacken, dekonstruieren von selbst gemachten Problemen mit dem Selbermachen.

nrrrdz000005: passivbloggen

nrrrdz logo

Ob “Blogs entdecken” immer noch das neue “Bands entdecken” ist sei mal dahin gestellt. Wir sprechen jedenfalls in der fünften Folge von nrrrdz über Blogs. Nicht das eigene Bloggen, sondern Blogs konsumieren. In Kategorien, lange und kurze Texte, unbedingt fullfeed. Suppen, News, Kiddieblogs und alle möglichen Themen, die uns interessieren. RSS ist die Technik der Wahl. Außerdem werben wir fürs Gendercamp und regen uns über ein sexistisches Ubuntu-Hinternfoto auf (facepalm!).

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz05.mp3[/podcast]
Download (mp3, 86MB)

Einige Blogs die wir lesen & über die wir reden:
bananaslit.soup.io
hairinmy.soup.io
CTRL-Verlust: Fullfeeds, Gewalt und eine Skizze des “Zweiten Markts”
Frau mit Bart
Aus Liebe zur Freiheit: Warum ich nicht queer bin.
Adrians Blog
mspr0.de – Hier
dragstripGirl
amy & pink
Missy Magazine Blog
Bitch Ph.D.
Queer-O-Mat
Medienelite
Genderplanet
Geek Feminism Blog
Frau Liebe

Auf Netzpolitik.org wird über Männer geredet

Zum gestrigen internationalen Frauentag hatte ich die Ehre, dass mein Text Netzpolitik und soziale Gerechtigkeit, erschienen beim Feministischen Institut Hamburg, auf Netzpolitik.org verlinkt wurde. In den Kommentaren meldeten sich gleich einige antifeministische Stimmen zu Wort, und schon geht es um Männergesundheit und angeblich nicht existente Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern. Die viel gehörten und widerlegten Ausführungen einiger Kommentatoren werden in vielen feministischen Blogs gar nicht mehr diskutiert, denn es ist bekannt, woher der Wind weht. Die TAZ hat über den Kampf für “Die Männerrechte” gestern einen informativen Artikel veröffentlicht. Das Feld der Männerrechtler ist heterogen, bisweilen aber deutlich rechtskonservativ positioniert. Dass sich bei Netzpolitik.org viele Kommentatoren die Mühe machen, diesem Unsinn etwas entgegensetzen, freut mich trotzdem sehr. Zu den wenigen Beiträgen, die auf meinen Text Bezug nehmen, gehört dieser hier:

“Kann mir mal jemand erklären, was das erste verlinkte Epische-Fremdwort-Schwangere-Werk uns sagen will? (…)
Den Bereich Netzpolitik als Trojanisches Pferd für Partikularinteressen zu nutzen, finde ich bedenklich… Wenn dies jetzt jede der von ihr aufgezählten Interessengruppen versucht wird es am Ende für alle sehr viel schwerer eine breite Bevölkerungsgruppe für das eigentliche Ziel mobilisieren.”

Okay. Das nächste Mal gebe ich mir Mühe und versuche, nur noch Fremdwörter zu benutzen, die normale™ Menschen verstehen. TCP/IP und so… Damit, dass netzpolitische Themen mit anderen politischen Anliegen verknüpft werden, hat auch ein anderer Kommentator ein Problem:

“Danke für Beitrag, damit ist endgültig klar, aus welcher politisch korrekten Ecke der Wind in diesem Blog weht.
Zum Kotzen, wie der Kampf gegen die staatlich vorangetriebene Totalüberwachung, von links-linken Gruppierungen für sich vereinnahmt wird und man bei der Gelegenheit das ganze auch noch mit anderen, vollkommen sachfremden Themen vermengt.”

Was für die einen vollkommen sachfremde Themen oder Partikularinteressen sind, ist die Lebensrealität der anderen. Da frage ich mich schon, wer die “breite Bevölkerungsgruppe” und das “eigentliche Thema” sind, und warum eine Verknüpfung von netzpolitischen und bürgerrechtlichen Forderungen mit vermeintlichen Partikularinteressen Leute abschrecken sollte. Um welche Konfliktlinien geht es hier?

GenderCamp 2010 im Mai. Anmelden!

Logo des Gender Camps 2010 vom 7.-9 mai 2010 im abc hüll

Im Mai 2010 veranstalten wir im ABC Hüll in der Nähe von Hamburg das erste GenderCamp. Die verbindliche Anmeldung erfolgt direkt beim ABC Hüll. Die Plätze sind begrenzt. Prokrastinieren könnte schiefgehen. Auf der mixxt community könnt ihr euch in die Vorbereitung einzubringen. Spread the word! Den Ankündigungstext könnt ihr gerne auf euren Blogs, Mailinglisten, in Foren oder Social Netwerks verbreiten.

*
*

IM IN UR INTERNETZ, DECONZTRUCTIN UR GENDER!

Das GenderCamp ist ein 3-tägiges Workshop-Event vom 7. bis 9. Mai 2010 im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll (bei Hamburg). À la BarCamp/Open Space/Unkonferenz geht es beim GenderCamp um Themen aus den Bereichen, Schnittmengen und Zwischenräumen von Gender/Queer/Feminismus und Internet/Netzkultur. Was uns umtreibt ist die die Frage nach queer-feministischer Handlungsfähigkeit und Praktiken im Internet.

Wie?
Das GenderCamp ist ein offenes Event für Diskussionen, Workshops, Vorträge und andere Präsentations-, Lern- oder Arbeitsformen, die durch die Teilnehmenden aktiv gestaltet werden. Jeder_r kann aktive Teilnehmer_in und nicht bloß Zuhörer_in sein. Das Programm wird vor Ort von den Teilnehmer_innen gemacht. Möglich ist, worauf ihr Lust habt: Vorträge, lockere Diskussionsrunden oder Workshops, bei dem etwas gebastelt, gelötet oder programmiert wird, können vorab auf gendercamp.mixxt.de oder aber vor Ort vorgestellt werden. Das endgültige Tagesprogramm entsteht erst ad hoc auf dem Camp. Neben einer nicht hierarchischen Arbeitsweise ist uns Vernetzung besonders wichtig. Auf dem GenderCamp können sich Menschen austauschen, die im Netz zusammenarbeiten und Ideen für neue Projekte entwickeln.

Wer?
Zielgruppe des GenderCamps sind alle, die sich für die Schnittstellen von Queer-/Feminismus und Netzkultur interessieren, sich informieren, austauschen und vernetzen wollen: Leute, die sich in beiden Welten tummeln. Queer-feministische Szenegänger_innen, die in Netzkultur reinschnuppern wollen. Netzbewohner_innen, die sich mal intensiver mit Queer, Feminismus und Gender beschäftigen wollen. das GenderCamp will vernetzen, Projekte anstoßen und Leuten, die sich aus queeren/feministischen Onlinecommunities, Foren, Mailinglisten und Blogosphären kennen die Gelegenheit geben, sich im real life zu treffen.

Und alle so: Gender?
Eine feministische Perspektive auf Gesellschaft ist unseres Erachtens nach immer noch unerlässlich, um strukturelle Benachteiligungen von Frauen und weiblichen Personen, sowie sexistische Strukturen sichtbar, kritisierbar und veränderbar zu machen. Allerdings bekommen feministische Perspektiven alleine Macht- und Herrschaftsverhältnisse in Bezug auf das Erzwingen zweier Geschlechter, die hierarchisch zueinander angeordnet sind und sich im sexuellen Begehren aufeinander beziehen sollen, nicht in den Fokus. Wir beziehen und deshalb auf den Begriff “queer”, der ein kritisches selbstreflektierendes Auseinandersetzen mit heteronormativen Strukturen und deren Verwoben-Sein mit anderen Formen der Diskriminierung fordert. Deswegen stellen wir das GenderCamp unter einen queer-feministischen Fokus und Anspruch. Es ist offen für alle (all genders welcome), die sich auf einen kritischen Umgang mit -Ismen aller Art einlassen wollen.

Wo?
Das GenderCamp findet im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll statt. Anders als bei den anderen BarCamps sind die Übernachtungsmöglichlichkeiten direkt auf dem Gelände des Veranstaltungsort. Die Kapazitäten für Übernachtungsplätze und Verpflegung sind begrenzt, daher ist eine frühzeitige Anmeldung unbedingt notwendig. Der Teilnahmebeitrag liegt bei 45 € (35 € ermäßigt) inklusive Übernachtungen und Vollverpflegung. Weitere Infos zu Verpflegung, Teilnahmegebühr, Anfahrt und Unterkunft direkt beim ABC Hüll.

Links
http://www.abc-huell.de/abc/gendercamp-2010-07-09052010
http://gendercamp.mixxt.de