Kategorie: Familie

Not so happily ever after: Reaktionen auf das Verbot der Ehe für Homosexuelle in drei weiteren US-Bundesstaaten

Den gestrigen Nachmittag habe ich damit verbracht, Blogseinträge über die am Dienstag in einigen US-Bundesstaaten durchgeführten Abstimmungen über ein Verbot nicht-heterosexueller Ehen lesen. Im Fokus der Diskussionen steht die für viele überraschende Entscheidung der Kalifornier_innen, Proposition 8 zuzustimmen, und damit die Definition der Ehe in der Verfassung auf heterosexuelle Ehen zu beschränken: “Only marriage between a man and a woman is valid or recognized in California.” In Florida und Arizona wurde gay marriage ebenfalls verboten, und in Arkansas sind homosexuelle Paare nun offiziell vom Adoptionsrecht ausgeschlossen.*

Viele queere und feministische Blogger_innen sind, bei aller Freude über Barack Obama als President-Elect, entsetzt über diese Ergebnisse.

I am officially over the moon that Obama won, but if you are queer, and/or a woman, and/or a person of color, and/or concerned at all about social justice, the battle has just begun.
Jonanna Widner/Bitch Magazine

Es wird über die Ursachen dieser Niederlage für gay-rights Aktivist_innen diskutiert: Was waren Gründe für (heterosexuelle) Bürger_innen, mehrheitlich für Prop 8 zu stimmen? Wurde die Kampagne gegen Prop 8 energisch genug geführt? Welche demographischen Gruppen waren ausschlaggeben für die Entscheidung?
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Scheidung wegen Schoko-Kokos-Kuchen

Manche Kommentare bei Chefkoch.de helfen bei der Umsetzung der Rezepte, andere eignen sich als Studienobjekte, und als ich eben nach einem Rezept für einen Geburtstagskuchen gesucht habe, bin ich vor Lachen über einen Kommentar von “Kuchenschmecktgut” fast vom Sofa gefallen:

ich selber bin hobbykuchenbackerin mir hat dieser kuchen sehr gut geschmeckt ich backe ihn fast täglich !!
ich bin vollauf begeistert…
leider teilt nicht jeder meiner familie dieses gefühl mit , mein mann hasst diesen kuchen förmlich er spuckte ihn sofort weider aus. ich habe ich deswegen von ihm getrennt . er hat auch dauernt gesagt ích soll ihm einen leckeren kuchen backen habe ich auch getan aber er mochte diesen nicht und zog aus. ich habe seit gesetrn die scheidung eingereicht.er schon vor einem monat , Leider !!ich ernähre mich und meine 5 kinder fast täglich von diesem kuchen. mien sohn macht morgen seinen abitur auf der hauptschule.ich werde ihm diesen kuchen backen falls er nicht besteht denn er hasst diesen kuchen ebénfalls!!

ich aber lieb ihn und schreibe morgen und nächste woche weider ein kommentar zu diesem lekeren nutellakuchen.
vielleicht möchte mien mann ja auch mal ein kommentarschreibn oder mein sohn !!

Das ist vermutlich ein Stückweit Unterschichtsverarsche und deswegen problematisch. Da aber bei Chefkoch so oft geschrieben wird, dass es Lob von Ehemann und Kindern für die Koch- und Backkünste gab, und wie sehr sich frau über diese Anerkennung freut, dass es doch interessant ist, mal zu sehen, was passieren kann, wenn ein Kuchen bei den Liebsten nicht so gut ankommt.

Nachtrag
Es kommen viele Leute auf meinen Blog wegen dieses Eintrags. Ihr seid vermutlich auf Rezeptsuche, und es sei euch gesagt: Der Schoko-Kokos-Kuchen bei Chefkoch.de schmeckt ganz phantastisch!

Zwei feministische Werkstätten und eine Veranstaltung zum Grundeinkommen

Nach der Sommerpause nimmt die Feministische Werkstatt in Hamburg wieder ihre zwei-monatliche Routine auf. Für Oktober und Dezember sind Veranstaltungen zu Arbeit/Arbeitszeitverkürzung und zum Aufbrechen heteronormativer Familienbilder geplant. Zwei sehr spannende Themen, und der Film “natürlich: kai“, der im Dezember gezeigt wird, ist wirklich toll! Im Oktober wird es außerdem eine weitere Veranstaltung zum bedingungslosen Grundeinkommen geben. Zeit, Ort und Details nach dem Klick!
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Segen ohne Trauschein

Was passiert da gerade mit der Ehe? Zum 1. Januar kommenden Jahres tritt eine Änderung des Personenstandrechts in Kraft. Eine Trauung vorm Altar ist jetzt ohne vorherige standesamtliche Eheschließung keine Ordnungswidrigkeit mehr. Eine kirchliche Trauung allein ist aber rechtlich gesehen folgenlos: Das Paar ist nicht zum gegenseitigen Unterhalt verpflichtet, für den Staat gelten beide weiterhin als ledig. Das Verbot der kirchlichen Voraustrauung fiel einer Entrümpelung des Personenstandrechts zum Opfer. Da ich eine kleine, morbide Faszination für die Institution Ehe hege, frage ich mich, was diese Reform für die Institution Ehe und für das Verhältnis von Staat und Kirchen zu bedeuten hat.
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Das Recht, das heteronormative

Das Bundesverfassungsgericht hat, wie die taz berichtet, die Klage eines verpartnerten Beamten abgeweisen, der keinen Verheiratetenzuschuss erhält. Ein solcher Zuschuss steht jeder/m verheirateten Beamten/in automatisch zu. “Für Beamte in einer eingetragenen Partnerschaft ist dies nur vorgesehen, wenn sie den Partner tatsächlich unterhalten müssen, weil ihm weniger als rund 600 Euro pro Monat zur Verfügung stehen”, so die taz. Durch das Urteil wird, wie urmila feststellt, deutlich, dass das BVerfG von der klassischen Versorgerehe ausgeht, bei der ein Partner für den Familienunterhalt zuständig ist, und der andere das betreuende Elternteil darstellt sowie die meisten anfallenden Arbeiten rund um das gemeinsame Heim verrichtet.

Das Urteil zeigt nicht nur, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft weiterhin gegenüber der Ehe benachteiligt wird, sondern auch, dass die Institution der Ehe im Zusammenhang mit der Institution des Rechtes auf Prämissen beruht, die nicht von einer egalitären Arbeitsteilung in heterosexuellen Paarbeziehungen ausgeht. Sie gehört meiner Meinung nach abgeschafft, und wenn das zu utopisch ist, so sollten doch zumindest diese Versorgergeschichten raus aus der Sozial- und Steuergesetzgebung, sowie den verschiedenen anderen Bereichen, die davon betroffen sind.

Wenn zwischen Natur und Mutterglück die Atombombe steht


Letztes Woche sah die deutsche Blogosphäre ja kollektiv Menschen bei Maischberger, wo Sascha Lobo was zur Rente sagte und eine gute Figur machten. Das Thema dieser Woche wird in diesen Kreisen auf weniger Interesse gestoßen sein: Pille, Viagra, Designbabys: Kommt die nächste Sexrevolution?

Es ging um die “Zweite Sexuelle Revolution”. Nachdem bei der ersten sexuellen Revolution Sex und Fortpflanzung durch die Pille getrennt worden seinen, könne zukünftig durch künstliche Befruchtung … ja was eigentlich? Das würden die Gäste sehr unterschiedlich beantworten. Die Frauenärztin, Naturheilkundlerin und gläubige Katholikin Dr. Gabriele Marx würde vermutlich sagen, dass der Natur und Gottes Werk ins Handwerk gepfuscht werden könne, während Felicitas Schirow, die mit 50 ihr erstes Kind bekam, und die Psychoanalytikerin Isabella Manuela Torelli, die zusammen mit ihrer Lebenspartnerin zwei Kinder hat, davon sprechen würde, dass Wünsche erfüllt und mehr Freiheit erreicht werden können.

Der Sendung war erkennbar eine Dramaturgie zu Grund gelegt: Erst ging es um ältere Frauen, die Mütter werden, dann um Lesben, die Mütter werden und schließlich – per Einspieler – um einen schwangeren Mann. Da sollte wohl eine Steigerung der Abnormalitäten aufgebaut werden. Spiegel Online titelte dementsprechend: Im Gruselkabinett der Dr. Sandra M.

Traurig, und kaum zu ertragen, was an transphoben Bemerkungen alles zu hören war. Allen voran Frau Marx, die generell die Meinung vertrat, dass Menschen, die keine Kinder auf “natürlichem” Weg bekommen können – egal ob Hetero- oder Homosexuell, – dies als “Opfer” für ihren devianten Lebenwandel erbringen müssen. Maischbergers Fragen an die Psychanalytikerin unterstellten, dass Kinder von Transpersonen zwangsläufig eine psychische Störung davon tragen. Und irgendwann kam der Atombombenvergleich: Nicht alles, was technisch machbar sei, sollte der Mensch auch tun. Schade auch, dass die Debatte über Geschlechterrollen, die immer wieder aufkam, letztlich nicht geführt wurde. Es wäre bitter nötig gewesen, doch zum Ende der Sendung erfolgte statt dessen ein Themenschwenk auf Viagra. Alles in allem eine ziemlich vergeigte Sendung.

Menschen bei Maischberger wird am Samstag, dem 17. Mai, um 0.10 Uhr auf 3sat wiederholt.
Die Überschrift habe ich schamlos von einer Freundin geklaut, deren Talent in Sachen Headline nicht ungenutzt bleiben sollte.