Neu in der Serie Ideen für Soziologie Abschlussarbeiten, die ich nie schreiben werde: “Die Führung der Führung: Getting Things Done als Kulturtechnologie im Post-Fordismus/Neoliberalismus.” Ein bisschen Foucault, ein bisschen Technologieanalyse, das mit dem Post-Fordismus und Neoliberalismus könnte man nach Geschmack variieren.
Category: Wissenschaft
Hyperlinks und Gewichtung
Katharina Walgenbach über das Problem der Reihenfolge der Benennung von Kategorien sozialer Ungleichheit (as in “race, class, gender”) bei interdependenten Analysen:
Das Problem der Reihenfolge der Benennung wird uns nicht zuletzt durch die lineare Darstellungsweise aufgezwungen, welche wir beim Verfassen eines Textes oder eines Vortrages verfolgen müssen, um uns verständlich zu machen. In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu erproben, ob die Hyperlink-Struktur der neuen Medien durch ihre semantischen Netze uns von diesem Zwang entlasten könnte und uns neue Möglichkeiten an die Hand gibt, die Komplexität des Themas Interdependenzen angemessener zu repräsentieren. (S. 43f)
gefunden in: Walgenbach, Katharina (2007): Gender als interdependente Kategorie, in: Walgenbach, Katharina/Dietze, Gabriele/Hornscheidt, Antje/Palm, Kerstin (Hrsg.): Gender als interdependente Kategorie. Neue Perspektiven auf Intersektionalität, Diversität und Heterogenität. Opladen.
Zweite Ausgabe der Liminalis
“Liminalis – Zeitschrift für geschlechtliche Emanzipation” ist eine Online-Veröffentlichung, die zurzeit auf Deutsch und Englisch vorliegt (Spanisch kommt in der nächsten Ausgabe dazu). Sie besteht aus Artikeln unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, Essays und künstlerischen Beiträgen und verfolgt das Ziel, in einer entpatologisierenden und entexotisierenden Weise (soziale) Bewegung und (kritische) Wissenschaft zusammen zu bringen.
Ausgangspunkt dieser Ausgabe der Liminalis sind Erfahrungen vieler Intersex- und Transgendermenschen mit Pathologisierung durch den medizinischen und rechtlichen Apparat in unserer Gesellschaft sowie durch kulturelle, politische und auch sprachliche Systeme, in denen kein Platz ist für eine positive Identifikation oder auch nur ein würdevolles Leben. Eine Emanzipation davon kann durch verschiedene Wege erfolgen. In dieser Ausgabe der Liminalis werden akademische, essayistische und künstlerische Versionen einer Auseinandersetzung mit möglichen Formen einer solchen Emanzipation vorgestellt. Die Beiträge in dieser Ausgabe beschäftigen sich mit den rechtlichen, sprachlichen und künstlerischen Möglichkeiten, eine heteronormative Zweigeschlechterordnung aufzubrechen und zu verändern.
Wir freuen uns in dieser Ausgabe nicht nur dekonstruktivistischen Ansätzen einen Raum geben zu können, sondern auch konkreten Vorschlägen, wie eine andere, nicht-pathologisierende, nicht-exotisierende Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen aussehen könnte. (aus dem editorial)
Die Artikel liegen innerhalb der Website als PDF vor, was ich persönlich etwas ungewohnt finde, obwohl es eigentlich ganz praktisch ist. Das wirkliche Problem ist natürlich wie immer die Zeit, die ich bräuchte, um die ganzen interessanten Sachen im Netz auch zu lesen.
Immer dieser Wille zum Wissen
Miriam erklärte vorgestern in einem Post bei Feministing, warum sie ein ungutes Gefühl hat, wenn es um wissenschaftliche Studien geht, die sich mit sexueller Differenz beschäftigen: Why I don’t like scientific studies about sexuality
Da neulich diese Forschungsergebnisse über homosexuelle und heterosexuelle Gehirne (sic!) durch die Presse gingen, laut denen die Gehirne von Schwulen denen von heterosexuellen Frauen ähneln, und die von Lesben denen von heterosexuellen Männern, fand ich es sehr schön, auf Miriams Text gestoßen zu sein: Read more
Geschlechterperformativität in Harburg
Mal was netteres als diese sch*** Hochschulpolitik.
Zwei Abende zum Thema Geschlechterperformativität
Sonnabend, den 28. Juni 2008
20 Uhr William Wheeler: “Border-Strip” – eine Striptease-Performance mit Musik und Video-Animationen
21 Uhr Tim Stüttgen aka Timi Mei MonigattiSonntag, den 29. Juni 2008
18:30 Uhr Geschlechterperformance bei Judith Butler – kurze Einführung in einige zentrale Begriffe zur Geschlechterkonstruktion bei Judith Butler durch Christina Ruppert
19:30 Uhr “one hand on open” – ein experimenteller Animationsfilm von Stefan Pente und William Wheeler, 2008. Länge 86 min., englisch. Im Anschluss gibt es Gelegenheit zum Gespräch mit den Regisseurenim Rahmen der Ausstellung:
Reihe:Ordnung sagt – SEX
mit Stefan Pente
Ausstellung: 27. April bis 13. Juli 2008
Öffnungszeiten: Mi. bis So. 14 bis 18 UhrMit der Ausstellung Reihe:Ordnung sagt – SEX setzen wir unseren im Jahr 2007 begonnenen und bis 2009 geplanten Ausstellungszyklus Reihe:Ordnung fort, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorstellt und ihren
ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt. SEX ist der vierte Teil der Reihe und wird mit Stefan Pente erstmalig als Einzelausstellung realisiert.Die Konstruktion von Identität ist das zentrale Thema des in Zürich und Berlin lebenden Künstlers Stefan Pente. Er beschreibt Sex in seiner Ausstellung für den Kunstverein Harburger Bahnhof als ein Verhältnis von Körper, Blicken und Raum.
Noch mehr Informationen dazu stehen in diesem PDF (56,3 KB).
“Feminisms and Activisms” zum runterladen
Die vierte Ausgabe der Annual Review of Critical Psychology (ARCP) mit dem Thema Feminisms and Activisms wurde 2005 von Alexandra Zavos, Barbara Biglia, Jude Clark und Johanna Motzkau herausgegeben. Die komplette Ausgabe kann kostenlos heruntergeladen werden (via nextgenderation’s mailingliste, by the way). Das Inhaltsverzeichnis verspricht eine internationale, multidiszipinäre Perspektive. Am meisten angesprochen hat mich auf den ersten Blick übrigens der Text “Housewives, maids, cleaning ladies and caregivers in general: Care in the communication continuum” von den Precarias a la Deriva.
Žižek hat Hamburg-Harburg vergessen
Der ist wohl ein heimlicher Anhänger der POP-Partei. Und gibt es nicht im Osten Hamburgs einen weiteren Fernbahnhof, an dem manche Züge halten? Die Frage stellt sich, weil Lysis etwas putziges von Žižek gelesen hat:
Warum Revolution und Deutschland nicht zusammengeht:
Warum hat Hamburg drei verschiedene Fernbahnhöfe, die alle an derselben Strecke liegen (Hauptbahnhof, Dammtor und Altona)? Der Unterschied zwischen den beiden ersten, die scheinbar ‘irrationale’ Tatsache, daß unweit des Hauptbahnhofs ein weiterer Bahnhof (Dammtor) liegt, läßt sich leicht erklären. Die herrschende Schicht wünschte einen Bahnhof, an dem sie den Zug unbehelligt vom ‘Pöbel’ besteigen konnte. Rätselhafter ist der dritte Bahnhof Altona. …”
(Via Lysis.)
Melanie Groß – Geschlecht und Widerstand
Die Dissertation von Melanie Groß liegt neben mir. Wahrscheinlich wird es noch eine Zeit lang dauern, biss ich dazu kommen werde, das Buch zu lesen. Aber schon das Inhaltsverzeichnis, das zusammen mit der Einleitung als PDF verfügbar ist, finde ich sehr überzeugend. Im Kapitel “Feministische Differenzen” diskutiert die Autorin strukturtheoretische Perspektiven auf Feminismus und poststrukturalistische feministische Ansätze. Sie bezieht aber auch queere und postkoloniale Feminismen mit ein. Damit macht sie deutlich, dass die Kritiken an Heteronormativität und hegemonialem Weißsein mittlerweile für eine Beschreibung von Feminismus von grundlegender Bedeutug sind.
In den anschließenden Kapitel stellt Groß Grounded Theory als Methode der empirischen Arbeit vor. Mit Gruppendiskussionen untersucht sie, wie drei unterschiedliche feministische Gruppen, die allesamt in der autonomen Szene verortet sind, sich den feministischen Diskursen bedienen und aufgrund unterschiedlicher Angriffsziele und Selbstverständnisse verschiedene Widerstandsformen gegen Normativität, Zuschreibungen und Wirkmächtigkeit entwickeln. Der Titel des Schlusskapitels “Perspektiven: Widersprüchliche Positionen – produktive Konflikte” lässt vermuten, dass die Vielfältigkeit und Konflikthaftigkeit feministischer Politiken positiv eingeschätzt werden kann und dass einer imaginären homogenen feministischen wahrlich nicht nachgetrauert werden muss.
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Paperback, 240 Seiten 19,90 Euro Januar 2008 Ulrike Helmer Verlag |
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Kommunistische Gespenster und weihnachtliche Wahlverwandtschaften
Von wegen nur Fotos… jetzt kommt schon der zweite Eintrag an diesem Vormittag. Mir ist gerade bei der taz-Lektüre eingefallen, dass heute Abend ein Vortrag von Bini Adamczak in der Uni Hamburg stattfindet. Die Autorin von “Kommunismus – Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird” und dem eben erschienenen “Gestern Morgen – Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft” spricht um 19 Uhr im Hörsaal M des Uni Hauptgebäudes (Edmund-Siemers-Alle 1) über den Inhalt ihres neuen Buches.
Pünktlich zum Jahrestag der russischen Revolution führt die Re-Konstruktion eines kommunistischen Begehrens in die Geschichte des Kommunismus und bürstet diese gegen den Strich: von 1939 bis 1917. Vom Hitler-Stalin Pakt bis zur Oktoberrevolution kreisen die Überlegungen Adamczaks um die Figuren von Partei und Klasse von Verrat und Versprechen, um sie in ihrer Logik, aber vor allem als Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin sucht das Trümmerfeld der Geschichte nach den revolutionären Wünschen ab, die darunter begraben liegen. Aber es gibt keinen unbeschadeten Zugriff auf die vergessenen Träume. Der Weg zu den vergangenen Hoffnungen führt über deren Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Die bergende Arbeit an der Geschichte ist somit eine Arbeit der Trauer, eine Trauerarbeit, die das Buch einfordert und zugleich performativ vollzieht. Es birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: „gestern morgen“.
Eine Rezension zum Buch erschien vor ein paar Wochen in der Jungle World. Die Veranstaltung wurde organisert von “Radio Loretta”, dem Fachschaftsrat Germanistik und Geschichte wird gemacht. An dieser Stelle sei auch schon mal verraten, dass Bini Adamczak wahrscheinlich im Sommersemester wieder in Hamburg sein wird, um einen anderen Vortrag bei “Jenseits der Geschlechtergrenzen” zu halten.
Wer dann sowieso so spät Abend noch an der Uni ist, kann anschließend in den AStA-Trakt (Von-Melle-Park 5) kommen und mit dem LesBISchwulTranSM – polymorph-perversen Referat ab 20 Uhr Weihnachten (?) feiern.
In diesem Jahr steht die Weihnachtsfeier des Referats unter dem Motto “Wahlverwandtschaft statt heteronormativer Kleinfamilie!” Es gibt – neben den obligaten Getränken, Weihnachtsplätzchen und Knabberkrams – Karaoke und ein Poly-Quiz.
Dringende Aufgaben
Das Vorwort zur zweiten Auflage von Hegemony and Socialist Strategy, dass Ernesto Laclau und Chantal Mouffe im November 2000 geschrieben haben, ist eine sehr schöne Zusammenfassung der Hegemonietheorie und radikal-pluralistischen Demokratie, in dem das theoretisches Projekt in sein politischen und theoriepolitischen Kontext eingeordnet wird.
Es ist ja nun nicht so, als seien Sexismus, Rassismus oder sexuelle Diskriminierung reine Mittelklasseprobleme, und als seine Arbeiter_innen davon nicht betroffen. Aber davon abgesehen, dass hier die Differenz zwischen sogenannten kulturellen und ökonomischen Themen wieder aufgerufen wird, finde ich folgendes Zitat besonders schön:
A final word about the way we envisage the most urgent tasks for the Left. Several voices haven been heard recently calling: ‘Back to the class struggle’. The claim that the Left has become too closley identified with ‘cultural’ issuses, and that it has abandoned the struggle against economic inequalities. It is time, they say, to leave aside the obsession with ‘identity politics’, ant to listen again to the demands of the working class. What should we make of such critiques? Are we, today, in an opposite conjuncture to that which provided the background of our reflection, based as it was in criticizing the Left for not taking the struggles of the ‘new movements’ into consideration? It is true that the evolution of the parties of the Left has been such that they have become concerned mainly with the middle classes, to the detriment of the workers. But this is due to their incapacity to envisage an alternative to neo-liberalism and their uncritical acceptance of the imperatives of ‘flexibility’, not to a supposed infatuation with issues of ‘identity’. The solution is not to abandon the ‘cultural’ struggle to go back to ‘real’ politics. One of the central tenets of Hegemony and Socialist Strategy is the need to create a chain of equivalence among the various democratic struggles against different forms of subordination. We argued that struggles against sexism, racism, sexual discrimination, and in the defence of the environment needed to be articulated with those of the workers in a new left-wing hegemonic project. To put it in terminology which has recently become fashionable, we insisted that the Left needed to tackle issues of both ‘redistribution’ and ‘recognition’. This is what we meant by ‘radical and plural democracy’. (xviii)
Laclau/Mouffe (2001/1985): Hegemony and Socialist Strategy. Zweite Auflage. London, New York (Verso).