Author: Kathrin

“Feminisms and Activisms” zum runterladen

Die vierte Ausgabe der Annual Review of Critical Psychology (ARCP) mit dem Thema Feminisms and Activisms wurde 2005 von Alexandra Zavos, Barbara Biglia, Jude Clark und Johanna Motzkau herausgegeben. Die komplette Ausgabe kann kostenlos heruntergeladen werden (via nextgenderation’s mailingliste, by the way). Das Inhaltsverzeichnis verspricht eine internationale, multidiszipinäre Perspektive. Am meisten angesprochen hat mich auf den ersten Blick übrigens der Text “Housewives, maids, cleaning ladies and caregivers in general: Care in the communication continuum” von den Precarias a la Deriva.

Ananas Schneiden I – Edeka exotisiert

Das, was we heute im der Freiburger Ausgabe vom Sonntag im Breisgau, einem kostenlosen Werbeblättchen, gefunden hat, ist ein Musterbeispiel für Exotisierung. Vermutlich sind die Ananas aus Costa Rica besonders schmackhaft, wenn sie von einem sympatischen, einmaligen Kenianer mundgerecht zubereitet werden. Ein Spektakel, das sich auch Kindergartengruppen und Schulklassen (die ganze Anzeige) nicht entgehen lassen sollten. Wo sehen die Kids denn sonst schon mal echte Ananas, Mangos und Papayas.

Aufruf und offener Brief zur Situation der Teilautonomen Referate an der Uni Hamburg

Nachdem der Blog jetzt wieder geht – der Server war kaputt – poste ich schnell mal den aktuellen Aufruf zum Protest gegen die Politik des Hamburger AStAs:

Für eine unabhängige Vertretung und gegen Bevormundung – gegen die Abschaffung des Frauenreferates!

Teilautonome Referate sind schon seit über 20 Jahren Bestandteil der Strukturen der Verfassten Studierendenschaft. Der neue AStA plant nun massive Einschränkungen unserer unabhängigen Arbeit. Das Frauenreferat soll gar ganz abgeschafft werden.

Die Teilautonomen Referate setzen sich für benachteiligte Gruppen an der Universität ein. Sie sollen einen Raum darstellen, in dem es möglich ist, Diskriminierungen zu benennen und diesen gemeinsam entgegenzutreten – abseits der Dominanzen und Hierarchien der Mehrheitsgesellschaft, die sich auch im AStA widerspiegeln.

Derzeit existieren vier Teilautonome Referate im AStA:

  1. Frauenreferat
  2. Ausländerreferat
  3. LesBISchwulTranSM polymorph perverses Referat
  4. Interessengemeinschaft behinderter und chronisch kranker Studierender

Die Teilautonomen Referate sind den AStA-tragenden Listen ein Dorn im Auge. Da die ReferentInnen der Teilautonomen Referate von den jeweiligen Vollversammlungen gewählt werden, sind sie damit unabhängig von dem derzeitigen AStA (der sich hauptsächlich aus SPD- und FDP-NachwuchspolitikerInnen rekrutiert). Das passt dem AStA nicht und so hat er in den letzten Wochen alles unternommen, um die Handlungsfähigkeit dieser Referate einzuschränken. Im Haushalt plant der AStA eine Kürzung unserer Gelder um über 20.000 Euro (ein Drittel der Mittel, die uns derzeit zur Verfügung stehen). Gleichzeitig genehmigte der AStA-Vorstand sich und seinen Publikationen 19.000 Euro mehr. Eine Besetzungsaktion nahm der AStA zum Anlass, mehrere ReferentInnen für “abberufen” zu erklären. Auch ansonsten war er nicht zimperlich: Der Finanzreferent hinderte beim Campus Open Air einen Referenten mit Gewalt daran, eine Solidaritätserklärung für die Teilautonomen Referate zu
verteilen.

Zu guter Letzt möchte der AStA nun das Frauenreferat abschaffen, und so hat der Drei-Männer-AStA-Vorstand dieses Referat aufgelöst und in das Sozialreferat eingeordnet. Frauen seien keine “Minderheit” und bräuchten deshalb keine unabhängige Vertretung. Grund für die Teilautonomen Referate ist aber nicht allein deren Minderheitenstatus, sondern die strukturelle Benachteiligung, die die unterschiedlichen Gruppen bis heute erleben. Dies gibt der AStA in seiner Stellungnahme sogar zu.

Welchen Stellenwert Gleichberechtigung aber für den AStA-Vorsitzenden hat, zeigt sich schon in einer Äußerung des AStA-Vorsitzenden Benjamin Gildemeister gegenüber dem Abendblatt: Der Zustand der Gebäude, nicht aber “Geschlechtergerechtigkeit” sei ein “wirkliches Problem” an der Uni. Insofern benötigen wir eine unabhängige Vertretung dringender denn je!

Wir wollen uns diese Bevormundung nicht länger gefallen lassen!
Beschwert Euch beim AStA und kommt zur

Versammlung am Montag 23.6. um 16 Uhr in die T-Stube rauchfrei (Pferdestall, Allende Platz 1)

Sitzung des Studierendenparlamentes am Dienstag 24.6. um 19 Uhr in den Hörsaal der Erziehungswissenschaften und unterstützt uns dort

Das Institut für Queer Theory hat einen Offenen Brief zu Situation in Hamburg veröffentlicht:

Gegen die Abschaffung des Frauenreferats des AStA der Universität Hamburg

Mit der Auflösung des Frauenreferats sowie den Mittelkürzungen der teilautonomen Referate verschreibt sich der AStA der Universität Hamburg einer in doppelter Hinsicht anti-demokratischen Politik: Er betreibt – noch dazu mit autokratischen Methoden – Interessenpolitik, statt sein Mandat als Vertretung der gesamten Studierendenschaft aufzufassen. Und er untergräbt die politische Partizipation derjenigen, für die Selbstorganisation in teilautonomen Referaten Möglichkeiten der politischen, sozialen und kulturellen Artikulation und Partizipation darstellt, die ihnen aufgrund struktureller Benachteiligungen verwehrt oder erschwert ist.

Demokratische Politik ist nicht „Politik der Stärkeren“ oder Privilegiensicherung, sondern orientiert sich an gesellschaftlichem Interessenausgleich und sozialer Gerechtigkeit.

Gegen eine Politik, die auf die Herrschaft dominanter gesellschaftlicher Kräfte und die Festschreibung struktureller Ungleichheit setzt.

Für den Erhalt ressourcenstarker teilautonomer Referate.

Berlin, 20.06.08
Antke Engel, Institut für Queer Theory (Hamburg/Berlin)

Lieber Malte,

#wenns brummt, ists gut“, meinst Du? Wusstest Du, dass:

  1. Sehr viele Sextoys gar nicht brummen?
  2. Es verschiedene Materialien gibt: Von Gummi und Jelly über Cyberskin und Silikon bis hin zu Gold, Glas und Holz?
  3. Diese Materialien unterschiedliche Vor- und Nachteile haben, vor allem bei der Reinigung und Haltbarkeit?
  4. Gummi ziemlich abtörnend stinkt, Silikon dagegen geruchsneutral ist? Das spricht für Silikon. Es ist außerdem verträglicher und besser haltbar.
  5. Es Gleitgel auf Wasser-, Silikon- und Ölbasis gibt?
  6. Silikongleitgel sich nicht mit Silikontoys verträgt? Es macht sie porös.
  7. Silikongleitgel aber besser flutscht als das auf Wasserbasis? Letzteres zieht nämlich auf der Haut ein.
  8. Gleitgeld auf Ölbasis sich nicht gut mit Latex und Gummi verträgt? Die möglichen Konsequenzen kannst Du dir sicher ausmalen.
  9. Gummihandschuhe in jeden Haushalt gehören?
  10. Was Dental Dams sind?
  11. Und dass man sie mit Frischhaltefolie günstig ersetzen kann?
  12. Man Sachen kaufen, aber auch selbst bauen kann?
  13. Es natürlich auch einen Sextoy-Test Blog gibt?
  14. Die letzte Save Sex Broschüre für Lesben von 1997 stammt?
  15. Beim Spielen mit Lebensmittel darauf zu achten ist, dass Zucker auf Schleimhäuten Pilze befördert?

All das und noch mehr lernt man auf einem Sextoy Workshop, “damit der Einkauf im Sexshop Spaß macht und das Eingekaufte dann auch noch eine Weile hält.”

Have fun & take care,

Deine IHDL

Gleichstellungspolitik wird Chefsache

Zumindest soll Gleichstellungspolitik im AStA der Uni Hamburg jetzt zur Kernangelegenheit werden. KernAStA nennen sich die vom Studierendenparlament gewählten Vertreter der Studierendenschaft in Abgrenzung zu den vier teilautonomen Referaten. Das Frauenreferat, das bisher basisdemokratisch von der Frauenvollversammlung gewählt wurde, soll jetzt aufgelöst werden. Dies geschieht, nachdem bei der letzten Frauenratswahl die amitierenden und sehr aktiven Referentinnen einer aus dem Nichts auftauchenden Konkurenzliste ohne Programm unterlagen. Um Gleichstellungsfragen soll ich in Zukunft das Sozialreferat kümmern.

Weiterhin ist der AStA der Meinung, dass Frauen an der Uni zwar keine Minderheit (mehr) darstellen, aber noch immer mit Diskriminierungen aufgrund ihres Geschlechts zu kämpfen haben. Da die Gleichstellungsproblematik also die Mehrheit der Studierenden betrifft, hat der AStA sich dafür entschieden, die Frage der Gleichstellung nicht mehr in der Struktur einer Minderheitenvertretung zu belassen, sondern in den Kern-AStA zu integrieren.

Mehr dazu auf der Homepage des AStAs. Der Plan ist, in Anbetracht der Geschichte der teilautonomen Referate und der gesellschaftlichen Zustände, ein Skandal, aber immerhin aus mathematischer Sicht bestechend einleuchtend.

Gerade noch so legale Rauschmittel

Gestern Abend im Gespräch mit einer Freundin ist mir aufgefallen, dass ich mal wieder Lust auf Happy Face, das Party-Getränk meiner Jugend, habe. Das Rezept:

– 1 Flasche Wodka
– 1 Flasche Kirschlikör
– 1 Flachmann Cantré
– 3 Liter Orangensaft
– 3 Dosen Red Bull

Das ganze wird in einem bisher nicht für seinen eigentlichen Zweck genutzen Benzinkanister gemischt, und zwar nach Alkoholgehalt absteigend. Lange Trinkhalme eignen sich hervorragend zum Trinken. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich die Farbe des Getränks jemals gesehen habe. Die berauschende Wirkung ist einzigartig.

Andere Unis haben auch …

… sehr tolle ASten (AStAs?) mit sehr wichtigen Themen.

Die Uni Hamburg hat die queer feministische Woche, die auch ohne AStA-Anbindung sehr schön ist.

Berlin: Überfall auf Besucher_innen des Drag Festivals – Montag Demo

Gerade erreichte mich diese sehr bedrückende Mail mit der bitte um Weiterleitung:

Hallo,

leider ist es heute morgen früh nach der Drag Festival-Party im SO 36 zu einem Überfall auf 7 Gäste des Drag Festivals Berlin gekommen!

Indymedia schreibt: “In der Nacht vom 07. zum 08. fand das Dragfestival im SO36 statt. Als die letzten Gäste gingen und das SO36 schon am schliessen war, wurde eine Gruppe Frauen/Lesben am Heinrichplatz von mehreren Männern, die aus 3 vorbeifahrenden Autos sprangen, zusammengeschlagen. Einer der Wagen hatte einen Aufkleber der faschistischen “Grauen Wölfe” am Heck kleben. Die Frauen/Lesben wurden niedergeschlagen und am Boden weitergetreten. Dann sind die Angreifen zurück in die Autos und fuhren weg. Die Betroffenen trugen Verletzungen davon, eine war ca. 5 Minuten bewußtlos. In den letzten Tagen häufen sich verbale und/oder körperliche Angriffe auf homosexuelle/queere/linke Menschen.”

* Wir nehmen diesen Überfall zum Anlass morgen, Montag 09. Juni, um 19h eine Spontandemo mit dem Motto “Smash Homophia!” zu machen. *
*
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* Startpunkt: Mariannenplatz. Zeit: 19 Uhr *

Kommt alle und sagt allen Bescheid!

Für mehr Infos bitte die Webpage konsultieren (…)
****Drag Festival Berlin****
5.-8. Juni 2008
www.drag-festival.net

Update: Es gibt eine weitere Meldung dazu auf Indymedia, die eine Presserklärung der Veranstalter_innen enthält. Darin wird auch darauf eingegangen, dass dieses Ereignis leider kein Einzelfall darstellt.

Über “Wir Alphamädchen”


Meredith Haaf, Susanne Klinger und Barbara Streidl, die zusammen auch bei der mädchenmannschaft bloggen, erklären in “Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das leben schöner macht”, warum Frauen Feministinnen sein sollten und wozu das überhaupt (noch) nötig ist. Für mich, die ich einige queer-feministische Genderseminare mehr auf dem Buckel habe, als es für das neue Gender-Kompetenz-Zertifikat meiner Uni nötig ist, gab das Buch zwar nicht viele neue Erkenntnisse her, war aber trotzdem eine interessante Lektüre, denn die öffentliche Diskussion über Feminismus wird in den letzten Wochen von vermeintlichen “Generationenkonflikt” zwischen dem “alten” Feminismus á la Alice Schwarzer und einem jungen Feminismus der “Alphamädchen” und “Neuen Deutschen Mädchen” bestimmt. Das wollte ich mir genauer ansehen.

Das Buch “Neue Deutsche Mädchen” von Elisabeth Reather und Jana Hensel habe ich aufgrund des wirklich abschreckenden Titels bisher noch nicht in die Hand genommen. Darum bezieht sich dieser Text auch nur auf das Alphamädchen-Buch, das – soviel vorweg – einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen hat. Die Autorinnen beschäftigen sich mit allerlei wichtigen Themen wie Sex, Verhütung und Abtreibung, das Frauenbild in den Medien, die Demographiedebatte, Erwerbsarbeit oder politische Partizipation. Stil und Sprache von “Wir Alphamädchen” sind verständlich, differenziert, Stellung beziehend und nicht pauschalisierend. Die Autorinnen sind Journalistinnen, und vermutlich gelingt es ihnen vor diesem Grund besser als den meisten akademischen Feministinnen, ihre Standpunkte zu vermitteln. Ich würde das Buch denjenigen empfehlen, die sich auf einer grundlegenden Ebene für Feminismus interessieren. Da es mit Verve und Wut geschrieben wurde, und ziemlich überzeugend ist, funktioniert es bestimmt als feministischer Appetizer, nicht nur für junge Frauen.

In der aktuellen Debatte, die sich über dieser und anderen Veröffentlochungen entzündet hat, wird “Wir Alphamädchen” meiner Meinung nach zu Recht vorgeworfen, Ausschlüsse zu machen. Diese gründen auf der Konzentration auf “Themen, die einen Großteil der jungen Frauen, die heute in Deutschland leben, betreffen”. Das die spezifischen Perspektiven von beispielsweise Lesben oder Migrantinnen nicht aufgenommen wurde, macht das erste Kapitel zumindest transparent. Trotzdem stößt die durchgängig verwendete Wir-Form auf, denn der Feminismus blickt auf einige Jahrzehnte der Auseinandersetzung und Reflexion des problematischen Versuches, Politik für “alle” Frauen zu machen, und diese unter einem gemeinsamen “wir” zu fassen. Ich finde, diese mangelnde Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte macht eine solche Klarstellung zu Anfang eines Buches nicht wett. Stattdessen reproduziert die Selbstpositionierung zu Anfang des Buches eine problematische Trennung zwischen Theorie und Praxis, wenn Haaf/Klinger/Streidl schreiben

Keine von uns hat Genderwissenschaften studiert oder war in der links-alternativen Szene aktiv. Im feministischen Establisment wird man uns nicht kennen. Unser Feminismus ist aus dem Alltag entstanden und aus unsere journalistischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tendenzen und Debatten.

Leute, die aus den Gender Studies, der linken Szene oder dem feministischen Establisment kommen, haben auch Alltagserfahrungen, und dazu ganz häufig ein Wissen über die Geschichte feministischer Praxen und Diskussionen, und über die Komplexität von Geschlecht und Sexualität. Dieses Wissen macht das Schreiben und Nachdenken über Feminismus zugegeben manchmal etwas kompliziert. Ich will damit nicht sagen, dass die Autorinnen sich nicht mit diesen Dingen auseinandergesetzt hätten, oder gar ein solches Buch gar nicht hätten schreiben dürfen, aber etwas mehr Vielschichtigkeit, und etwas weniger “wir” hätte ich mir schon gewünscht.

Vielleicht ist es eine vermeintliche Mehrheit der jungen Frauen, mit dem sich “Wir Alphamädchen” beschäftigt. Das Buch ist an weißen, heterosexuellen, karriereorientierten Frauen ausgerichtet. Ines Kappert stellt in ihrem taz-Artikel über die Auseinandersetzungen zwischen Alice Schwarzer und jüngeren Feministinnen, zu denen auch die Alphamädchen-Autorinnen gehören, fest:

“Der blinde Fleck der “Alphamädchen” liegt in ihrem bestenfalls naiven Anspruch, Elite sein zu wollen. Er liegt in ihrem Mangel an Interesse, einen Begriff von Gesellschaft zu entwickeln, mithin über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken”

Ob das Buch dadurch neoliberal und elitär ist? Jedenfalls entspricht es dem zurzeit hegemonialen Feminismusverständnis. In erster Linie werden dabei die Gleichstellung von Männern und Frauen im Erwerbsleben sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Blick genommen. Das proklamierte “Wir” will das, was “die Männer” schon haben. Dabei wird die Lohnarbeitsgesellschaft in ihrer heutigen Form nicht hinterfragt, bzw. in einer familien- und frauenfreundlicheren Spielart gefordert.

Mich nervt darüber hinaus auch der ständige Versuch, Feminismus zu branden. Erst die “F-Klasse” von Thea Dorn, jetzt die “Alpha-Mädchen”. Bücher brauchen griffige, bestenfalls vermarktbare Titel. Aber muss es immer ein Schlagwort sein, das zugleich als Markenname eines vermeintlich neuen Feminismus herhalten soll? Und was impliziert es eigentlich, dabei einen Begriff zu verwenden, der Assoziationen zu hierarchischen Konzepten wie dem “Alphatier” aufruft? Wer sind die “Omega-Mädchen”? Vermutlich ist das mal wieder Augenzwinkernder gemeint, als es bei mir ankommt. Der Titel des Buches hat jedoch Unbehagen bei mir geweckt, und hätte ich nicht schon einige wohlwollende Rezensionen und nicht zuletzt den Blog der mädchenmannschaft gerne gelesen, hätte ich das Buch vermutlich nicht gekauft.

Trotz alledem ist es Autorinnen wie Haaf, Klinger und Streidl anzurechnen, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die Zeiten des so genannten “Frauen haben alles erreicht”–Postfeminismus jetzt erstmal vorbei zu sein scheinen. Die Diskussion über “alte” vs. “junge” Feminismen, zu der jetzt eine zweite Ebene von “akademischem” und “journalistischem” Feminismus zu treten scheint, verdient es jedoch, kritisch betrachtet und vor dem Hintergrund vielfältiger feministischen politischen Praxen gegengelesen zu werden. Dazu dann demnächst mehr an dieser Stelle.

Das Recht, das heteronormative

Das Bundesverfassungsgericht hat, wie die taz berichtet, die Klage eines verpartnerten Beamten abgeweisen, der keinen Verheiratetenzuschuss erhält. Ein solcher Zuschuss steht jeder/m verheirateten Beamten/in automatisch zu. “Für Beamte in einer eingetragenen Partnerschaft ist dies nur vorgesehen, wenn sie den Partner tatsächlich unterhalten müssen, weil ihm weniger als rund 600 Euro pro Monat zur Verfügung stehen”, so die taz. Durch das Urteil wird, wie urmila feststellt, deutlich, dass das BVerfG von der klassischen Versorgerehe ausgeht, bei der ein Partner für den Familienunterhalt zuständig ist, und der andere das betreuende Elternteil darstellt sowie die meisten anfallenden Arbeiten rund um das gemeinsame Heim verrichtet.

Das Urteil zeigt nicht nur, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft weiterhin gegenüber der Ehe benachteiligt wird, sondern auch, dass die Institution der Ehe im Zusammenhang mit der Institution des Rechtes auf Prämissen beruht, die nicht von einer egalitären Arbeitsteilung in heterosexuellen Paarbeziehungen ausgeht. Sie gehört meiner Meinung nach abgeschafft, und wenn das zu utopisch ist, so sollten doch zumindest diese Versorgergeschichten raus aus der Sozial- und Steuergesetzgebung, sowie den verschiedenen anderen Bereichen, die davon betroffen sind.