Category: DigitalLife

Aufruf zum Ada Lovelace Day

In der Küchenradiofolge über die Digitale Intimsphäre sprechen das Küchenradioteam und Constanze Kurz ganz am Anfang über Frauen auf dem 25C3 und Frauen in der Informatik. Kurz, Sprecherin des CCC und Informatikdozentin an der HU Berlin ist skeptisch, ob sich der Anteil der Frauen in diesem Kontext in den nächsten Jahren signifikant erhöhen wird. Das sei in den letzten Jahren nicht geschehen, und auch wenn Frauen heutzutage das Internet und Social Networks in großer Zahl nutzen, tauchen sie in den Informatikkursen der deutschen Oberstufen leider kaum auf und machen in entsprechenden Fächern auch an den Unis nicht mehr als 10 % der Studierenden aus.

Das Thema Frauen in Technologie und Informatik ist mir in letzter Zeit nicht nur im Küchenradio über den Weg gelaufen. Beim Electronic Monk las ich von dem Vorhaben eines Ada Lovelace Day. Am 24. März – das ist weder Ada Lovelaces Geburts- noch ihr Todestag – soll es Blogposts über bewunderswerte Frauen in diesem Bereich geben. ada lovelace Warum? Suw Charman-Anderson ist genervt davon, wie innerhalb der Szene, in der Tech-Presse und auf Konferenzen mit Frauen umgegangen wird:

The objectification of women is bad enough when it’s done by the media, but when it’s done by a conference organiser or tech commentator or famous tech publication, what message does it send? Nothing but “You will never be taken seriously, but we might take notice of you if you’re hot.”

Als Grund für die geringe Zahl von Frauen im Feld der Informatik bezeiht sich Suw auf eine Studie, der zufolge Frauen und Mädchen stärker auf Vorbilder angewiesen sind als Männer. Während mir diese Studie etwas zu kurz zu greifen scheint – wie kann ein so komplexes Thema experimentell auf eine Ursache zurück geführt werden und ist es nicht so, dass Jungs in den meisten Bereichen ihr ganzes Leben schon genügend Vorbilder haben, um zu wissen, dass sie es grundsätzlich schaffen können – finde ich doch die davon abgeleitete Idee schön, an einem Tag über tolle Frauen zu bloggen, die beispielsweise Programmiererin, Designerin, Unternehmerin, Soft- oder Hardwareentwicklerin, Technikjournalistin oder -beraterin sind.

Damit sich der Ada Lovelace Tag auch wirklich niederschlägt und es nicht bei einer Hand voll Postings bleibt, wurde zunächst ein Pledge durchgeführt. Erst wenn 1000 Leute mitmachen, sollte das Projekt durchgeführt werden. Das Quorum wurde schnell erreicht, wie ihr oben sehen könnt. Aber wären 2000 oder 10 000 Blogposts am Ada Lovelace Day nicht auch eine schöne Sache?

Der Genderplanet

Die Zahl feministischer, queerer und gender-studies-relevanter Blogs wächst auch im “deutschsprachigen Raum” (auch so ein Konstrukt) und es ist gar nicht so leicht, alles zu finden, was interessant und lesenswert ist. Seit Dezember gibt es eine zumindest für die Nutzer_innen überraschend einfache Lösung, die Danilola und Mari*us im Rahmen des Projektes gender@wiki entwickelt und umgesetzt haben. Der Genderplanet ist ein aggregierter RSS-Feed aus vielen relevanten Blogs von der Mädchenmannschaft über das Drag Kingdom bis zur Berliner Genderbibliothek, und auch dieses Blog ist mit den Beiträgen der Kategorien Feminismus und Queer vertreten.

Ihr könnt den Genderplaneten mit dem Browser oder einem Feedreader nutzen, ganz nach Geschmack. Ich habe den Genderplant-Feed auch hier in die Sidebar integriert. Ihr könnt euch also links gleich mal ansehen, was es in der (queer-) feministisch Bloggosphäre Neues gibt. Tolles Projekt, unbedingt auschecken!

Update-Trouble mit Mail und Verschlüsselung

Gestern wurde das 10.5.6 Update für Leopard veröffentlicht. Nach dem Update wollte Mail nicht mehr starten. Es stürzte kurz nach dem Öffnen wieder ab, und schuld war das GPG Plugin, das ich zum verschlüsseln meiner Mails benutze. Das Problem ließ sich aber schnell lösen. Ich habe unter (home) > Library > Mail > Bundles das GPGMail.bundle entfernt. Mail starte wieder, aber natürlich ohne die GPG Funktion. Nachdem ich die aktuellste Version des GPG Plugins geladen und wie im Readme beschrieben installiert/aktiviert hatte, ging es aber wieder wie gewohnt. Vermutlich funktioniert es auch, das alte gleich mit dem neuen Bundle zu überschreiben, das habe ich aber nicht ausprobiert. Für alle, die gerne wissen wollen, wie sie ihre Mails mit Mail.app verschlüsseln können, empfehle ich die sehr gute Anleitung von Dirk Einecke.

Ideen weiterspinnen: iSleep und der Gleitzeitwecker

The Electronic Monk hat eine gute Idee: Eine Schlafmaske, die irgendwelche Wellen im Kopf misst und ein Signal an beispielsweise iTunes sendet, damit auch Ruhe im Raum einkehrt, wenn Ruhe im Körper eingekehrt ist:

Okay, here’s what I need someone to build: A device I can attach to my forehead before going to sleep that monitors if I am awake.

As soon as theta waves kick in, the device notices that I’m not conscious anymore and tells the rest of my equipment about it – e.g. so iTunes can stop playing that audio book I was listening to.

From a technical standpoint I think the device should be feasible: Put the electronics in a sleep mask or a headband. A single frontal electrode should be enough to detect theta waves, a dsp, a small microprocessor, bluetooth for communication and a battery – Presto.

Und um sie noch weiter zu spinnen: Die Schlafmaske oder das Stirnband könnte über Bluetooth auch mit einem Wecker verbunden sein. Dieser Wecker würde dann nicht auf eine exakte Uhrzeit eingestellt sein, sondern (optional) auf einen Zeitrahmen. Dann könnte er zwischen beispielsweise 5:30 Uhr und 7:30 Uhr genau dann klingeln, wenn der Zeitpunkt fürs Aufwachen ideal ist. In einer Wachschlafphase fällt es sicher leichter, aus den Federn zu kommen, und für alle, die sich Gleitzeitaufstehen erlauben können, wäre das doch eine schöne Erfindung.

Krampf im Fotoautomat

Ich habe heute meinen Personalausweis neu beantragt und war dazu im Bürgeramt Hamburg-Altona. Erfreulicherweise gibt es dort auch einen Fotoautomaten, der biometriekonforme Fotos macht. Brauche ich zwar für den Perso nicht, aber wenn ich schon mal 6 Euro für vier Fotos hinblättere, mache ich das Foto lieber gleich so, dass ich es noch für einen Pass benutzen kann. Also Kopf in die richtigen Position, Haare aus dem Gesicht, nicht lächeln! Sieht scheiße aus, aber krieg ich hin.

Vor mir an der Reihe war aber eine Familie mit einem etwa einjährigen Kind, dass neuerdings einen eigenen Kinderreisepass braucht. Auf dem Foto darf der Kopf nicht zu groß, muss gerade sein, und vor allem: Es darf keine Person im Hintergrund zu sehen sein. Einfach auf den Schoß nehmen ist also nicht drin. Wie soll das gehen? Das Elternteil verkriecht sich auf dem Boden des Automaten und stemmt das Baby hoch, dass dann bitte Haltung einnehmen soll? Geile Idee, liebe Bundesdruckerei, und danke für die informative Mustertafel. Wenigstens dürfen Babys schielen und lächeln.

Ausgeliehene Bücher im Blick behalten

Ich spiele heute mal Bits und so (von denen habe ich auch den Tipp) und beglücke die bibliothekennutzenden Mac User unter euch mit einem Pick: “Keep track of the library books you’ve borrowed and avoid fines.”

Library Books ist eine kleine Software, die dabei hilft, Abgabetermine für ausgeliehene Bücher nicht zu vergessen. Das Programm wird mit den persönlichen Logindaten zum Bibliothekskatalog versorgt, d.h. mit der Ausweisnummer und dem Passwort. Es fragt dann regelmäßig im System nach, was ausgeliehen ist und wann es zurück muss. In der Menüleiste stellt es dann einen kleinen Stern dar, der rechtzeitig vor dem Rückgabetermin die Farbe wechselt. Library Books arbeitet auch mit iCal und Growl zusammen. Mir hat Library Books in den vergangenen zwei Jahren schon jede Menge Nerven und Geld gespart, weil ich rechtzeitig an das Zurückgeben oder Verlängern erinnert wurde, ohne selbstständig nachsehen zu müssen, wann es soweit ist. Library Books funktioniert mit vielen Bibliothekskatalogen. Es lohnt sich sicher auch, Unibibliotheken, die noch nicht auf der Liste sind, mit dem Programm zu testen.

Nachtrag: Chbeer weist bei Twitter auf buecherwecker.de hin, das einen ähnlichen Service bietet, nicht auf Mac OS X beschränkt ist und per Mail an die Abgabe erinnert.

Google Fail, Hamburg Edition

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken! Wer findet die Fehler?

Google Screenshot mit Suchergebnis zu HWP Hamburg

Der Treffer passt auf den ersten Blick zum gesuchten Begriff. HWP heißt Hochschule für Wirtschaft und Politik. Vor ein paar Jahren wurde sie mit der Universität Hamburg fusioniert, wo sie als Department Teil der Fakultät für Wirtschaft und Politik ist. Der Link führt jedoch nicht zur Website dieses Departments, sondern zur Universität der Bundeswehr in Hamburg, der Helmut Schmidt Universität. Die Adresse wiederum passt zur HWP, der Pin im Kartenausschnitt zeigt auch auf diese Adresse, aber ist mit “Technische und Makromolekulare Chemie” beschriftet. Irgendwas ist da schief gelaufen in Hamburgs Hochschullandschaft.

Auch mal in die Glaskugel schauen

Ich beteilige mich jetzt einfach mal aus dem Blauen heraus an der Mac-Gerüchteküche. Es ist zwar nicht gerade Hauptsaison, aber ich habe mir neulich, als ich beim Kochen MobileMacs hörte, folgendes überlegt: Nachdem vor ein paar Wochen die neuen MacBooks und MacBook Pros vorgestellt wurden, ist die Produktpalette optisch ein bisschen durcheinander geraten. Während die Laptops im Consumer- und Profibereich bisher zwei klar getrennten Linien angehörten, ist das schon seit dem MacBook Air nicht mehr so, und mittlerweile ziemlich chaotisch. Mit dem neuen, alten Macbook in Weiß gibt es einen Ausreißer im unter 1000 Dollar/Euro Breich, und mit dem nicht geupdateten 17″ MBP einen Ausreißer im Pro-Bereich für die Leute, die einen größeren Laptop wollen. Dabei zeichnete sich die Apple-Produktpalate für mich immer dadurch aus, dass sie so schön übersichtlich ist, und man gleich sehen kann, was das links-oben und was das rechts-unten Modell ist, und von welcher Generation die Geräte ungefähr sind.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Es wird ein Netbook von Apple geben. Die Kleinen sind ja laut Steve Jobs ein aufkeimender Markt. Außerdem spricht dafür, dass die Trennung zwischen Consumer und Pro bei den heutigen RAM und Festplattenpreisen immer weniger sinnvoll ist. Vielleicht heißt die neue Binarität ja tatsächlich ultramobil vs. “mobil, aber eigentlich steht mein Laptop die meiste Zeit in meiner Wohnung”. Es könnte leichte, air-artige Notebooks um die 11″ geben und größere, schwerere um die 15″ für die andere Zielgruppe. Was die Preise angeht, bin ich mir nicht sicher, aber irgendwann sollte ein kleines, leichtes Ding für unter 1000 Dollar doch drin sein. Prognose festgehalten, und in einem halben Jahr schauen wir nach, was passiert ist.

Arbeit verpeilt, aber entspannt

Ich gehöre nicht hundertprozentig zu den Anhänger_innen des LOBO (“lifestyle of bad organisation”), zeige aber hin und wieder solche Tendenzen. Alle paar Wochen muss also eine neue To-Do-Liste her oder die Gedanken kreisen um Getting Things Done-Konzepte. Falscher Ansatz: In “Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdiziplin” (rowohlt) raten Kathrin Passig und Sascha Lobo dazu, sich nicht über die eigene Disziplinlosigkeit zu ärgern, und auf keinen Fall zu versuchen, diese mit Selbstdisziplin zu bekämpfen. Stattdessen sollte sich diese unpraktische Welt um uns herum verändern, und wir können kreative Workarounds entwickeln, um die negativen Folgen der Prokrastination zumindest einzudämmen.

Ich suchte im Buchhandel vergebens auf dem Wirtschaftsstapel nach “Ding geregelt kriegen…”, weil ich es mit Holm Friebe und Thomas Ramges “Marke Eigenbau” assoziiere. Das ist natürlich Quatsch: Auf dem Psychologie-Tisch wurde ich fündig, und da gehört Selbsthilfeliteratur ja auch hin. buchcoverPassig/Lobos Ansatz ist tatsächlich originell. Er verabschiedet sich vom Arbeitsethos, passt aber in unsere Zeit. Sich auf diesen Blickwinkel einzulassen könnte tatsächlich für seelische Entlastung und dann irgendwie doch wieder mehr Produktivität sorgen, und die netten Anekdoten und möglicherweise sogar hilfreichen Kniffe sind sowieso lesenswert.

Mir scheint, als verfolgen die ZIA-Leute mit einigen ihrer Veröffentlichungen ein konzertiertes Projekt einer Neubestimmung von Arbeit und Leistung. Im Fall von “Wir nennen es Arbeit” sagt der Name schon alles, in “Marke Eigenbau” wird die These aufgestellt, im 21. Jahrhundert dehne sich Individualisierung darauf aus, “wie wir arbeiten, produzieren, Geld verdienen und uns unseren Tag einteilen”, und von letzterem handelt das neue Buch von Passig und Lobo. Bei mir hatte die Lektüre dieser Schrift gegen die Selbstdiziplin einen ganz interessanten, paradoxen Effekt: Ohne jede äußere Notwendigkeit bin ich die ganze Woche über in den frühen Morgenstunden aufgestanden. Aber ich habe als Kind auch mit extremer Aufgedrehtheit auf einschläfernde Fieberzäpfchen reagiert.