Category: DigitalLife

#dcka – Februar 2012

Der Computer kann alles vom 8. Februar 2012 ist online und kann auf freie-radios.net angehört und runtergeladen werden. Themen der Februar-Sendung:

Mit dem RSS-Feed könnt ihr die monatliche Sendung auch als Podcast abonnieren. Die nächste Sendung läuft am 14. März 2012 von 17 bis 19 Uhr im Freien Sender Kombinat.

ACTA und die Netzbewegung

Scheint so, als sei diese Netzbewegung heute wieder ein Stück sichtbarer geworden. Und gleichzeitig hat sie sich transformiert. Zum Zensurusula-Moment im Sommer 2009 waren es mehrheitlich Leute ab Mitte 20, die gegen eine staatliche Zensurinfrastruktur und für “Löschen statt Sperren” auf die Straße gegangen sind. Das Bild der ACTA-Demos am heutigen Samstag war dagegen weniger von der Generation C64 geprägt als von der Generation youtube, um einmal dieses schlimme Journalistendeutsch zu benutzen. In Hamburg habe ich jede Menge junger Menschen gesehen, die scheinbar mit ihrer ganzen Klasse zur Demo gekommen sind, Schilder dabei hatten und Guy Fawkes Masken trugen. Die Netzbewegung weitet sich aus, je mehr Themen auf den Tisch kommen. Zensur, Überwachung, Urheberrecht. What’s next?

Die Netzbewegung fußt in Deutschland auf Strukturen, die älter sind als das Web 2.0 und Zensursula. Ohne den CCC und die Erfahrungen der 1980er Jahre sähe die hiesige Landschaft anders aus. Aber auch die Diskussionen über “Killerspiele” und illegale Downloads wurden schon vor über zehn Jahren diskutiert. Vertreter_innen der Zivilgesellschaft haben sich an Global Internet Summits beteiligt. Mit Hacktivism hat die Lufthansa schon Erfahrungen gemacht, als Anonymous noch unmaskiert in die Grundschule ging. Eine Soziale Bewegung entsteht nicht aus dem Nichts, sie wird aber ab einem bestimmten Zeitpunkt als solche wahrnehmbar. Für mich war sie seit der Massenverfassungsbeschwerde zur Vorratsdatenspeicherung zu erahnen, mit Zensursula wurde die Netzbewegung fassbar. Die Bewegung manifestiert sich nur selten auf der Straße. Viel passiert im Netz und für alle, die dort nicht dabei sind, es es schwer, zu erahnen, was an Kommunikation, Politisierung und Vernetzung dort Tag für Tag passiert. Die “Freiheit statt Angst”-Demonstrationen waren bisher die Ausnahme. Mit den heutigen Anti-ACTA-Demos sind neue Bilder dazu gekommen, Bilder von Jugendlichen, die für das Internet, in dem sie aufgewachsen sind, auf die Straße gehen. Die Mobilisierung, der Diskurs und die Organisationen, die dahinter stehen, waren aber schon da.

Also falls es noch jemand nicht mitbekommen hat: Die Netzbewegung ist eine Soziale Bewegung. Ein verteiles, informelles Netzwerk von vielen Individuen und unterschiedlichen Organisationen, das über eine kollektive Identität verfügt (das Internet als Lebenswelt, die netzkulturellen Meme, die Werte von Informationsfreiheit, Sharing, Transparenz) und sich mit den Mitteln des öffentlichen Protestes offline und online für gesellschaftlichen Wandel – die Gestaltung der digitalen Gesellschaft – einsetzt.

Robots and hands

Mike Daisey was a self-described “worshipper in the cult of Mac.” Then he saw some photos from a new iPhone, taken by workers at the factory where it was made. Mike wondered: Who makes all my crap? He traveled to China to find out.

Die This American Life-Folge Mr. Daisey and the Apple Factory thematisiert die Produktionsbedingungen in den Sonderwirtschaftszonen Chinas. Mike Daisey begab sich auf eine investigative Reise nach Shenzhen. Dort sitzt u.a. der Elektronikhersteller Foxconn, für den mehr als 300 000 Mitarbeiter_innen Appleprodukte und Bauteile für Sony, Nintendo und Hewlett-Packard herstellen. Seine Erkenntnisse und Eindrücke führt Daisey in Form eines Monologs auf. In zweiten Teil der Folge wird seine Perspektive durch das This American Life-Team vor dem Hintergrund weiterer Recherchen eingeordnet.

Hinter der shiny Oberfläche eines Smartphones steckt jede Menge Arbeit, da muss eine sich keine Illusionen machen. Einen Gedanken zum technokapitalistischen Nord-Süd-Verhältnis fand ich aber besonders interessant: Daisey beschreibt, dass ihn die Tatsache, dass ein Smartphone von sehr vielen Arbeiter_innen in einzelnen Schritten per Hand zusammengesetzt wird, ziemlich überrascht hat, obwohl er sich vorher keine großen Gedanken dazu gemacht hat. Seine Vorstellung von moderner Produktion sei geprägt von den Bildern aus japanischen Automobilfirmen der 1980er Jahre. Er war unbewusst davon ausgegangen, dass er diese Bilder auch in Shenzhen sehen würde, obwohl er auch schon von Sweatshops gehört hatte.

Statt der Hightech-Roboter setzen zehntausende von Arbeiter_innen die ganzen kleinen Teile, aus denen die Gerät bestehen, von Hand zusammen. Bis zum letzten Schritt, dem Polieren des Displays. Maschinen nehmen den Arbeiter_innen in Shenzhen die Arbeit nicht weg. Die Arbeit ist dort nämlich noch günstig genug. Tief eingeschriebene Fortschrittsnarrative lassen uns aber glauben, dass die technologische Entwicklung längst so weit sein müsste. Diese Illusion wirkt besonders absurd, wenn wir von den guten alten Zeiten schwärmen, in denen die Dinge, die wir konsumieren, noch aus echter, authentischer Handarbeit waren.

Nach dem diese Illusion vorerst zerstört ist, müsste aber auch die Frage gestellt werden, ob “Maschinen nehmen uns die Arbeit weg” im Kontext der Forderung eines Bedingungslosen Grundeinkommens ((Vom Netzwerk Grundeinkommen gibt es Poster mit diesem Spruch. Eine von Anne Allex und Harald Rein herausgegebene Veröffentlichung mit Beiträgen zum Existenzgeld heißt “Den Maschinen die Arbeit … uns das Vergnügen!”)) eine solidarische Annahme ist und ob es uns dabei egal ist, dass es eben nicht nur Maschinen sind, die diese Arbeiten jetzt übernehmen.

Zwei mal mehr “Der Computer kann alles”

Ich bin endlich dazu gekommen, die Dezember 2011 (Themen u.a. Guttenberg und Post-Privacy) und Januar 2012 (Themen u.a. Nazileaks, Anonymous, 28c3) Folgen von “Der Computer kann alles” bei freie-radios.net online zu stellen. Wie immer ist die Musik rausgeschnitten. Es gibt jetzt auch einen RSS-Feed zur Sendung, also ab damit in die Podcast Playlist. Ich möchte das auch noch bei itunes einreichen, nur fehlt das Artwork dazu. Falls jemand eine Idee hat, nur zu … :)

Das Interview mit Christian Heller aka plomlompom zu seinem Buch “Post-Privacy. Schöner Leben ohne Privatsphäre” habe ich auch noch mal gesondert bei soundcloud online gestellt. Da geht’s übrigens um Post-Privacy und Kommunismus.

Die nächste Sendung läuft am 8.Februar wie immer von 17 bis 19 Uhr im Freien Sender Kombinat und danach irgendwann in Ihrem Internet.

Kurze Erläuterung regarding Netzfeminismus

Ich seufzte “in sachen #netzfeminismus passiert genau das, was ich erwartet habe” und erläuterte auf Nachfrage: “ein label claimen löst abgrenzungsreaktionen aus. und dann geht alles seinen gewohnten gang”

Es ist doch so: Netzfeminimus war bis vor einigen Monaten ein diffus benutzter Begriff, auf den sich im deutsch(sprachig)en Internetdiskurs einige Menschen bezogen, die irgendwas mit Feminismus im Internet zu tun haben. Feministische Blogger_innen und Twitterer_innen. Leute, die sich Netzpolitik aus feministischer Perspektive beschäftigen und/oder die sich gegen Sexismus im Netz einsetzen und/oder die mangelende Repräsentanz von Frauen in Internetdiskursen thematisierten und/oder das Netz als Raum zur Vernetzung ansehen und/oder dort feministische Themen artikulieren, die gar nichts mit dem Internet zu tun haben und vieles mehr.

Keine feste Gruppe, sondern ein heterogenes Feld mit verschiedenen Knotenpunkten (und die mädchenmannschaft ist ein mächtiger Knotenpunkt darin, keine Frage). Kein einheitlicher Feminismus, sondern Feminismen mit Bezug auf das Internet als Raum und Thema (dies auch als Antwort auf die Frage von @tante).

Mit der Gründung von netzfeminismus.org wird der Begriff aufgegriffen und inhaltlich gefüllt. Das passiert ganz von alleine, auch wenn die Initiatorinnen Offenheit und Vorläufigkeit betonen und das Projekt noch nicht so recht aus den Puschen zu kommen scheint. ((Vollstes Verständnis dafür.)) Gleichzeitig wird die Seite netzfeminismus.org auch zu einer Anlaufstelle für Interessierte. Also zu einem weiteren Knotenpunkt, der sich von den anderen eigentlich nur durch eine kleine Sache unterscheidet: Der Name scheint für etwas größeres zu stehen.

Netzfeminismus: Ist das ein pars pro toto oder ein totum pro parte? Bis jetzt wird das Projekt Netzfeminismus.org vor allem mit dem Netzfeministischen Bier und mit der Frage der Besetzung von Podien mit Frauen in Verbindung gebracht. Obwohl das Projekt noch am Anfang ist, Austausch und Vernetzung als Ziele benannt sind und es dazu sicher noch eine Reihe interessanter Ideen gibt, ist die kritische Außenwahrnehmung bereits zu dem Urteil gekommen, dass es Netzfeminismus.org um das Eindringen in den Mainstream/Malestream geht. Ich vermute, dass das gar nicht die Intention von (allen?) Initiatorinnen von netzfeminismus.org ist. So richtig greifbar ist sie aber nicht, gerade in Bezug auf die Namenwahl.

Jetzt grenzen sich die ersten ab, wollen mit diesem Label nie was zu tun gehabt haben und rufen “Nein, das ist nicht der (Netz-)Feminismus!”

Wer ist schuld? Diejenigen, die Netzfeminismus als Begriff besetzt und hoffnungsvoll gedacht haben, damit nichts zu definieren? Oder diejenigen, die dem Projekt nicht die Zeit lassen, sich zu entfalten?

Das ist tatsächlich gar keine Frage, die ich beantworten will. Ich bin nur ein bisschen genervt, weil dieser feministische Dunstkreis im Netz für mich eine Zeit so aussah, als könnten sich aus der Heterogenität heraus temporäre, strategische Bündnisse finden. Neue Formen des politischen Handelns basierend auf weak ties. Aber irgendwie geht jetzt alles seinen üblichen Gang und man sieht schön, wie das Ringen um Hegemonie gar nicht unbedingt etwas von Intentionen angetriebenes sein muss. Das festigt mich zwar in meiner politischen Theorie (\o/), aber langweilt mich auch. Wahrscheinlich wird uns die Frage, ob Netzfeminismus.org jetzt den ganzen Netzfeminismus repräsentiert (“Wollen wir gar nicht!” – “Wollt ihr wohl!”) jetzt erstmal eine weile beschäftigen. Hoffen wir, es wird wenigstens einigermaßen produktiv.

Zur nullten Spackeriade

Dieser Tage war wieder Chaos Communication Congress (im Folgenden auch 28c3). Parallel und in Fußnähe dazu fand am 29. Dezember die 0. Spackeriade (im Folgenden auch spack0) statt. Die Minikonferenz der Datenschutzkritischen Spackeria war gedacht als “eine Plattform […] für alle, die sich mit Datalove, Kontrollverlust, sozialer Vernetzung, Post-Privacy oder Informationsfreiheit in mehr oder weniger utopischer Art und Weise auseinandersetzen möchten.” Bei freiem Eintritt gab es sowohl für Kongressbesucher_innen als auch andere die Gelegenheit, zwischendurch oder die ganze Zeit im HBC (schöne Location für Leute, die der Rauch rund um die Bar nicht stört) vorbei zu schauen und sich die insgesamt neun Talks und Podien anzuschauen. Bei den meisten geht das übrigens auch nachträglich. Ich hab auch noch nicht alle gesehen und bin besonders auf Tantes “Program or be Programmed” noch sehr gespannt.

Unterm Strich wurde auf der spack0 zu viel über die Spackeria und zu wenig über Fragen des Kontrollverlust gesprochen. Nachdem ich die ersten Talks verpasst hatte dachte ich nach dem zweiten Dritten, dass es vielleicht stimmt: Der Diskurs gibt gerade nicht viel her. Die Positionen sind bekannt und die romantisierenden Verkürzungen eigentlich auch schon analysiert. Gähn.

Wenig überzeugt haben mich zum Beispiel die von Ole Reißmann vorgetragenen und zusammen mit Anna Sauerbrey entwickelten 11 Thesen zur datenschutzkritischen Spackeria. Seit wann ist “Warum stellt sich die Spackeria nicht nackt mit Langhans vor eine Wand?” eigentlich eine These? Klar, Journalist_innen finden es gut, wenn Gruppen bestimmte Themen für sich beanspruchen und dazu medienwirksame Bilder produzieren. Aber diese Erwartungshaltung! Am besten fand ich die Idee, dass die Spackeria doch mal recherchieren sollte, ob die Landesdatenschutzbeauftragten in Deutschland nicht unglaublich viel Geld verwenden mit unsinnigen Aktionen. Ist das nicht eigentlich der Job von Journalist_innen? Womit Reißmann allerdings recht hat: Von irgendjemand musste die Datenschutzkritik aufgegriffen werden, damit sie als Standpunkt im Diskurs auch greifbar wird. Aber wie es von da aus weiter geht sollte sich nicht an den Interessen von Spiegel Online und co. orientieren.

Das Abendprogramm fand ich interessanter. Bei Helga Hansens feministische Kritik an Post-Privacy wurde mir etwas zu viel schwarz-weiß Malerei betrieben, aber Helga hat den Finger auf eine wichtige Wunde gelegt und das scheint beim Publikum auch angekommen zu sein: Wer trägt die Kosten der Öffentlichkeit und wo bleibt die Solidarität? Dass es wichtig ist, sich mit sozialen Fragen und diesem Privilegiending auseinanderzusetzen, wenn es um Informationsfreiheit geht, war auch der Punkt in Daniel Schweighöfers Vortrag: Kampf für die Informationsfreiheit ist ein sozialer Kampf. Mir hat gut gefallen, wie er die zum Teil schwierigen gesellschaftskritischen Begriffe und Konzepte für den Kontext des Post-Privacy Diskurses erklärt hat.

Der Fikileaks-Talk über ein Projekt, dass Beziehungen innerhalb eines Bekanntenkreises (“Wer küsst wen?”) visualisiert, war unterhaltsam und anschaulich kontrollverlustig. Die interessanten Fragen konnten aber aus Gründen nicht ausführlich diskutiert werden. (Das wäre wieder die Sache mit den unterschiedliche Positionen, die sich zeigen, wenn die einen sich mit Slut Shaming konfrontiert sehen, während andere tolle Hechte sind und dritte mit dem “forever alone” Stigma zurecht kommen müssen. Aber auch die Frage nach Intimität und Privatsphäre, Beziehungsformen, Eifersucht usw.)

Vollkommene Nabelschau wurde dann in der Abschlussrunde betrieben, in der die Fails der Spackeria und insbesondere das Thema Langhans-Ein-und wieder Ausladung beleuchtet wurden. Und immer wieder die Frage: Als was versteht sich eigentlich diese Spackeria? Es scheint nötig zu sein, dass diese Gruppe ein Selbstverständnis entwickelt, wenn sie öffentlich als Gruppe auftritt. Denn bei allem Individualismus im Standpunkt (Warum dann nicht solo bloggen?) und dem ziemlich naiven Jeder-soll-sprechen-dürfen (Habermas meets Darwin? Wäre ich eine Rampensau, hätte ich Plomlompom das Mikro entrissen und “Mimimi” gesungen. Weil: Jeder Sprechakt hat hier seinen Platz!) müssen da eben auch kollektive Entscheidungen getroffen werden. Oder man entscheidet sich dafür, das sein zu lassen und es bei der Rolle des Diskordes, der den Zankapfel durchs Dorf gerollt hat, zu belassen. Mein Interesse, diese Selbstfindung beizuwohnen ist allerdings nicht so groß. Der Kongress ist ja auch nicht die CCC-Mitgliederversammlung (da fände ich es tatsächlich spannender, Mäuschen zu spielen)

Ich möchte lieber über Post-Privacy, Öffentlichkeit, Sicherheit, Kontrolle, das Politische und das Private sprechen.

Wie notwendig das auch weiterhin ist wurde bei den “Security Nightmares” am nächsten Tag auf dem 28c3 wieder deutlich. Er ist eine der Traditionsveranstaltungen auf dem Kongress. Frank Rieger und Ron blicken zurück auf die IT-Sicherheitsdebakel des vergangen Jahres, beömmeln sich über neue privatwirtschaftliche und staatliche IT-Großprojekte und überlegen zusammen mit dem Publikum, was in der Zukunft schief gehen könnte. Dabei werden jede Menge Zoten gerissen und das Publikum bestätigt sich in der Selbstwahrnehmung, in dem ganzen Wahnsinn wenigstens auf der Seite derer zu stehen, die den Durchblick haben. Im Grunde zeigen die Security Nightmares jedoch, dass Sicherheit meistens nur gefühlte Sicherheit ist. Das gilt für die elitären Hacker, die sich vielleicht schon in einem Jahr damit konfrontiert sehen, dass ihr liebstes Privacy Tool doch seine Schwachstellen hat ebenso wie für die “dummen User”, denn “dumm” heißt in diesem Kontext oft nur, dass man es nicht zu einer seiner Prioritäten machen will oder kann, über Risiken, Technologien und Sicherheitsmaßnahmen auf dem neusten Stand zu bleiben und den Code am besten immer selbst zu kompilieren. Und so kommt auch Frank Rieger während des Talks zu der Erkenntnis, dass Daten verloren gehen werden und alles eine Machtfrage ist.

Unternehmen, die in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem auf dem Markt agieren sammeln Daten, die sie verkaufen oder auf anderem Weg zu Profit machen wollen. Oder sie verlieren sie auf dem Weg.

Repressive Staatsapparate wollen kontrollieren, überwachen und strafen. Die Biomacht ist auch überall am Werk (aber jetzt wird es zu foucaultisch).

Ich prangere das an.

Und jetzt?

Sich ins Fäustchen lachen hilft jedenfalls nicht. Zu hoffen, dass die positiven Folgen der informationstechnischen Entwicklung überwiegen, auch nicht.

Um eine politische Diskussion zu führen, ist es wichtig, dass sich in den vergangen zwei Jahren Positionen zugespitzt haben. Dieser Antagonismus zwischen Post-Privacy und Datenschutz-Aluhüten hat den Raum für Diskussionen aufgemacht, die vorher nicht artikulierbar waren. Was wir jetzt brauchen, ist eine ernsthafte, facettenreiche Auseinandersetzung, für die der Kongress, die nächste Spackeriade und die im Mai stattfindende Sigint Plattformen sein können.

PS:
Und dann ist da noch die Sache mit dem Namen. Ich frage mich seit die Spackeria das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat, was von diesem Namen zu halten ist. Klar: Es ist zunächst ein Mal eine subversive Aneignung eines abwertend gemeinten Schimpfwortes. CCC-Sprecherin Constanze Kurz hatte nämlich auf dem 27c3 Post-Privacy Spacken gedisst. Aber trotzdem muss man sich fragen, ob “Spacken” ein Begriff ist, den eins sich einfach mal so aneignen sollte. Bei meinen (schnellen) Recherchen fand ich Hinweise darauf, dass der Begriff von Spas/ti/ker kommen könnte. Damit hätte es sprachlich einen behindertenfeindlichen Hintergrund. Sich negativ belegte Begriffe als politische Selbstbezeichnungen aneignen ist eine politische Strategie für die diskriminierte Gruppe, nicht für andere Gruppen.
Aber so ganz eindeutig ist das bei Spacko wohl nicht, denn das Wort könnte auch wo anders her kommen. Wenn jemand bessere ethymologische Quellen zur Hand hat wäre ich für Hinweise dankbar.

Edit: Hier gibt es einen Hinweis auf die Herkunft von Spacko: ” Der Spack oder die Spacke ist norddeutsch/platt eigentlich ein abgemagerter Mensch. Das Wort ist eine Verballhornung des plattdeutschen Wortes Spökenkieker, das hochdeutsch mit Hellseher oder Vorausschauer übersetzt werden müsste.”

nrrrdz000016: wie weiter mit dem netzfeminismus?

nrrrdz logoVor einer Woche saßen wir zusammen und haben über die letzten zwei, drei Jahre Netzfeminismus gesprochen. Vorab: Es geht um unsere Perspektiven darauf, die Leute, die wir kennen und die Ereignisse, bei denen wir dabei waren. Was ist passiert vom ersten Wahrnehmen rund um die Re:publica 2009 bis heute, wo sogar die SZ komisches Zeug darüber schreibt? Wie entwickelt sich das alles? Wer nimmt sich darin welchen Platz? Wir sprechen über die Rolle von Events wie dem netzfeministischen Chat, der kürzlich stattgefunden hat, den Gendercamps und anderen Meatspace Formaten wie die Genderbar in Hamburg, das Netzfeministisches Bier Berlin (organisiert von Netzfeminismus.org) und Queer Geeks and Naughty Nerds (ebenfalls Berlin). Es geht um die kleinen, zum Teil zufälligen und belanglosen Dinge, die wir alle so tun und das große Ganze, was am Ende dabei rauskommt.
Da Mikros vor uns standen ist eine nrrrdz Folge dabei rausgekommen. Bei der Gelegenheit habe ich Marlen dann auch einen neuen Podcast vorgestellt: Logbuch Netzpolitik informiert wöchentlich über aktuelle Entwicklungen und Ereignisse.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz16.mp3[/podcast]
Download (mp3, 43,5 MB, 1 h 30 min)

Hackerbrause zum Lesen

Die letzten Monate haben johl, yetzt und ich damit verbracht ein Buch über Hackerbrausen zu schreiben. Jetzt ist es Ende Dezember endlich soweit — gerade noch rechtzeitig für die letzten geekigen Weihnachtsgeschenke erscheint “Hackerbrause kurz&geek” im O’Reilly Verlag. Alle weiteren Infos, Vorbestellmöglichkeiten und ein Link zu einem Probekapitel findet ihr auf hacker.brau.se

Das Experiment der Woche

Auf Google+ sind ja angeblich tausende SEOs und Coaches. Die allgemein verbreitete Hypothese dazu ist: Sie kreisen eine ein und lauern. Manche ignorieren es, andere finden das irgendwie creepy. Aber gehen wir von den richtigen Prämissen aus? Was passiert, wenn Beratungsbedarf ausdrückt wird? Ich bin der Sache nachgegangen und dokumentiere hier in meinem kleinen Science-Blog das Forschungsergebnis.

screenshot von google + mit einem gesuch von mir nach seos und coaches für ein kleines unternehmen. zwei kommentare. einer verweist auf eine andere person, der andere findet es lustig mit dem kommentar "trollerei des tages"

Im Versuch wurde ein Köder ausgelegt. Nach zwei Tagen ergab sich das oben gezeigte Resultat. Eine Person hatte mich per Email kontaktiert, nachdem sie von einem Dritten auf meine Anfrage hingewiesen wurde. Schöne Grüße ;-)

Lessons learned: Diese Beratungspersonen wollen gar keine Dienstleistungen verkaufen. Was sie statt dessen motiviert bleibt vorerst ein Desiderat.

Der Computer kann alles, November 2011

Zeitnah und -souverän könnt ihr jetzt die aktuelle Folge “Der Computer kann alles” bei Soundcloud (und hoffentlich später auch auf freie-radios.net) nach hören. In der gestrigen Sendung sprachen Heino und ich über Siri, die Initiative für ein Transparenzgesetz in Hamburg, das SZ-Interview mit Daniel Domscheid-Berg, den sogenannten Schultrojaner, Männerrechtler im Internet und in Gedenken an den 9. November 1938 über die Judenkartei.

Die nächste Folge von #dcka läuft am 14. Dezember, 17-19 Uhr auf Radio FSK.