Category: Feminismus

MEN, LTTR & Vaginal Davis bei Girl Monster #4

“Are You A Boy Or A Girl?” fragt die vierte Ausgabe der Girl Monster Reihe auf Kampnagel in Hamburg hoffentlich nicht vollen Ernstes, wenn morgen Abend MEN auftreten. Immer, wenn ich in den letzten Tagen Leute gefragt habe, ob sie zu MEN gehen, habe ich schnell hinterhergeschoben, dass das 2/3 Le Tigre sind, also tue ich das auch jetzt. JD Samson und Johanna Fateman haben sich für ihr Kunst-Musik-Performance-Projekt zusammen mit Michael O’Neill und Ginger Brooks Takahashi (früher Mitglieder der Indie-Band The Ballett) und der Künstlerin Emily Roysdon aber auch einen denkbar ungooglebaren Namen ausgedacht.

Neben MEN stehen am Mittwoch (22. Mai, ab 20.30 Uhr) auch das feministisch-genderqueere Künstler-innenkollektiv LTTR auf der Bühne, und die zurzeit in Berlin residierende LA-Drag Queen Vaginal Davis hält eine Lecture. Apropos Lecture … warum die Auftritte von Bands wie Sleater Kinney, The Gossip, oder jetzt MEN in Hamburg seit Jahren regelmäßig auf den Jenseits der Geschlechtergrenzen-Mittwoch fallen, weiß die Geierin. Das wird ein vollgepackter, toller Abend. Ein genaueres Programm findet ihr im Missy-Blog.

Eine Serie über Women’s Studies? Au ja!

Jede große US Serie wurde erst entwickelt und irgendwann als Pilot getestet, bevor sie zum Erfolg wurde … Warum sollte es also nicht klappen mit “Women’s Studies”. HBO hat dieses Projekt laut Reuters in der Mache, und es soll tatsächlich um Frauenstudien – hierzulande besser bekannt als Gender Studies – gehen. Die Hauptrolle in der geplanten Comedy Serie soll Julie White spielen: Eine Frau, die irgendwann mal ein erfolgreiches Buch veröffentlicht hat, für kurze Zeit der neue Star am feministischen Autorinnenhimmel war, und jetzt Professorin für Women’s Studies an einem kleinen liberal arts College ist.

Judy Berman auf Salon.com stellt sich die Serie schon mal vor:

And, let’s face it: Academia (and, yes, that includes women’s studies), with its departmental pettiness and Ivory Tower elitism, is ripe for some good-natured ribbing. Can you just see it now? Of course, we’ll have to have the frat guy who signs up for a women’s studies course to meet chicks. And let’s not leave out the T.A. who speaks Judith Butler as a first language. Is an episode that pits the sex-positives against the sex-negatives too much to hope for?

In der Tat: Elfenbeinturm-Elitismus, Jungs aus Studentenverbindungen, die auch mal in ein Gender Seminar gehen, um Frauen kennenzulernen, und junge Wissenschaftler_innnen, die fließend Judith Butler sprechen … das würde doch was hergeben. Bei Greek, einer College Serie, die derzeit in den USA läuft, gibt es eine Folge, in der ein Typ aus einer sehr partyorientierten Studentenverbindung unbedingt einen Women’s Studies Kurs der Spielart “feministische Lesarten Lacanscher Psychoanalyse” bestehen musste. Seine Freunde helfen ihm beim Lernen, und am Schluss sind sie alle irgendwie geläutert. Das allein war schon ziemlich lustig anzusehen für eine, die selbst in solchen Seminaren saß, und “Women’s Studies” wird sicher super. Macht das mal, HBO.

My Gender Is Music Party in der Roten Flora

Am Samstag wird in der Roten Flora in Hamburg eine Anti-Repressions-Soli Party mit Liveacts und DJs für die kriminalisierten Aktivist_innen des vom AStA der Uni Hamburg abgeschafften feministischen Frauen_Lesben_TransRat gefeiert.

Flyer zur Soliparty in der Roten Flora

My Gender Is Music – 18. April 2009 ab 21.30 Uhr in der Roten Flora, Achidi-John-Platz 1 (Schulterblatt), Hamburg. Beginn der Liveacts um 22 Uhr. Mehr auf myspace.

the fail, the glitch: Amazons Oster-Fail und ein paar Gedanken drumherum

Die letzten Ostertage waren für viele Mitarbeiter bei Amazon in diesem Jahr vermutlich nicht sehr entspannend. Nachdem am Sonntag bekannt wurde, dass jede Menge Bücher rund um Homo- und Transsexualität, Feminismus und queer Theory (sogar Foucaults “History of Sexuality Vol 1” war betroffen) nicht mehr als Suchergebnisse auf Amazon.com auftauchten, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Netzwelt. Was war geschehen? War das Zensur, ein gezielter Angriff auf das Reputationssystem von Amazon oder doch – wie von Amazon bekannt gegeben wurde – eine Panne? Andrea James von seatlepi.com hat mit einem Mitarbeiter von Amazon gesprochen und fasst seine Erklärung zusammen:

Amazon managers found that an employee who happened to work in France had filled out a field incorrectly and more than 50,000 items got flipped over to be flagged as “adult,” the source said. (Technically, the flag for adult content was flipped from ‘false’ to ‘true.’)

“It’s no big policy change, just some field that’s been around forever filled out incorrectly,” the source said.

Mich überrascht zwar, dass es so einfach gehen soll, das System von Amazon durcheinander zu bringen, aber es wirkt einigermaßen plausibel. Eine menschliche Fehlerquelle, vermutlich ohne böse Absichten, und das Problem wird schnell gefixt. Mögen andere überprüfen, ob das stimmt, ich nehme das jetzt mal so an und beende die Suche nach der Wahrheit hinter dem #amazonfail an dieser Stelle mit einem Verweis auf den Guardian, der eine offizielle Sprecherin von Amazon zitiert:

“In fact, it impacted 57,310 books in a number of broad categories such as health, mind and body, reproductive and sexual medicine, and erotica. This problem impacted books not just in the United States but globally. It affected not just sales rank but also had the effect of removing the books from Amazon’s main product search.

“Many books have now been fixed and we’re in the process of fixing the remainder as quickly as possible, and we intend to implement new measures to make this kind of accident less likely to occur in the future.”

Mal so nebenbei: Ich würde doch sehr wünschen, bei der Suche nach Produkten wenigstens gefragt zu werden, ob ich wirkliche “adult”-Inhalte gefiltert haben möchte oder nicht – bei der google Bildersuche geht das ja schließlich auch.

Die Amazon-Geschichte hat sehr deutlich gezeigt, wie wunderbar Blogs und Twitter zusammen funktionieren, um schnelle, nicht-organisierte Proteste hervorzubringen. Allein mit Blogs hätte es vielleicht ein paar Tage länger gedauert und der Aufschrei wäre auch nicht so massiv geworden, durch Twitter und die Hashtags #amazonfail und #glitchmyass dagegen konnten viele Leute mal Schnell ihren Unmut kund tun, die Story verbreitete sich rasend schnell, und entsprechend groß war dann auch der Druck auf Amazon. Cyberaktivismus ist mit Blogs, Twitter und Facebook zum Massenphänomen geworden.

Auch wenn es kein gezielter, homophober und anti-feministischer Angriff auf das Reputationssystem war, finde ich die Überlegung spannend, ob gesellschaftliche Konflikte in Zukunft vermehrt mit auf diese Weise ausgetragen werden. Bücher als anstößig flaggen, Bands bei myspace oder last.fm melden, weil sie der eigenen politischen Meinung nicht zusagen, dazu aufrufen, Twitteraccounts zu blocken, gezielte Angriffe auf Trust- und Reputationssysteme … es gibt viele Möglichkeiten. Ist das ein legitimes Mittel, seiner Meinung politisch Ausdruck zu verleihen, sozusagen ziviler Ungehorsam im Internet, oder muss darauf hingearbeiten werden, dass sich im Internet soziale Normen herausbilden, die eine von solchen Methoden abhalten? Wann ist ihr Einsatz gerechtfertigt, wann nicht? Till Westermayer wirft in seinem Blog sogar die Frage auf, ob es einer “Verstaatlichung nahezumonopolisierter Netzräume” bedarf.

Schließlich war es für mich persönlich noch spannend zu sehen was passiert, wenn man ein Thema relativ früh am mitteleuropäischen Tag im Blog aufgreift, der Link über Twitter per Retweet, Rivva und Netzpolitik verbreitet wird und plötzlich viel mehr Leute als sonst auf das Blog kommen. Kleine Erkenntnis am Rande: Die Anzahl von Blogkommentaren hängt nicht mit der Anzahl der Zugriffe auf einen bestimmten Artikel zusammen.

Amazon.com FAIL

Der Hashtag #amazonfail wurde über Nacht zum tending topic auf twitter. Was ist da los?

Amazon.com scheint eine neue policy zu haben, der zufolge vorgeblich nicht jugendgerechte Titel ihr Verkaufs- und Suchranking verlieren und nicht mehr in Topsellerlisten und der Suche auftauchen. Dies betrifft u.a. Titel zu Homosexualität. Auf die Anfrage eines Autoren, der das veschwinden von hunderten schwulesbischen Büchern bermekt hat, antwortete eine Person beim Amazon.com:

In consideration of our entire customer base, we exclude “adult” material from appearing in some searches and best seller lists. Since these lists are generated using sales ranks, adult materials must also be excluded from that feature.

Eben habe ich auf amazon.com nach “Homosexuality” gesucht:

“A Parent’s Guide to Preventing Homosexuality” von Joseph Nicolosi und Linda Ames Nicolosi war das Top-Ergebnis, und die weiteren Bücher in der Liste zielen in eine ähnliche Richtung: Titel wie “You don’t have to be gay” und viel Kirchen- und Christenliteratur zum Thema.

Neben LGBT-Büchern sind auch femininistische und women’s health books, Titel wie “Wetlands” von Charlotte Roche oder die Queer Theory Einführung von Annamarie Jagose betroffen (vgl. die Liste der de-ranked Bücher). Nachfotografiebände dagegen nicht.

Irgendetwas ist da im Argen mit dem Amazon Rank. Ich bin mir aber sicher, wenn die Reaktion im Netz so heftig weiter geht, wie es am Ostersonntag in den USA begonnen hat, die Verkäufe bei Amazon einen Knick bekommen, viele Leute in ihren Blogs und auf twitter über das Thema schreiben, der Facebook-Gruppe beitreten und sich andere coole Aktionen einfallen lassen, könnte der Wahnsinn gestoppt werden. Amazon.com muss reagieren.

Edit: Amazon hat mittlerweile verlauten lassen, dass es sich um eine “Panne” im System (“glitch”, daher das twitter hashtag #glitchmyass) handele. Eine gute Erklärung gab es m.E. aber noch nicht.

Mehr auf:
Jezebel – Why Is Amazon Removing The Sales Rankings From Gay, Lesbian Books?
seatlepi.com – Amazon under fire for perceived anti-gay policy
Bust.com – Amazon FAIL
Feministing – Amazon Fail: Certain “adult” books (like mine) are de-ranked
blogs.news-journalonline.com – AmazonFail: A Twitter movement in action
Smart Bitches, Trashy Books – Amazon Rank, eine google-bomb
Meta Writer – Collection: Books that had their sales ranks removed
Futurezone ORF.at – Kritik an Amazons Zensurpolitik
Netzpolitik – Amazonfail

Aktuelles zum #amazonfail samt der Erklärung von offizieller Seite findet ihr im Artikel the fail, the glitch: Amazons Oster-Fail und ein paar Gedanken drumherum.

Lebens- und Liebesformen – Heute Abend Thema bei “Hart aber fair”

Von Frank Plasbergs Sendung “Hart aber fair – Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft” erwarte ich merkwürdige Statements und Diskussionen, die abgebrochen werden, wenn es gerade spannend wird. Aber sei es drum: Heute geht es schließlich um Ehe und Familie, die Kinder … die Zukunft! Oder werden Gabriele Pauli und Julia Seelinger die Fernsehnation davon überzeugen können, dass Monogamie und “bis dass der Tod uns scheidet” Konzepte sind, die wir gar nicht brauchen?

Schutz für die Ehe verspricht der Staat und gibt Verheirateten einen Steuerrabatt. Weg damit, fordern Kritiker. Sie sagen: Die Ehe ist nur eine von vielen Formen der Partnerschaft und lebenslange Treue nur eine Illusion! Brauchen nur noch Kinder die heile Familie? Und was machen die Erwachsenen, wenn das Alter kommt?

Heute Abend, 21:45 bis 23:00 Uhr im Ersten.

“Hart aber fair” läuft übrigens auch bei switch reloaded (youtube).

Frauen und Twitter

Der typische deutsche Nutzer des Microbloggingdienstes Twitter ist 32 Jahre alt, hat Abitur, macht was mit Medien, betreibt einen Blog und ist ein Mann – so die nun veröffentlichten Ergebnisse einer Twitterumfrage. 2800 Twitternde wurden im März 2009 gefragt, warum und wie sie Twitter nutzen und welche Demographie sich hinter den Accounts verbirgt.

Ich erlaube mir mal für einen Moment, die ganz heteronormative Geschlechterbinarität der Studie nicht zu hinterfragen und stelle fest, dass Frauen nur ein Viertel (25,7 Prozent) derjenigen Twitteruser_innen ausmachen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Verschiedene statistisch signifikante Unterschiede bezüglich des Nutzungsverhaltens von Männern und Frauen sind bei der Umfrage ebenfalls herausgekommen: Frauen haben häufiger protected accounts, bei denen neue Follower_innen “freigeschaltet” werden müssen, sie benutzen wesentlich seltener ihre real life Namen auf Twitter und schreiben in ihren Blogs viel häufiger über private Themen.

Dass Frauen häufiger nicht-öffentlich twittern und Accountnamen erfinden, mag überraschen und einen aufgeklärten Menschen ggf. beschämen, liegt doch die Vermutung nahe, dass sich Frauen in der (Twitter-)Öffentlichkeit besser zu schützen versuchen als Männer das tun (müssen?).
Ein Grund für diesen Unterschied liegt evtl. in den unterschiedlichen Themen, über die Frauen und Männer bloggen (siehe letzter Abschnitt). Weil Frauen häufiger über private Themen bloggen, sind ihre Twitteraccounts auch häufiger nicht öffentlich und ihre Accountnamen sollen weniger einen Rückschluss auf die tatsächliche Person zulassen. Es bleibt zu prüfen, inwiefern dies zutrifft bzw. ob für Frauen eine höhere wie auch immer geartete Gefährdung auf Twitter besteht, wovor sie sich durch erfundene Usernamen und protected Accounts zu schützen versuchen.

Im Nutzungsverhalt bei twitter zeigt sich also zum einen, dass Privatheit und Öffentlichkeit zwei Sphären sind, die auch im Jahr 2009 noch geschlechtsspezifisch geprägt sind. Frauen twittern vermutlich häufiger über Privatleben und tauschen sich mit Freunden aus, Männer hauen Informationen über Kram raus, den sie für Öffentlich relevant halten. Ich vermute, der Wunsch nach Anonymität und das Vermeiden von unkontrollierbarer Öffentlichkeit hängt sowohl damit zusammen, dass Nutzerinnen keine Lust haben, dass jede_r ihre privaten Tweets lesen und ihrer Person zuordnen kann, aber auch damit, dass Frauen ihre Privatidentität vor konkreter Gefährdung schützen wollen. Es würde sich sicher lohnen, an diese, von Thomas Pfeiffer aka codeispoetry aufgeworfene Frage noch mal qualitativ ranzugehen. Was erleben Frauen im Netz, was sind die Gefahren und welche Möglichkeiten gibt es, damit umzugehen?

Re:publica 09: Freitag 2 – Hacker_innen, Frauen & ein Fazit

Mit Open Source Hardware Hacking startete ich in den Nachmittag, einfach, um mal etwas sehr nerdiges mitzunehmen, und weil die coole Fabienne den ersten Vortrag hält. Was ich mitgenommen habe? Löten ist fun, Dokumentieren ein notwendiger pain in the ass. Im Anschluss sprach Frank Rieger über den Stand der Dinge im 3D-Printing/Rapid Prototyping. Interessant fand ich das deshalb, weil diese Technologien in Büchern wie “Marke Eigenbau” von Range und Friebe immer als eine Art deus ex machina auftreten, wenn es um die Frage geht, ob sich denn die Produktionsverhältnisse denn wirklich ändern. Rieger hat sich der Materie angenommen, und sein Fazit ist, dass es zurzeit noch softwareseitig hakt. Ein kleiner reality check.

Beim Panel “Wenn Frauen bloggen: Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone” wurden im Anschluss darüber diskutiert, warum so wenige Frauen auf den Podien der re:publica zu sehen waren, und wie die Lage der Frau in der deutschen Blogosphäre so ist. Das Podium war sehr gemischt mit einer Autorin des Mädchenblogs, Macnotes Chefredakteurin Kathrin Grannemann, einer Modebloggerin von Les Mads, Das Nuf und Franzi von franzikript als Moderatorin erzählte über eigene Erfahrungen mit dem Bloggen, aber relativ schnell verlagerte sich die Diskussion ins Publikum, wo sich drei Haltungen herauskristallisierten. Es gibt diejenigen, die sich für emanzipiert halten, und ganz individuell ihren Weg gehen wollen. Es gibt diejenigen, die sehen, dass es eine strukturelle Machtdifferenz gibt und mit Vernetzung dagegen angehen wollen, aber ihre jeweiligen Themen von Politik über Mode bis Technik vorantreiben wollen und eine allzu starke Fokussierung auf Feminismus eher kontraproduktiv finden. Und schließlich noch diejenigen, die Lust darauf haben, Feminismus zu ihrem Kerngeschäft zu machen.

Zum Abschluss sah ich mir dann noch den Panel “Politische Blogs in Deutschland” an. Schön an dieser Session fand ich, dass irgendwann deutlich wurde, dass Politik für viele Blogger mehr ist, als den großen Parteien und dem geschehen in der offiziellen Politik zu folgen.

Da ich merke, dass meine Erinnerung an die einzelnen Veranstaltungen langsam aber sicher schwindet, belasse ich es hier bei. Mein Fazit: Die re:publica 09 hat mir Spass gemacht, und es hat sich gelohnt, hin zu fahren. Es war für mich das erste Internet-Szene-Treffen, und ich fand die Atmosphäre mit all den fahl beleuchteten Gesichtern im Friedrichstadtpalast ganz angenehm. Dramaturgisch hätte einiges besser gemacht werden können, und vielleicht zeigt eine solche Veranstaltung auch, woran es im Moment noch hakt. In den letzten Jahren hat sich durch Twitter und BarCamps eine relativ gut vernetzte, glücklicherweise nicht homogene Szene von Internetleuten herausgebildet, die sich ein kleines bisschen als Avantgarde verstehen. Nach der Obamawahl kommen jetzt Institutionen wie das ZDF und schauen genau hin, was hier passiert. Es besteht also eine gewisse Erwartungshaltung, das Standing ist nicht schlecht, aber was draus machen? Es bleibt spannend.

Re:publica 09: Donnerstag 2 – Feministische Netzkultur

Mit Spannung erwartet hatte ich selbstverständlich den Workshop zu “Feministischer Netzkultur” mit Katrin Rönicke und zwei anderen Frauen von der Mädchenmannschaft. Katrin stellte zunächst das amerikanische Blog feministing und das britische Blog the f-word vor, und erzählte dann was über das Genderblog, das Mädchenblog und schließlich die Mädchenmannschaft. Sie gab Einblicke in die Arbeit der Mädchenmannschaft und in das, was sie noch vorhaben. Außerdem riß sie die Frage an, warum Frauen so wenig politisch bloggen, und was mensch tun könne, um sie dazu zu bringen. Es wurde viel über Vernetzung geredet, ohne konkret was zu planen. Ich meldete mich per Zwischenruf zu Wort und forderte ein (queer?)-feministisches BarCamp, was – soweit ich das einschätzen kann – nicht das selbe ist, wie ein FrauenBarCamp oder Girl Geek Dinner. Es geht mir zumindest nicht darum, mich mit Frauen aus dem Technikbereich zu vernetzen, sondern mit Feminist_innen über queere und feministische Netzkultur zu sprechen und über mögliche gemeinsame Projekte nachzudenken.

Gut fand ich auch die kurze Diskussion über den Begriff des Schutzraumes für die Kommentarpolitiken in feministischen Blogs. Die meiner Meinung nach notwendige Praxis, Kommentare unter der Gürtellinie und die ewig gleichen antifemnistischen und vor allem die feministischen Argumente und Forderungen notorisch falsch verstehenden Diskussionen nicht zuzulassen, wurde als Schaffen von Schutzräumen im Netz bezeichnet. Schutzräume sollen eine Atmosphäre schaffen, in der sich jede_r traut, ihre_seine Meinung zu sagen und sich an Gesprächen zu beteiligen. Ob der Begriff des Schutzraumes dafür angebracht ist, wurde durch eine Plenumsteilnehmer_in in Frage gestellt. Damit werde die weibliche Opferrolle reproduziert. Ich halte ein selbstbewusstes “this is my party” übrigens auch für die klügere Haltung in dieser Frage.

In der Session war für meinen Geschmack zu viel von “den Frauen” die Rede, und Konflikte oder Heterogenität wurden nicht sichtbar, außer bei dem Verweis von Julia Seelinger auf den medial hochgespielten Konflikt zwischen dem “neuen Feminismus” à la “Wir Alphamädchen” und dem “alten Feminismus” à la Emma. Es gibt so viel mehr, und ein weitergehender Austausch wäre sicher nicht reibungslos, aber interessant. Ich bin gespannt, was von der Mädchenmannschaft in diesem Jahr noch kommt, und freue mich darüber, verschiedenen Namen aus der feministischen Ecke der Blogosphäre und von Twitter jetzt Gesichtern zuordnen zu können.