Category: Hamburg

Aufwerten

Fotografie des mehrstöckigen Frappant-Blockes in Altona

Ikea hat 10 Millionen Euro für das Areal in der Neuen Großen Bergstraße in Hamburg-Altona ausgegeben und will in den nächsten Jahren seine weltweit erste innerstädtische Filiale mit Vollsortiment eröffnen. Der graue Frappant-Klotz weicht einem blauen, und GAL-Politikerin Eva Botzenhardt hofft, “dass jetzt jedem einleuchtet, dass es mit Ikea eine Aufwertung des Stadtteils gibt.”

Vielleicht ist es noch nicht angekommen. “Aufwertung” wird von vielen Hamburger_innen mittlerweile als Problem wahrgenommen. Die Mieten steigen, die Löhne eher nicht, und in Coffee to Go Bechern können die Leute nunmal nicht wohnen. Ich habe noch niemanden getroffen, der sich über diese Entwicklung gefreut hat, und frage mich, was “Aufwertung” in diesem Zusammenhang bedeutet. Die wenigsten werden sich von den Karstadt- und Frappantgebäude in Altonas Altstadt ästhetisch angesprochen fühlen, aber beeinträchtigen sie in der heutigen Situation die Lebensqualität der Bürger_innen?

Was wird passieren, wenn Ikea kommt? Klar ist: Es wird mehr Arbeitsplätze und mehr Verkehr im Viertel geben. Möglicherweise kommen die Leute nur, um Möbel zu shoppen. Vielleicht bleiben sie aber auch noch ein Weilchen in der Gegend und trinken einen Kaffee. Die 50 Cent Shops, Gemüsehändler und Dönerläden weichen Starbucks, niedlichen Bistros und schicken Bars. Das Viertel wird “lebendiger”, wie es so schön heißt. Erst steigen die Ladenmieten, und dann die Mieten für Wohnraum. Was bringt das den Bewohner_innen Altonas? Und sind die Leute, die sich zurzeit im Viertel aufhalten, nicht lebendig?

Ausgestorben sieht anders aus: In Altona-Altstadt gibt es nette Straßen, einige Kneipen, Supermärkte, relativ unterschiedliche Häuser, Stadtteilkultur, Schulen, sogar ein neues Schwimmbad wurde gerade eröffnet. Altona Altstadt liegt zwischen Ottensen, der Schanze und St. Pauli. An kommerzialisierter Kultur in unmittelbarer Nähe mangelt es nicht.

Der Verein “Lebendiges Altona” (leider ohne aktuelle Website) setzt sich dafür ein, statt Ikea eine Sozial-, Kultur- und Wohngenossenschaft zu schaffen, damit preiswerter, ökologischer und familiengerechter Wohnraum sowie Räume für Kunst und Kultur gefördert werden. Das klingt gut! In der schwarz-grünen Hamburger Lokalpolitik dagegen wird die Bedeutung des Begriffes “Aufwertung” anscheinend nicht an den unterschiedlichen Bedürfnisse, die in einem Stadtteil existieren, festgemacht. Gut ist ein Ort dann, wenn viel Gewerbe und Gastronomie vorhanden ist, Gewinne steigen und die Wirtschaft wächst. Verdrängungseffekte werden kommentarlos in Kauf genommen.

Queer Flora Party

queer_flora

Am 8. August findet anlässlich des, aber nicht zum CSD die alljährliche Queer Soliparty in der Roten Flora (Achidi-John-Platz 1, Schanzenviertel) statt. Ab 23 Uhr legen das Café Bukarest, Martha Hari von Mis-Shapes, matt3000, filou, dj am pult, dj if, bosie m. und Bibibeatgrid auf.

Christopher Streets Kochshow
(Dauerwerbesendung)

Auch im 40. Jahr nach Stonewall serviert die große CSD-Kantine wieder nur Einheitsbrei. Was gibt’s denn dieses Jahr im Angebot? Oh, wieder die gleiche Pampe aus der Dose – produziert vom Hamburg Pride e.V. und seinen Sponsoren, verpackt in einer durchgestylten Werbekampagne – diesmal mit dem Anliegen, den Artikel 3 des Grundgesetzes zu erweitern.
Der „Gleichheitsartikel“ soll um den Zusatz „sexuelle Identität“ ergänzt werden. Das würde uns wohl schmecken, aber weitere Zutaten der offiziellen Hamburg Pride sehen fade aus aus: (Steuer-)rechtliche Gleichstellung und Adoptionsrecht „für Homosexuelle“ und „die Einhaltung der Menschenrechte für Homosexuelle in allen Ländern der EU“ – diese Forderungen gehen uns nicht weit genug, weil sie an Ländergrenzen haltmachen, anstatt uneingeschränkt für Menschenrechte einzutreten.
An der Tafel platznehmen und mitessen darf, wer einen Clubausweis zum großen Speisesaal der Festung Europa hat und brav aus dem erweitertem Standardmenü wählt – schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell, intersexuell. Für Überraschungsgäste mit queeren Gelüsten gibt es nicht einmal den Katzentisch.
Wir löffeln da nicht mit, uns ist der Appetit in der CSD-Kantine schon lange vergangen. Wir wollen uns nicht dem heterosexuellen Normalfall anpassen und uns gleichmachen lassen zu einer attraktiven Zielgruppe für Sponsor_innen – queer ist kein Lifestyle!
Wir wollen auch nicht das schillernde „Andere“ sein und uns während der „politischen Parade“ der Hamburg Pride von Tourist_innen fotografieren lassen. Kein Kommentar zu unseren Leben!
Für alle, die von Einheitsbrei nicht satt werden und ihrem queeren Heißhunger nachgeben wollen, machen wir eine gepfefferte alternative CSD-Party in der Roten Flora – nicht kommerziell, improvisiert, selbstorganisiert und solidarisch. Guten Appetit!

Die Erlöse des Abends spenden wir der Organisation „Coming Out“. Sie leistet in Russland unter extrem schwierigen Bedingungen Basisarbeit. Weitere Informationen gibt es unter http://piter.lgbtnet.ru und bei der Party.

Geert Lovink in Hamburg

Im Rahmen des FSKolleg spricht der Netztheoretiker Geert Lovink am Donnerstag in der Uni Hamburg. Es wird um Vernetzungsstrategien durch das Web 2.0 gehen. Ich bin gespannt, ob der kleine Hörsaal F im Philosophenturm ausreichen wird. Früh da sein lohnt sich bestimmt.

Jenseits der taktischen Medien und des Web 2.0: Vernetzungsstrategien in Krisenzeiten

Donnerstag, 18. Juni, 18 Uhr
Universität Hamburg, Phil-Turm, Von-Melle-Park 6, Hörsaal F

Hat es gerade in diesen Zeiten einen Sinn intensiv von den sogenannten sozialen Netzwerken im Web Gebrauch zu machen? Oder wäre es angesagt, Netze und Vernetzung als solche zu kritisieren? Bieten Facebook und StudiVZ eine Möglichkeit zur sozialen Mobilisierung? Was sind die heutigen Webstrategien von Künstlern und Medienaktivisten? Welche Alternativen werden derzeit als Antwort auf Kommerzplatformen entwickelt?

Morgen Vorpremiere Live@Work von und mit Monkeydick Productions

Sehr geehrte Leser_in,

untenstehende Einladung von Frau Dr. Friedel Monkeydick leite ich gerne an Sie weiter.

Herzlichst,

Kathrin Ganz

Sehr geehrte Unternehmerinnen,

sehr geehrte Unternehmer,

begleiten Sie die Delegation von Monkeydick Productions auf ihrem Weg in unsere Kulturhauptstadt 2009! Seien Sie dabei, wenn der Monkeydick Messeauftritt die Linzer Subversivmesse rockt!

EINLADUNG ZUR VORPREMIERE:

LIFE@WORK (D 2009)
Mittwoch den 17.06.2009

im Nachtspeicher 23, Lindenstraße 23, 20099 Hamburg (St. Georg)

Doors open: 19.30h

Im Anschluss an die Filmvorführung bietet der *During Work Club* die Möglichkeit, in privat ungezwungener Atmosphäre zur Musik von DKI Monkeydick mit MitarbeiterInnen der Familie ins Gespräch zu kommen.

Wir freuen uns auf Sie!

Mit freundlichen Grüßen Ihre
Dr. Friedel Monkeydick
CEO – organization and ostentation

Feministische Werkstatt: Gentrifikation in St. Georg

Morgen Abend (11.06.09, 19-21 Uhr) lädt das Feministische Institut Hamburg nach längerer Pause zur 8. Feministischen Werkstatt ein. Sie findet dieses mal nicht in St. Pauli, sondern im Kulturladen Kulturladen St. Georg (Alexanderstr. 16) statt. Anlass für diesen Ortswechsel ist das Thema des Abends:

Aufwertung durch Verdrängung?
Eine feministische Kritik der Stadtteilentwicklung von St. Georg

In St. Georg leben und arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Lebenskonzepten, Religionen und Weltanschauungen, das macht den Stadtteil lebendig und attraktiv. Gleichzeitig führen städtebauliche Veränderungen und die damit einhergehende Diskussion, welche Art zu leben in St. Georg noch akzeptiert wird, zu Auseinandersetzungen im Stadtteil. In der Werkstatt möchten wir mit Jenny Künkel (Wissenschaftlerin zu linker Stadtentwicklung), ragazza e.V., Steffen Jörg (politischer Aktivist), Tita do Rego Silva (bildende Künstlerin aus St. Georg) und Interessent_innen feministische Sichtweisen auf die Veränderungen in St. Georg diskutieren.

Im Anschluss an die Werkstatt laden wir Euch ein, den Film “Empire St. Pauli” anzuschauen im Park Fiction Openair, Antonistraße.

Kann mensch den Kapitalismus dekonstruieren?

Am kommenden Donnerstag wird in der Roten Flora in Hamburg die Frage gestellt, ob Mensch den Kapitalismus dekonstruieren kann. Als Befürworterin dieser Strategie freue ich mich sehr auf die Veranstaltung mit Friederike Habermann, deren Buchpräsentation Ende Januar ich leider verpasst habe.

Vortrag und Diskussion mit Friederike Habermann. Kneipe im Anschluss. Kann mensch den Kapitalismus dekonstruieren? Do 04.06.2009 19.30H rote flora
Klicken, um den ganzen Flyer zu sehen

“?Emanzipation bedeutet immer sowohl Emanzipation als Identität wie auch Emanzipation von einer Identität”?

In einem – gelegentlich identitären – frauenlesbentrans kontext interessieren wir uns für Kapitalismuskritiken, die sexistische, rassistische … Herrschafsverhältnisse gleichermaßen/gleichzeitig miteinbeziehen. Mit der Konsolidierung der bürgerlichen Gesellschaft wurde ?Mensch? gleichgesetzt mit dem weißen, bürgerlichen Mann, dessen Politik aber nie als Identitätspolitik von und für eben jenen weißen bürgerlichen Mann – verstanden wurde und wird. Gleichzeitig ist linke Theorieproduktion, insbesondere in Bereichen der Kapitalismusanalyse heute wie damals männlich geprägt. Nicht zuletzt sind das Gründe, warum mensch auf Veranstaltungen um dieses Thema vorwiegend Männer reden hört.

Inhaltlich soll es am 04.06. darum gehen, wie es möglich ist eine feministische antirassistische Kapitalismuskritik zu formulieren – ohne durch diese Kritik die ?hegemoniale Norm? durch zugesprochene Attribute des ?Anderen? zu erweitern
und so zu einer effizienteren Gestaltung kapitalistischer Strukturen beizutragen.

Der homo oeconomicus und das Andere
Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse werden meist getrennt analysiert. Mit der ´subjektfundierten Hegemonietheorie´ wird ein Ansatz skizziert, der von der Verwobenheit aller Herrschaftsformen ausgeht. Diese Verwobenheit wird zudem anhand des homo oeconomicus aufgezeigt. Dieser, als das Subjekt in der bürgerlichen Wirtschaftstheorie, bildet nicht einfach das Stereotyp des weißen, männlichen Bürgers ab, sondern alle modernen Identitäten sind in Relation zu ihm ? und damit zueinander ? entstanden und formen sich weiter aus: Heute ist der homo oeconomicus (mit einigen soft skills angereichert) zum Leitbild für alle geworden.

Vortrag und Diskussion mit Friederike Habermann
Kneipe im Anschluss
welcome FrauenLesbenTransgender
Do 04.06.2009
19.30h rote flora (Achidi-John-Platz 1/Ex-Schulterblatt 71)

Die AG Queer Studies bloggt

Die AG Queer Studies, Organisator_in der Vortragsreihe Jenseits der Geschlechtergrenzen und Herausgeber_in des gerade erschienen Sammelbandes Verqueerte Verhältnisse hat jetzt unter agqueerstudies.de ein eigenes Blog. Dort werden wir über unsere Veranstaltungen und Projekte informieren und demnächst die Vorträge der Ringvorlesung als Podcast zur Verfügung stellen.

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal ganz besonders auf den Vortrag an diesem Mittwoch hinweisen, den die AG Queer Studies in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) der Uni Hamburg veranstaltet. Christiane Hutson, Lehrbeauftragte in den Gender Studies an der HU und in den Erziehungswissenschaften an der Uni Bielefeld, spricht über die Intersektionen von Rassismus, Hetero/Sexismus und Ableism: Unverschämt. Wir im Spannungsfeld von Rassismus, Hetero/Sexismus und Ableism.