Category: Rassismuskritik

Obama – wirklich eine sichere Sache?

Malte von Spreeblick hat nicht die ganze zweite US-Präsidentenkandidatendebatte heute Nacht durchgehalten (und damit immer noch mehr gesehen als ich), aber ist sich jetzt sicher, dass Barack Obama gewinnen wird. Ich hoffe darauf und drücke die Daumen, doch mich stimmt eine Sache skeptisch, von der ich neulich im Addicted to Race Podcast gehört habe: Der Bradley Effekt.

The term Bradley effect, less commonly called the Wilder effect, refers to a frequently observed discrepancy between voter opinion polls and election outcomes in American political campaigns when a white candidate and a non-white candidate run against each other. Named for Tom Bradley, an African-American who lost the 1982 California governor’s race despite being ahead in voter polls, the Bradley effect refers to a tendency on the part of voters — black as well as white — to tell pollsters that they are undecided or likely to vote for a Black candidate, and yet, on election day, vote for his/her white opponent. (wikipedia)

Sozial erwünschtes Verhalten nennt man das in der empirischen Sozialforschung. Befragte geben an, was ihrer Meinung nach die erwünschte Antwort ist. In der Sprache der rationalen Wahl lautet die Annahme: Je heikler das Thema, desto höher sind die Kosten der Angabe der wahren Antwort, und daraus entsteht eine systematische Verzerrung. Geht es um US-amerikanische Wahlen und die “Rasse” des Kandidaten, wird vom Bradley Effekt gesprochen.

Der Effekt ist nicht unumstritten. In den Vorwahlen wurde manchen Staaten sogar ein “reverse” Bradley Effekt beobachtet:

On average, Obama received three percentage points more support in the actual primaries and caucuses than he did during polling; however, he also had a strong ground campaign, and many polls do not question voters with cellphones, who are predominantly young. (wikipedia)

Umfragen kurz vor den Vorwahlen tendierten dazu, Obama in Staaten mit einer schwarzen Bevölkerungsanteil von unter acht Prozent zu überschätzen, ihn aber in Staaten mit einer schwarzen Bevölkerungsanteil von über 25 Prozent zu unterschätzen. Es wird vermutet, dass schwarze Wähler_innen entweder in den Umfragen unterrepräsentiert waren, oder aber ihre Unterstützung für Obama nicht bekannt geben wollten. Es kommt also darauf an, wer zur Wahl geht, und wer mit welchen Mitteln befragt wird. Und überhaupt: Da sind ja noch die Swing States, auf die es eigentlich ankommt. Vor dem 5. November werde ich wohl kein Sicherheitsgefühl entwickeln können.

Benefizkonzert für Amnesty for Women

Amnesty for Women ist eine Organisation, die sehr wichtige und unterstützenswerte Arbeit leistet, die auftretenden KünstlerInnen super interessant und das letzte Benefizkonzert vor ein paar Wochen im der Fabrik (mit den Zitronen, Angie Reed und The Charts) war auch sehr schön. Darum freue ich mich auf das nächste Benefizkonzert am 11. Juli im Knust und hoffe, dass es voll wird.

flyer konzert amnesty for women

Liebe FreundInnen von Amnesty for Women!

Die alltägliche Arbeit von Amnesty for Women zeigt, dass es einen großen Bedarf an psychologischer Beratung gibt. Nicht alle Migrantinnen sprechen Deutsch, deshalb braucht Amnesty for Women muttersprachliche Psychologinnen, die auch mit dem kulturellen Hintergrund vertraut sind.

Die psychologische Beratung und Krisenintervention wird ausschließlich über Spendengelder finanziert. Deshalb freuen wir uns, dass besondere KünstlerInnen im Rahmen eines Benefizkonzertes für uns auftreten werden und möchten alle FreundInnen von Amnesty for Women herzlich dazu einladen, mit uns einen abwechslungsreichen Abend zu verbringen und uns durch den Eintritt zu unterstützen.
THE WORLD INFERNO FRIENDSHIP SOCIETY ist keine Band im ursprünglichen Sinne, sondern ein Projekt von 8-12 versierten MusikerInnen aus New York. Mit Witz, Politik und Partylaune haben World-Inferno sich ihre eigene, einmalige Nische geschaffen. Sie bieten eine Mischung aus Broadway Music, Kurt Weill und Brecht Songs, Big Band Sound, Louis Armstrong und siedeln sich irgendwo zwischen Soul und Punk an. Beim Duo JACK FUCKING TWIST aus Hamburg wird schnell klar, dass hier 2 Musikerinnen Lust auf Spaß haben, aber trotzdem ernst zu nehmen sind. Mit wenigen Mitteln bringen sie Bass, Fußorgel, Schlagzeug, 2x Gesang und viel Energie auf die Bühne. Abgerundet wird der Abend durch DJ-Sets von Patex (School Of Zuversicht) und Melissa Logan (Chicks on Speed).

Das Konzert findet am 11. Juli im Knust (Neuer Kamp 30, 20357 Hamburg) statt. Karten sind im Vorverkauf für 8 Euro und an der Abendkasse für 10 Euro erhältlich.

Das Team von Amnesty for Women

Ananas Schneiden II

Zum Ananas-Event bei Edeka fehlten mir neulich die Worte. In Noah Sows “Deutschland Schwarz Weiß” habe ich jetzt einen passenden Abschnitt gefunden, in dem sie über exotisierende Afrika-Zirkusshows schreibt:

Gerne wurden und werden ausgerechnet derartige Spektakel als “humanitäre” Angelegenheiten vermarktet, indem man beispielsweise einen Teil des Erlöses spendet […] und behauptet, man schaffe den Darstellen der Shows oder gar ihren Heimatregionen dadurch eine “Lebensgrundlage” oder vermittele “Selbstbewusstsein”. Dies ist eine besonders verklärende Form von Rassismus, da sie gar nicht erst die Möglichkeit in Betracht zieht, Menschen anders als von oben herab oder als potenzielle Tänzer für Europäer wahrzunehmen. Sie implizieren zudem, dass aus der Arbeit für den weißen Mann mehr Selbstbewusstsein resultieren kann als aus einem gleichberechtigten Miteinander.

Das noch als Nachtrag.

Ananas Schneiden I – Edeka exotisiert

Das, was we heute im der Freiburger Ausgabe vom Sonntag im Breisgau, einem kostenlosen Werbeblättchen, gefunden hat, ist ein Musterbeispiel für Exotisierung. Vermutlich sind die Ananas aus Costa Rica besonders schmackhaft, wenn sie von einem sympatischen, einmaligen Kenianer mundgerecht zubereitet werden. Ein Spektakel, das sich auch Kindergartengruppen und Schulklassen (die ganze Anzeige) nicht entgehen lassen sollten. Wo sehen die Kids denn sonst schon mal echte Ananas, Mangos und Papayas.

Koloniale Schattenseiten: Frappant wird Christiansquartier

Bei Blackprint wird ein Offener Brief von Jokinen dokumentiert, der sich dagegen ausspricht, den Frappant Komplex in Altona-Altstadt (aka “größte Bausünde der Stadt”) im Zuge seiner Umgestaltung in Chrisitans-Quartier umzubenennen. In der Pressemitteilung schreibt der Investor k-werkstatt

Das von k-werkstatt jetzt konzipierte Christians-Quartier soll zukünftig mit einer Verbindung von Kultur, Konsum und Wohnen die Altonaer Altstadt neu beleben. Der Name wurde in Anlehnung an die Blütezeit Altonas unter der Regierung des dänischen KönigsChristian VI. im 18. Jahrhundert gewählt.
Das Christians-Quartier wird ein freundliches, zeitgemäßes Objekt, das deutlich kleiner ist als der bisher die Große Bergstraße erdrückende Komplex. (christians-quartier.de)

Besonders freundlich und zeitgemäß ist der gewählte Name aber nicht. Schließlich würde er einen weiteren unkritischen Marker der hamburgischen Kolonialgeschichte darstellen. Jokinen schreibt dazu:

Christian VI war Hauptaktionär der „Dänisch-Westindisch-Guinesischen Kompanie“ und damit einer der größten Sklavenhändler und -halter im transatlantischen Dreieckshandel. Seine Vorgänger Christian V und Frederik IV hatten den globalisierten Sklavenhandel zwischen Kopenhagen, Guineischer Küste in Afrika und den Jungferninseln in der Karibik angeschoben. Sein Nachfolger Frederik V perfektionierte das perfide System des Menschenhandels, der zur Haupteinnahmequelle des Königs wurde und wesentlich zum Reichtum des dänischen Staates beitrug.

In Altona profitierten vom dänischen Sklavenhandel unter vielen anderen auch Emile Nölting, der sein Geld auf der dänischen Karibik-Insel St. Thomas machte und der Reeder von (van) der Smissen, der Sklavenschiffe chartete – beide werden in Altona mit Straßennamen geehrt.

Den ganzen offenen Brief könnt ihr bei Blackprint lesen: Wird ein weiterer Sklavenhändler in Hamburg geehrt?.

Petition: Stoppt den Weißen Wumbaba

2004 veröffentlichte der Kunstmann Verlag das erste „Handbuch des Verhörens“ (Autor: Axel Hacke, Illustration: Michael Sowa) unter dem Titel “Der Weiße Neger Wumbaba”. 2007 kam trotz der Proteste Schwarzer und Weißer Menschen gegen die unreflektierte Verwendung des N-Wortes und die Reproduktion rassistischer Stereotype der zweite Band “Der Weiße Neger Wumbaba kehrt zurück”

Eine Online-Pedition gegen die Verwendung des rassistischen N-Wortes, die Darstellung auf dem Buchcover und die Vermarktung der darauf abgebildeten Figur findet sich jetzt auf www.gopetition.com/online/15829.html.

Rassistische, gewalttätige Begriffe gilt es zu kritisieren, nicht zu Marketingzwecken zu instrumentalisieren. Die mit Rassismus verbundene Entmenschlichung gilt es zu beenden, nicht zu reproduzieren. (Der Schwarze Blog)

Der Braune Mob e.V. hat in der Rubrik “So geht’s nicht” weitere Infos zu diesem Buch sowie einen Erfahrungsbericht von Protesten bei einer Lesung des Autors gesammt.

Mittwoch & Donnerstag: Komplexe Positionierungen gesucht!

Schön, wenn die Abendgestaltung so gut zusammen passt, wie nächste Woche. Am Mittwoch findet im Rahmen der Vorlesungsreihe “Jenseits der Geschlechtergrenzen” eine Podiumsdiskussion mit Angelika Hassani, Jennifer Petzen und Georg Klauda statt, in der die Debatten rund um den Hamburger Stadtteil St. Georg hinsichtlich der diskursiven Verschränkung von Homophobie und Islamophobie zum Thema gemacht werden. Dabei soll es insbesondere um die Frage gehen, welche Interventionsmöglichkeiten aus einer antirassitischen, queeren Perspektive denkbar sind. Am Tag darauf stellt sich Kanak Attak im Rahmen der zweiten Feministischen Werkstatt dem Rätsel des Feminismus. Auch hier wird es um Positionierungen in umkämpften Feldern gehen.

Welchen Ismen gehört St. Georg ?
Eine Podiumsdiskussion, angeregt von Artikeln und Leser_Innenbriefen aus dem Hamburger Homo-Magazin “Hinnerk”.

Ausgangspunkt ist eine Debatte zum viel besungenen „Kulturkampf“, für dessen Schauplatz dieses Mal der Hamburger Stadtteil St. Georg auserkoren wurde und in dem DER Islam und DIE Schwulen gegeneinander antreten sollen. Anstelle einer Diskussionsrunde über potenzielle Lösungswege für ein “Stadtteilproblem”, wird eine kritische Perspektive eingenommen, in der die Hamburger Diskussion in den Kontext der Islam- und Integrationsdebatte der letzten Jahre eingeordnet wird. Von unterschiedlichen Standpunkten aus wird diskutiert, wie Islamophobie und Homophobie verstrickt sein können und welche Interventionsmöglichkeiten es in solche Debatten gibt, die stark von Stereotypen über “die Anderen” geprägt sind.

Es diskutieren:
Angelika Hassani, Mitgründerin von Queer-Muslime Hamburg e.V.
Georg Klauda, Dipl. Soziologe und freier Autor, Berlin
Jennifer Petzen, Doktorandin an der University of Washington, Seattle

Mittwoch, 12. Dezember 2007, 19 Uhr
Hörsaal F im Phil-Turm, Von-Melle-Park 6, Uni Hamburg
http://queerag.genderstudies-hamburg.de

Kanak Attak und das Rätsel des Feminismus

Eine Haltung gegen Rassismus und Sexismus beinhaltet oft den Spagat, beidem ausgesetzt zu sein. Praktisch heißt das, immer auf der Hut zu sein und Mehrarbeit an Sensibilisierung zu leisten. In diesem Kontext stellt Kanak Attak einige Überlegungen an über die Möglichkeiten,
einer antirassistischen und feministischen Positionierung gerecht zu werden.

Donnerstag, 13. Dezember 2007, 19 – 21 Uhr
Kölibri, Hein-Köllisch-Platz, St.Pauli
http://www.feministisches-institut.de/aktuelles.html

Veranstaltung zu critical whiteness am Freitag im Kölibri

Am kommenden Freitag, dem 9. November, veranstaltet die Gruppe rapidas in Kooperation mit Radio Loretta e.V. eine Veranstaltung mit Dr. Eske Wollrad. Hoffentlich kommen viele, die sich in ihren Zusammenhängen bisher noch nicht so intensiv mit der Notwendigkeit der kritischen Reflektion von Weißsein und damit verbundenen Privilegisierungen beschäftigt haben.

Weißsein als Norm – kritische Analysen zu Rassismus und Feminismus in Theorie und Praxis

Erst seit wenigen Jahren werden auch hierzulande Konzepte aus der „Critical Whiteness“ Forschung diskutiert. Denn „Rasse“ ist nach wie vor ein Fundament sozialer Interaktion und gesellschaftlicher Wissensproduktion, und ihr Zentrum ist Weißsein. Weißsein steht als Signatur für Deutschsein, für das
Normale und somit Normative, und ist charakterisiert durch Abwesenheiten: nicht exotisch, nicht fremd, nicht bemerkenswert. Gleichzeitig bezeichnet Weißsein die machtvolle Position des unmarkierten Markers, der die „Anderen“ über dynamische Prozesse der Rassifizierung immer wieder neu herstellt.

In ihrem Vortrag über den Zusammenhang von Weißsein, „Rasse“ und „Volk“ im Kontext kolonialer und NS-Ideologien und ihrer Echos in der Gegenwart wird Eske Wollrad die Grundlagen der kritischen Weißseinsforschung darstellen und ihre Anwendung in Bezug auf antirassistisch-feministische Praxis zur Diskussion stellen. So besteht die Möglichkeit, sich über die wissenschaftliche Debatte hinaus mit dem Whiteness Ansatz zu beschäftigen und die eigene Praxis zureflektieren. Wie kann dieser Ansatz dazu nutzbar gemacht werden, einen Standpunkt von bloßer Selbstreflektivität oder gar Paternalismus zu verlassen? Wie kann die Verschränkung von unterschiedlichen Herrschaftsverhältnissen analysiert werden und wie kann sich dies in einer produktiven und auf Respekt gegründeten Bündnisarbeit niederschlagen?

Zur Referentin:
Dr. Eske Wollrad gehört zu den renommiertesten Whiteness-Forscherinnen Deutschlands. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Neben einigen Büchern publizierte sie eine Vielzahl von Artikeln zu Rassismus, Genderforschung, den Critical Whiteness Studies und Postkolonialismus.

Freitag, 09. November 2007, 19:00 Uhr, Kölibri (Hein-Köllisch-Platz 12)