Author: Kathrin

Zweiter Workshop zu Intersektionalität

Unter dem Titel “Doing Intersectionality. Über das Recht auf Verschiedenheit und den Umgang mit Differenz” findet vom 28. bis 30. November 2008 der zweite Workshop zu Intersektionalität in Hamburg in diesem Jahr statt. Den ersten habe ich hier angekündigt.

Im Rahmen des zweiten Workshops in diesem Jahr möchten wir Menschen, die in beruflichen, politischen, künstlerischen sowie wissenschaftlichen Zusammenhängen oder auch „privat“ mit Verschiedenheit und Intersektionalität zu tun haben, Raum zur Vorstellung und Diskussion ihrer Erfahrungen und Gedanken geben.

Ziel ist es, Umgangsweisen mit und Perspektiven auf Verschiedenheit und Intersektionalität auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Kontexten zu diskutieren. Wir laden Praktiker_innen, politische Aktivist_innen, Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Studierende herzlich zur Mitwirkung ein.

In einer Keynote von Elisabeth Holzleithner aus Wien mit dem Titel “Vielfalt zwischen Managment und Herrschaftskritik” am Freitag Abend und vier Pannels am Samstag und Sonntag werden die Bereiche Normativität, Ökonomie, Subjektivität und Herrschaftskritik in den Blick genommen. Genauere Informationen zu Ort, Zeit und Programm finden sich in diesem Flyer. Der Workshop wird veranstaltet von der Gemeinsamen Kommission für Frauenstudien, Frauen- und Geschlechterforschung, Gender und Queer Studies Hamburg

Im Goldrausch

Hier im Bezirk Altona wird seit Jahren viel gebaut, mal mehr, mal weniger schön. In Bahrenfeld habe ich heute ein besonders pittoreskes Objekt gesehen. Ich werde es das Goldbarrenhaus nennen.

haus mit goldenem aufbau

Linksruck mit Jon Stewart

Auf Working-Class Perspectives gibt es einen Artikel über die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Arbeiterklasse/working-class. Ich wollte den Link zu 1930s Redux? The Working Class and the Economic Crisis zunächst einfach zu delicious stecken, fand dann aber insbesondere die letzten beiden Abschnitte so interessant, dass ich sie lieber poste:

Many have debated whether the current economic crisis parallels the Depression of the 1930s. Economic analysis aside, there may be a parallel cultural shift. In the 1930s, the American labor movement gained momentum, leftist politics flourished, and artists and organizers created what Michael Denning terms “the cultural front,” an array of art, film, music, and literature that reflects working-class perspectives. Those social movements worked together with economic policies to create political change.

We may well be on the brink of a similar transformation. While the labor movement continues to struggle, the AFL-CIO has started a grassroots organization, Working America, to engage people who don’t belong to unions in organizing for economic and social justice policies (more on this from Jack Metzgar next week). Voter registration patterns show a clear shift if not to the left then at least to the Democrats. “Rock the Vote” concerts, the popularity of “The Daily Show,” and the rising ratings for MSNBC’s left-leaning commentary programs suggest the convergence of politics and pop culture. So while the working class may suffer the most from the economic crisis, they may also have reasons to hope that it will bring real change.

Während Martin Booker auf eine Renaissance des Neoliberalismus zu hoffen scheint und ich dessen Ende heraufbeschwöre, verbreitet Sherry Linkon Hoffnung auf einen Aufschwung linker Kultur und Politik. Also wenn Jon Stewart mitmacht, bin ich auch dabei.

Links vom 10. bis 26. Oktober 2008

Erklärungen zur Finanzmarktkrise, eine feministische Erfolgsmeldung, die Archivierungswut der Nationalbibliothek und interessante Veranstaltungen in Hamburg findet ihr nach dem Klick!
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Ein Gedicht!

Da bin ich für zwei Tage unterwegs und habe kurz vor der Abreise schnell noch ein vermeintliches Tucholsky Gedicht ungeprüft gebloggt. Dumm, einfach nur dumm. Für weitere Infos bitte in die Links im Kommentar schauen.

Hoffnungsvoll Feministisch in Bremen

Von Freitag bis Sonntag ist Bremen Hoffnungslos Feministisch. An diesem Wochenende sollen unterschiedliche feministische und queer-feministische Perspektiven zusammengebracht werden, um über die eigenen Theorien und Praxen zu sprechen – ein Anliegen verschiedener Gruppen, das im Kontext der G8 Mobilisierung im vergangenen Jahr entstanden ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich feministische Politiken in den letzten Jahren verändert haben. Unter anderem wird darum das Verhältnis von feministischen und queeren Ansätzen diskutiert, es geht um anti-rassistische und Körperpolitiken, und auch die Tatsache, dass nur Frauen, Lesben, Transgender, Inter- und Transsexuelle an diesem Wochenende miteinander diskutieren können, wird hoffentlich Thema sein.

Ich werde zusammen mit Do. Gerbig am Samstag Nachmittag einen Vortrag/Workshop zu queerer Ökonomiekritik anbieten. Dort werden wir verschiedene antikapitalistisch/queere Politikansätze vor- und zur Diskussion stellen.

Komplex radikal: Queere Ökonomiekritik.
Kapitalismuskritik und Queer sind beide radikal und versuchen beide, die Komplexität sozialer Praxen zu begreifen. Sie liefern eine vielschichtige Sicht auf Herrschaftsstrukturen und beleuchten bestimmte Aspekte gesellschaftlicher Unterdrückung. Während Kapitalismuskritik Ausbeutungsverhältnisse rund um die Verteilung von Produktionsmitteln fokussiert, wendet sich Queer in erster Linie gegen Normativität und Identitätszwang. Beide verstehen sich als grundlegende Gesellschaftskritik. Jenseits davon, im Marxismus nur eine binäre Beschäftigung mit dem Hauptwiderspruch zwischen Arbeiterklasse und Kapital, und in Queer nur die schwul-lesbische Forderung nach der Anerkennung und dem Einschluss ins Bestehende zu sehen, interessiert uns, wo Verknüpfungspunkte sind und was beide gewinnen würden, vom jeweils anderen zu lernen.

Wir hoffen, dass wir auch über die aktuelle Finanzmarkt/Wirtschaftskrise und das sich verändernde Verhältnis zwischen Kapitalismus und Staat reden können. Ergeben sich daraus queer-feministische Visionen oder ist unser Einsatz dringend gefragt?

Ich bin gespannt auf die verschiedenen Leute dort, die vermutlich aus ganz unterschiedlichen Kontexten und Traditionen kommen. Vielleicht befördert das Wochenende ein solidarisches Nebeneinander, was meiner Meinung schon ein wichtiger Schritt ist, oder macht sogar Lust auf Kollaborationen. Ich bin ganz hoffnungsvoll!

Sie ist da!

das missy magazin liegt auf meinem schreibtischDas Glück der Abonnentin! Die Erstausgabe des Missy Magazins lag heute schon im Briefkasten. Erster Eindruck nach dem Durchblättern: Sieht aus wie die Intro, aber mit dem entscheidenden Unterschied, dass ich Lust habe, die Texte zu lesen. DIY, Mode, Popkultur, Politik, Sex, eine Kolumne von Verena Kuni, eine Würdigung von Paris Geller, Nerdmode, Vibratorkauf. Am Montag ist das Heft im Handel ist. Ich werde bis dahin schon viel darin gelesen haben, und nach der ersten Begeisterung vielleicht zu einer kritischen Betrachtung fähig sein. Danke, Team Missy!

Scheidung wegen Schoko-Kokos-Kuchen

Manche Kommentare bei Chefkoch.de helfen bei der Umsetzung der Rezepte, andere eignen sich als Studienobjekte, und als ich eben nach einem Rezept für einen Geburtstagskuchen gesucht habe, bin ich vor Lachen über einen Kommentar von “Kuchenschmecktgut” fast vom Sofa gefallen:

ich selber bin hobbykuchenbackerin mir hat dieser kuchen sehr gut geschmeckt ich backe ihn fast täglich !!
ich bin vollauf begeistert…
leider teilt nicht jeder meiner familie dieses gefühl mit , mein mann hasst diesen kuchen förmlich er spuckte ihn sofort weider aus. ich habe ich deswegen von ihm getrennt . er hat auch dauernt gesagt ích soll ihm einen leckeren kuchen backen habe ich auch getan aber er mochte diesen nicht und zog aus. ich habe seit gesetrn die scheidung eingereicht.er schon vor einem monat , Leider !!ich ernähre mich und meine 5 kinder fast täglich von diesem kuchen. mien sohn macht morgen seinen abitur auf der hauptschule.ich werde ihm diesen kuchen backen falls er nicht besteht denn er hasst diesen kuchen ebénfalls!!

ich aber lieb ihn und schreibe morgen und nächste woche weider ein kommentar zu diesem lekeren nutellakuchen.
vielleicht möchte mien mann ja auch mal ein kommentarschreibn oder mein sohn !!

Das ist vermutlich ein Stückweit Unterschichtsverarsche und deswegen problematisch. Da aber bei Chefkoch so oft geschrieben wird, dass es Lob von Ehemann und Kindern für die Koch- und Backkünste gab, und wie sehr sich frau über diese Anerkennung freut, dass es doch interessant ist, mal zu sehen, was passieren kann, wenn ein Kuchen bei den Liebsten nicht so gut ankommt.

Nachtrag
Es kommen viele Leute auf meinen Blog wegen dieses Eintrags. Ihr seid vermutlich auf Rezeptsuche, und es sei euch gesagt: Der Schoko-Kokos-Kuchen bei Chefkoch.de schmeckt ganz phantastisch!

Saisonstart bei “Jenseits der Geschlechtergrenzen”

Die Vorlesungsreihe “Jenseits der Geschlechtergrenzen”, die ich als Teil der AG Queer Studies organisiere, geht nächste Woche am Mittwoch Abend wieder los. Wie in jedem Semester decken die verschiedenen Vorträge ein interdisziplinäres Spektrum an Themen ab und verdeutlichen queerende Forschungspraxen und Perspektive auf Geschlecht und Sexualität. In der ersten Sitzung geben wir einen Einblick in das kommende Semester und unsere aktuellen Projekte, und Kerstin Brandes wird das FKW-Themenheft “Indem es sich weigert, eine feste Form anzunehmen” – Kunst, Sichtbarkeit, Queer Theory vorstellen. Dieser und alle kommenden Vorträge sind für alle Interessierten offen und frei as in Freibier. Zwei mal im Monat werden die Vorträge außerdem beim Freien Sender Kombinat im Radio übertragen und sind per Stream jetzt auch für alle Nicht-Hamburger_innen zu hören. Auf der Seite der AG Queer Studies im Hamburger Genderportal findet ihr weitere Infos, es gibt ein Programmheft als PDF, und hier eine Übersicht der Vorträge im Wintersemester nach dem Klick.
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Arbeit verpeilt, aber entspannt

Ich gehöre nicht hundertprozentig zu den Anhänger_innen des LOBO (“lifestyle of bad organisation”), zeige aber hin und wieder solche Tendenzen. Alle paar Wochen muss also eine neue To-Do-Liste her oder die Gedanken kreisen um Getting Things Done-Konzepte. Falscher Ansatz: In “Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdiziplin” (rowohlt) raten Kathrin Passig und Sascha Lobo dazu, sich nicht über die eigene Disziplinlosigkeit zu ärgern, und auf keinen Fall zu versuchen, diese mit Selbstdisziplin zu bekämpfen. Stattdessen sollte sich diese unpraktische Welt um uns herum verändern, und wir können kreative Workarounds entwickeln, um die negativen Folgen der Prokrastination zumindest einzudämmen.

Ich suchte im Buchhandel vergebens auf dem Wirtschaftsstapel nach “Ding geregelt kriegen…”, weil ich es mit Holm Friebe und Thomas Ramges “Marke Eigenbau” assoziiere. Das ist natürlich Quatsch: Auf dem Psychologie-Tisch wurde ich fündig, und da gehört Selbsthilfeliteratur ja auch hin. buchcoverPassig/Lobos Ansatz ist tatsächlich originell. Er verabschiedet sich vom Arbeitsethos, passt aber in unsere Zeit. Sich auf diesen Blickwinkel einzulassen könnte tatsächlich für seelische Entlastung und dann irgendwie doch wieder mehr Produktivität sorgen, und die netten Anekdoten und möglicherweise sogar hilfreichen Kniffe sind sowieso lesenswert.

Mir scheint, als verfolgen die ZIA-Leute mit einigen ihrer Veröffentlichungen ein konzertiertes Projekt einer Neubestimmung von Arbeit und Leistung. Im Fall von “Wir nennen es Arbeit” sagt der Name schon alles, in “Marke Eigenbau” wird die These aufgestellt, im 21. Jahrhundert dehne sich Individualisierung darauf aus, “wie wir arbeiten, produzieren, Geld verdienen und uns unseren Tag einteilen”, und von letzterem handelt das neue Buch von Passig und Lobo. Bei mir hatte die Lektüre dieser Schrift gegen die Selbstdiziplin einen ganz interessanten, paradoxen Effekt: Ohne jede äußere Notwendigkeit bin ich die ganze Woche über in den frühen Morgenstunden aufgestanden. Aber ich habe als Kind auch mit extremer Aufgedrehtheit auf einschläfernde Fieberzäpfchen reagiert.