Author: Kathrin

Hugs and Kisses Release-Party am Samstag

Hugs and Kisses – tender to all gender” heißt ein neues, in Hamburg produziertes Magazin zu “queer musik, film, kunst, kultur”. Das 56-seitige, nicht auf Gewinn ausgerichtete Hochglanz-Fanzine erinnert mich von weitem ein bisschen an Persona Non Grata und ähnliche Hefte. Ich hatte es aber noch nicht in den Händen und konnte mir darum auch noch nicht die Fotostrecke “the tunte in me is the tunte in you” von Paula Winkler ansehen, oder das original Käsekuchenrezept von The Gossip ausprobieren.

Eine Release- und Druckkostenparty feiert Hugs and Kisses an diesem Samstag, dem 17. November 2007, im Spundloch in Hamburg. Eintritt 4 Euro, mit Magazin 6 Euro.

“the self proclaimed lesbians get their picture in the yearbook”


Zwei 17-jährige Schülerinnen sind zusammen. Ihr Foto landet unter der Überschrift “The Cutest Couple” im Schuljahrbuch. Die Schule will das zunächst nicht zulassen, erlaubt es dann aber trotz elterlicher Bedenken. Doch es gibt es Insitutionen wie Fox-News und die Sendung The O’Reilly Factor, die sich dem Problem annehmen. Bill O’Reilly, dem Daily Telegraph zufolge immerhin Nummer 82 der 100 einflußreichsten Konservativen in den USA, diskutiert den Fall mit der Psychologin Laura Berman.

O’Reilly, bekannt für seine meinungsstarken politischen Kommentare, hofft glaubt zu wissen, dass dies alles nur eine Provokation sei. Kids machen den Erwachsenen einfach gerne Ärger. Er beruft sich dabei auf Nachforschungen. Wie schön, dass man sich in solchen Fällen noch ordentliche Recherche leistet. Berman sieht in besagtem Foto allerdings vielmehr ein Indiz für die zunehmende Anerkennung von Homosexualität: “homosexuality is becoming thankfully more normalized”. Dankenswerterweise? O’Reilly gibt zu bedenken, dass 50-60 % “des Landes” über diese Aussage Bermans verärgert sein werden. Warum? “We don’t want to normalize homosexuality in a public way, in an academic setting – highschool – among minors.” Und zwar aus drei Gründen. Zum einen ist da der soziale Aspekt: In Amerika sei Homosexuell zu sein schwieriger als Heterosexuell zu sein. Zum anderen gibt es Menschen, die aus religiösen Gründen der Meinung sind, dass dieser “Lifestyle” gegen ihren Glauben verstößt. Falsch ist das beides nicht.

Kommen wir also zum dritten Punkt. Dem Sender liegt brisantes Fotomaterial vor, das uns nicht vorenthalten wird: In der Zwischenzeit wurde auf das Foto der beiden Mädchen gezoomt. Dort sieht man, wie sie Händchen halten: “an exposition of sexuality on minors […] is inappropriate in an acamdemic setting”.

Berman bringt O’Reillys Befürchtungen auf den Punkt: Die Anerkennung von Homosexualität würde dazu führen, dass mehr Menschen Homsexuell werden.

Während Berman der Meinung ist, es gehe hier doch um die Liebe zwischen zwei Menschen, hat O’Reilly den ganz dringenden Verdacht, dass diese “self-proclaimed lesbians” uns ihre Sexualität unter die Nase reiben: “Look, Doctor: There is no reason why Brandy and Lupe had to declare themselves anything other than friends”. In die Schulen gehöre solch unangemessenes Verhalten jedenfalls nicht: “You do not define yourself in a highschool in a sexual way. Period.”

Berman trägt die Diskussion mit viel Fassung und gibt zu bedenken: “You can’t encourage it, it happens any way”. Darauf O’Reilly: “That’s the old argument, let’s legalize drugs because it happens anyway. There should be boundarys.”

Interessant an O’Reillys Äußerungen finde ich, dass er hier argumentiert, dass Homosexuelle vor der Gesellschaft geschützt werden sollten, in dem die Repräsentation von Homosexualität verbannt wird. So würden weniger Leute auf die Idee kommen, Schwul oder Lesbisch zu sein, und alle hätten weniger Probleme. Homosexualität ist schließlich – im Gegensatz zu race – eine Frage des Handelns: “There is a difference between who you are and what you do.” Was man tut, kann man auch lassen. O’Reilly ist diskursiv aus dem Schneider. Er, Autor des Buches “Kids Are Americans Too”, will nämlich nicht, dass homosexuelle Jugendliche tyrannisiert werden. Er will sie vielmehr von der Mehrheit der Bevölkerung – die seiner Meinung nach das Recht hat, ihre homophobe Meinung zu vertreten – schützen. Im Gegensatz dazu muss sich die liberale Psychologin darauf beziehen, dass Homosexualität eine Eigenschaft ist, die einfach da ist.

Es wird deutlich, dass es die Denormalisierung von Heterosexualität wäre, die einen Bruch in diese Debatte einführen würde. Das versucht Berman ansatzweise auch, aber es geht leider unter. Das Privileg der Norm, überall auf unsichtbare Weise sichtbar zu sein, zeigt sich schon darin, dass heterosexuell auftretende Teenager nicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ihre Sexualität zur Schau zu stellen.

Das Video gibts bei dailymotion.com und natürlich auch bei youtube. Die Chicago Sun-Times hat auch was dazu, und falls jemand an weiteren Meinung interessiert ist, helfen Suchmaschinen.

“It’s very likely that I’ll contradict myself.”

Let’s start with this question: If you carry a cat around on your shoulder when you go out, or a bird, or a lizard, what music do you listen to? Or, if you’re not any of those people, ask someone who is.

Das ist doch mal eine schöne Nachricht für den Beginn der Woche: Carrie Brownstein von Sleater Kinney, die ja leider im “indefinite hiatus” sind, schreibt den Monitor Mix-Blog auf der Seite von National Public Radio. Da läuft auch mein Lieblingspodcast This American Life. Carrie schreibt über Musik und verfolgt dabei einen Ansatz, den ich viel spannender finde als die üblichen Rezensionen und Band-Portraits:

Though I might occasionally review a piece of music, I would rather explore the contexts and the ways in which we enjoy or maybe even despise it.

Sofort abonniert. Via.

“But isn’t this the first time we’ve had a debate about identity?”

Consider this a public draft!*

Ohne irgendwas über das ENDA zu wissen, finde ich interessant, was Jeremy im Foucault Blog darüber schreibt. So wie ich das verstanden habe, geht es darum, nicht nur Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung oder Geschlecht (Mann oder Frau) zu sanktionieren, sondern auch in Bezug auf gender identity. Unabhängig von sexueller Oriertung, und unabhängig vom “Ursprungsgeschlecht” (uiuiui). Das ist im allgemeinen Gleichstellungsgesetz wohl auch nicht drin, und ein interessanter Gedanke.

ENDA was first proposed in 1974 and is expected to pass without the additional clause above, which will be voted on separately. In other words there’s a tension between LBG ENDA and a LBGT ENDA covering transgender issues.

Diese Kongresssitzung war auch schon, und ENDA wurde ohne die Berücksichtigung von gender identity verabschiedet. Ich glaube, es wäre lohnenswert, sich diese Debatte auch noch mal genauer anzusehen: Was waren Diskussionspunkte in der öffentlichden und parlamentarischen Debatte, und was waren die Konfliktpunkte zwischen LGB und LGBT?

* Öffentliche Entwürfe – das public beta der schreibenden Zünfte?

“Die Medizin ist gescheitert mit ihrem Versuch, per Skalpell ein gesellschaftliches Problem zu lösen.”

Die taz hat einen Artikel über den medizinischen Umgang mit Intersexualität. Dort werden auch Ergebnisse der Studie von Hertha Richter-Appelt am Hamburger UKE diskutiert. Zu kritischen Anmerkungen bin ich gerade nicht in der Lage, darum nur der Link. Vielleicht mag ja wer kommentieren?

Veranstaltung zu critical whiteness am Freitag im Kölibri

Am kommenden Freitag, dem 9. November, veranstaltet die Gruppe rapidas in Kooperation mit Radio Loretta e.V. eine Veranstaltung mit Dr. Eske Wollrad. Hoffentlich kommen viele, die sich in ihren Zusammenhängen bisher noch nicht so intensiv mit der Notwendigkeit der kritischen Reflektion von Weißsein und damit verbundenen Privilegisierungen beschäftigt haben.

Weißsein als Norm – kritische Analysen zu Rassismus und Feminismus in Theorie und Praxis

Erst seit wenigen Jahren werden auch hierzulande Konzepte aus der „Critical Whiteness“ Forschung diskutiert. Denn „Rasse“ ist nach wie vor ein Fundament sozialer Interaktion und gesellschaftlicher Wissensproduktion, und ihr Zentrum ist Weißsein. Weißsein steht als Signatur für Deutschsein, für das
Normale und somit Normative, und ist charakterisiert durch Abwesenheiten: nicht exotisch, nicht fremd, nicht bemerkenswert. Gleichzeitig bezeichnet Weißsein die machtvolle Position des unmarkierten Markers, der die „Anderen“ über dynamische Prozesse der Rassifizierung immer wieder neu herstellt.

In ihrem Vortrag über den Zusammenhang von Weißsein, „Rasse“ und „Volk“ im Kontext kolonialer und NS-Ideologien und ihrer Echos in der Gegenwart wird Eske Wollrad die Grundlagen der kritischen Weißseinsforschung darstellen und ihre Anwendung in Bezug auf antirassistisch-feministische Praxis zur Diskussion stellen. So besteht die Möglichkeit, sich über die wissenschaftliche Debatte hinaus mit dem Whiteness Ansatz zu beschäftigen und die eigene Praxis zureflektieren. Wie kann dieser Ansatz dazu nutzbar gemacht werden, einen Standpunkt von bloßer Selbstreflektivität oder gar Paternalismus zu verlassen? Wie kann die Verschränkung von unterschiedlichen Herrschaftsverhältnissen analysiert werden und wie kann sich dies in einer produktiven und auf Respekt gegründeten Bündnisarbeit niederschlagen?

Zur Referentin:
Dr. Eske Wollrad gehört zu den renommiertesten Whiteness-Forscherinnen Deutschlands. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Neben einigen Büchern publizierte sie eine Vielzahl von Artikeln zu Rassismus, Genderforschung, den Critical Whiteness Studies und Postkolonialismus.

Freitag, 09. November 2007, 19:00 Uhr, Kölibri (Hein-Köllisch-Platz 12)

Leben ohne Latein

Auch ohne Latein gelernt zu haben, finde ich den Markennamen “Bioborn” unangenehm. Die Säfte scheinen sich aber für Zugreisende gut zu eignen. Ich hatte diesen Gedanken nämlich letzte Woche, als einer im ICE neben mir an einem Bioborn-Tetrapak nuckelte, und auf der Homepage wird Bioborn-Konsum im Zug abgebildet.

Blog-Basteln vor der Vorratsdatenspeicherung

Es gibt jetzt ein Kontaktformular auf der about-Seite, das ich mit dem empfehlenswerten Plugin cform II erstellt habe. Ich habe festgestellt, dass WordPress nicht automatisch die Sommer und Winterzeit mitbekommt. Aber auch dazu gibt es natürlich ein Plugin. Auserdem habe ich heute für ein anderes Blog herausgefunden, wie das mit der Lokalisierung bei WordPress und K2 so läuft. Bei Fragen dazu, schreibt gerne einen Kommentar. Dann führe ich das genauer aus.

Der Herr Schäuble schaut auch mal wieder von oben rechts auf diese Seite. Am Dienstag finden dezentrale Kundgebungen in verschiedenen Städten statt. Dort soll noch einmal gegen die Vorratsdatenspeicherung protestiert werden, bevor der Bundestag am Freitag wahrscheinlich der Bundestag darüber abstimmen wird. Die Kundgebung in Hamburg findet um 17.30 Uhr auf dem Rathausmarkt statt. Mal sehen, ob ich das schaffe.

Schmunzeln über Hegemonietheorie

Als Orte der relativen Dauerhaftigkeit und Verläßlichkeit im diskursiven Rauschen bilden diskursive Institutionen gewissermaßen die ‘kleine Schwester’ der diskursiven Formation-Formierung. Als ‘Subformation-formierung’ stabilisieren diskursive Institutionen kleinere diskursive Zusammenhänge.

Aus Martin Nonhoff: Politischer Diskurs und Hegemonie. Das Prokekt “Soziale Marktwirtschaft” (transcript Verlag, Bielefeld, 2006, S. 180). Das ist ein wie ich finde sehr empfehlenswertes Buch, in dem die Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantall Mouffe sehr ausführlich erläutert, geordnet, durchdefiniert und auf die Analyse hegemonialer Projekte angewandt. Im Dezember erscheint ebenfalls bei transcript der von Nonhoff herausgegebene Sammelband “Diskurs – radikale Demokratie – Hegemonie. Zum politischen Denken von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe”, den ich mir auf jeden Fall ansehen will.

Judith Butler, Gayatri Chakravorty Spivak: Sprache, Politik, Zugehörigkeit

Ein dünnes, 78-Seiten starkes Buch ist jetzt erschienen, über das Martin Saar in seiner Rezenssion für Literaturen schreibt:

Mit Lust an der Pointe und am Vervielfältigen der Standpunkte streiten Judith Butler und Gayatri Spivak in einer so turbulenten wie heiteren Podiumsdiskussion. Es geht darum, wer die Signatur der politischen Gegenwart besser entziffert.

Theoriepolitik für die Hosentasche. Werd ich lesen!

Judith Butler, Gayatri Chakravorty Spivak: Sprache, Politik, Zugehörigkeit. Aus dem Englischen von Michael Heitz und Sabine Schulz, diaphanes, Berlin 2007, 78 S., 8 €