Category: Queer

Berlin: Überfall auf Besucher_innen des Drag Festivals – Montag Demo

Gerade erreichte mich diese sehr bedrückende Mail mit der bitte um Weiterleitung:

Hallo,

leider ist es heute morgen früh nach der Drag Festival-Party im SO 36 zu einem Überfall auf 7 Gäste des Drag Festivals Berlin gekommen!

Indymedia schreibt: “In der Nacht vom 07. zum 08. fand das Dragfestival im SO36 statt. Als die letzten Gäste gingen und das SO36 schon am schliessen war, wurde eine Gruppe Frauen/Lesben am Heinrichplatz von mehreren Männern, die aus 3 vorbeifahrenden Autos sprangen, zusammengeschlagen. Einer der Wagen hatte einen Aufkleber der faschistischen “Grauen Wölfe” am Heck kleben. Die Frauen/Lesben wurden niedergeschlagen und am Boden weitergetreten. Dann sind die Angreifen zurück in die Autos und fuhren weg. Die Betroffenen trugen Verletzungen davon, eine war ca. 5 Minuten bewußtlos. In den letzten Tagen häufen sich verbale und/oder körperliche Angriffe auf homosexuelle/queere/linke Menschen.”

* Wir nehmen diesen Überfall zum Anlass morgen, Montag 09. Juni, um 19h eine Spontandemo mit dem Motto “Smash Homophia!” zu machen. *
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* Startpunkt: Mariannenplatz. Zeit: 19 Uhr *

Kommt alle und sagt allen Bescheid!

Für mehr Infos bitte die Webpage konsultieren (…)
****Drag Festival Berlin****
5.-8. Juni 2008
www.drag-festival.net

Update: Es gibt eine weitere Meldung dazu auf Indymedia, die eine Presserklärung der Veranstalter_innen enthält. Darin wird auch darauf eingegangen, dass dieses Ereignis leider kein Einzelfall darstellt.

Das Recht, das heteronormative

Das Bundesverfassungsgericht hat, wie die taz berichtet, die Klage eines verpartnerten Beamten abgeweisen, der keinen Verheiratetenzuschuss erhält. Ein solcher Zuschuss steht jeder/m verheirateten Beamten/in automatisch zu. “Für Beamte in einer eingetragenen Partnerschaft ist dies nur vorgesehen, wenn sie den Partner tatsächlich unterhalten müssen, weil ihm weniger als rund 600 Euro pro Monat zur Verfügung stehen”, so die taz. Durch das Urteil wird, wie urmila feststellt, deutlich, dass das BVerfG von der klassischen Versorgerehe ausgeht, bei der ein Partner für den Familienunterhalt zuständig ist, und der andere das betreuende Elternteil darstellt sowie die meisten anfallenden Arbeiten rund um das gemeinsame Heim verrichtet.

Das Urteil zeigt nicht nur, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft weiterhin gegenüber der Ehe benachteiligt wird, sondern auch, dass die Institution der Ehe im Zusammenhang mit der Institution des Rechtes auf Prämissen beruht, die nicht von einer egalitären Arbeitsteilung in heterosexuellen Paarbeziehungen ausgeht. Sie gehört meiner Meinung nach abgeschafft, und wenn das zu utopisch ist, so sollten doch zumindest diese Versorgergeschichten raus aus der Sozial- und Steuergesetzgebung, sowie den verschiedenen anderen Bereichen, die davon betroffen sind.

Fuck yourself – because she won’t, und eine andere Un_Normalität

Zwei liebe Freund_innen von mir bloggen jetzt auch. Juchu!

Wolfseule hat sich das spannende Thema Asexualität vorgenommen:

Asexuelle entziehen sich komplett einem riesigen Bereich, Diskurs, Lebensteil, Aktivität, wieauchimmer man „das“ bezeichnen will. Einem Bereich, der hart umkämpft ist. Zumindest in meinem Elfenbein(leucht)turm von Uni-Umgebung, in Zeiten von Genderstudies, in denen der Begriff polymorphe Perversion jedem Studenten der Geisteswissenschaften halbwegs geläufig ist, kann man eigentlich kaum noch Unverständnis evozieren. Außer mit der Ansage, dass man so überhaupt gar kein Bedürfnis hat, die hart erkämpften Freiheiten zu nutzen.

Die andere tut_nur_so // just_pretending, und schreibt/fotografiert/macht was über und gegen normal.

was normal sein soll, wird in vielen kleinen und großen, bekannten und unbekannten, lauten und leisen geschichten erzählt

Enjoy!

Wenn zwischen Natur und Mutterglück die Atombombe steht


Letztes Woche sah die deutsche Blogosphäre ja kollektiv Menschen bei Maischberger, wo Sascha Lobo was zur Rente sagte und eine gute Figur machten. Das Thema dieser Woche wird in diesen Kreisen auf weniger Interesse gestoßen sein: Pille, Viagra, Designbabys: Kommt die nächste Sexrevolution?

Es ging um die “Zweite Sexuelle Revolution”. Nachdem bei der ersten sexuellen Revolution Sex und Fortpflanzung durch die Pille getrennt worden seinen, könne zukünftig durch künstliche Befruchtung … ja was eigentlich? Das würden die Gäste sehr unterschiedlich beantworten. Die Frauenärztin, Naturheilkundlerin und gläubige Katholikin Dr. Gabriele Marx würde vermutlich sagen, dass der Natur und Gottes Werk ins Handwerk gepfuscht werden könne, während Felicitas Schirow, die mit 50 ihr erstes Kind bekam, und die Psychoanalytikerin Isabella Manuela Torelli, die zusammen mit ihrer Lebenspartnerin zwei Kinder hat, davon sprechen würde, dass Wünsche erfüllt und mehr Freiheit erreicht werden können.

Der Sendung war erkennbar eine Dramaturgie zu Grund gelegt: Erst ging es um ältere Frauen, die Mütter werden, dann um Lesben, die Mütter werden und schließlich – per Einspieler – um einen schwangeren Mann. Da sollte wohl eine Steigerung der Abnormalitäten aufgebaut werden. Spiegel Online titelte dementsprechend: Im Gruselkabinett der Dr. Sandra M.

Traurig, und kaum zu ertragen, was an transphoben Bemerkungen alles zu hören war. Allen voran Frau Marx, die generell die Meinung vertrat, dass Menschen, die keine Kinder auf “natürlichem” Weg bekommen können – egal ob Hetero- oder Homosexuell, – dies als “Opfer” für ihren devianten Lebenwandel erbringen müssen. Maischbergers Fragen an die Psychanalytikerin unterstellten, dass Kinder von Transpersonen zwangsläufig eine psychische Störung davon tragen. Und irgendwann kam der Atombombenvergleich: Nicht alles, was technisch machbar sei, sollte der Mensch auch tun. Schade auch, dass die Debatte über Geschlechterrollen, die immer wieder aufkam, letztlich nicht geführt wurde. Es wäre bitter nötig gewesen, doch zum Ende der Sendung erfolgte statt dessen ein Themenschwenk auf Viagra. Alles in allem eine ziemlich vergeigte Sendung.

Menschen bei Maischberger wird am Samstag, dem 17. Mai, um 0.10 Uhr auf 3sat wiederholt.
Die Überschrift habe ich schamlos von einer Freundin geklaut, deren Talent in Sachen Headline nicht ungenutzt bleiben sollte.

Queer-Feministische-Tage 2008 in Wien

Im Spätsommer finden wieder die Queer-Feministischen-Tage statt. Vom 11. bis 14. September treffen sich queere-/feministische Aktivist_innen in Wien.

call for action! – Wien hat ihre queer-feministischen Tage!
11.-14. September 2008

Mach’s (dir) selbst:
Workshops, open stage, Verque(e)rungen, Spaß & Austausch, Lesungen, Filme, Antirassismus, queer-feministische Raumnahme, Ausstellungen, genderfuck, Vernetzung, Konzerte, Aktionismus, Diskussionen, Sexparty, Hirnwichserei, Interventionen, Aufräumen, Drag, Auflegerei, Handwerken & Basteln, Party, Schlafplätze, Kunst, dyke march, Volxküche, spoken-word-Performances, Subversion, Technix, (Straßen-) Theater,…

DIE Gelegenheit, das alles und noch viel mehr zu machen, hast du von 11.-14. September 2008 in Wien. Dort finden nämlich, wie auch schon in hamburg, freiburg, marburg und berlin die queer-feministischen Tage statt.

Wenn du Lust hast zum Programm beizutragen (mit Workshop, Konzert, Lesung,…) schreib eine Mail an qft{a}queerfemtagesind(dot)org. Es wäre toll wenn du uns erste Ideen bis Ende Mai mitteilen könntest.

Außerdem bist du herzlich eingeladen bei den offenen Vorbereitungsplena vorbeizuschauen! Termine findest du auf unserer Homepage: www.queerfemtagesind.org

Ich freue mich jedes Jahr darüber, die Ankündigung für diese Veranstaltung zu lesen, auch wenn ich in den letzten beiden Jahre nicht dabei sein konnte/wollte. Die Geschichte der Queer-Feministischen-Tage begann nämlich 2004 in Hamburg. Der Fachschaftsrat Gender und Queer Studies, dem ich damals angehörte, veranstaltete eine erste Bundesfachschaftstagung Gender Studies, zu der wir alle Gender Fachschaften des deutschsprachigen Raumes eingeladen hatten. Im nächsten Jahr fand ein weiteres Treffen in Freiburg statt. Dort war klar, dass sich die Veranstaltung in aktivistische Richtung bewegen würde, und es wurde ihr ein neuer Namen verpasst. Wer sich bei der Auseinandersetzung darüber, ob die Queer-Feministischen-Tage am Besten QuFeTa oder QuFTaTuft (???) abkürzen lassen, letztlich gewonnen hat, frag ich mich bis heute … Vielleicht habe ich ja dieses Jahr die Gelegenheit, mich vor Ort kundig zu machen.

Neben den Kontaktdaten im oben zitierten Call For Action gibt es auch eine Mailingliste, die seit ein paar Jahren besteht und über die Infos zu den Queer Feministischen Tagen und weitere interessante Sachen zu queer-feministischem Aktivismus und Wissenschaft verschickt werden. Abonniert werden kann diese Liste per Mail an QueerFeministischeTage-subscribe{at}yahoogroups.de

Melanie Groß – Geschlecht und Widerstand

Die Dissertation von Melanie Groß liegt neben mir. Wahrscheinlich wird es noch eine Zeit lang dauern, biss ich dazu kommen werde, das Buch zu lesen. Aber schon das Inhaltsverzeichnis, das zusammen mit der Einleitung als PDF verfügbar ist, finde ich sehr überzeugend. Im Kapitel “Feministische Differenzen” diskutiert die Autorin strukturtheoretische Perspektiven auf Feminismus und poststrukturalistische feministische Ansätze. Sie bezieht aber auch queere und postkoloniale Feminismen mit ein. Damit macht sie deutlich, dass die Kritiken an Heteronormativität und hegemonialem Weißsein mittlerweile für eine Beschreibung von Feminismus von grundlegender Bedeutug sind.

In den anschließenden Kapitel stellt Groß Grounded Theory als Methode der empirischen Arbeit vor. Mit Gruppendiskussionen untersucht sie, wie drei unterschiedliche feministische Gruppen, die allesamt in der autonomen Szene verortet sind, sich den feministischen Diskursen bedienen und aufgrund unterschiedlicher Angriffsziele und Selbstverständnisse verschiedene Widerstandsformen gegen Normativität, Zuschreibungen und Wirkmächtigkeit entwickeln. Der Titel des Schlusskapitels “Perspektiven: Widersprüchliche Positionen – produktive Konflikte” lässt vermuten, dass die Vielfältigkeit und Konflikthaftigkeit feministischer Politiken positiv eingeschätzt werden kann und dass einer imaginären homogenen feministischen wahrlich nicht nachgetrauert werden muss.


Paperback, 240 Seiten
19,90 Euro
Januar 2008
Ulrike Helmer Verlag
Wie ist politische Handlungsfähigkeit möglich ohne Rückgriff auf ein fragwürdiges ‘Wir Frauen’? Seit den 1990er Jahren wird in der feministischen Diskussion ein Ausweg aus diesem theoretischen Dilemma gesucht. Gleichzeitig sind politische Gruppen aktiv, die durch ihre Orientierung am konkreten Handeln punktuelle Lösungen finden. Die Autorin zeigt auf, wie post-, queer- und linksradikal feministische Gruppen sich positionieren, um handlungsfähig zu bleiben. Die zwischen ihnen entstehenden Konflikte lassen sich als eine besondere Stärke politischer Bewegungen verstehen, durch die es möglich wird, unterschiedliche Ebenen gleichzeitig existierender Machtformen anzugreifen.