Category: Queer

Ein Update in Sachen Homoehe

Im Sammelband Queer-| Feministische Kritiken neoliberaler Verhältnisse habe ich ja letztes Jahr einen Artikel veröffentlicht, in dem es um Fragen der Lebensformen- bzw. queer-feministischer Familienpolitik im Kontext neoliberaler Regierungsweisen geht. Darin diskutiere ich auch die Entstehung des Lebenspartnerschaftsgesetztes und die bis dato bestehenden Ungleichbehandlungen zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft. Was auch immer mensch grundsätzlich von der (privilegierenden) Anerkennung einzelner Lebensformen und all den damit verbundenen Fragen halten mag: Realpolitische Schritte zur Gleichberechtigung von homo- und heterosexuellen Ehen sind meines Erachtens begrüßenswert, da sie in vielen Fällen die Lebensumstände von betroffenen Personen verbessern. Der LSVD hat den neusten Stand im Januar 2008, und es ist schön zu sehen, dass mein Artikel in diesem Punkt schon veraltet ist. (via)

Kommunistische Gespenster und weihnachtliche Wahlverwandtschaften

Von wegen nur Fotos… jetzt kommt schon der zweite Eintrag an diesem Vormittag. Mir ist gerade bei der taz-Lektüre eingefallen, dass heute Abend ein Vortrag von Bini Adamczak in der Uni Hamburg stattfindet. Die Autorin von “Kommunismus – Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird” und dem eben erschienenen “Gestern Morgen – Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft” spricht um 19 Uhr im Hörsaal M des Uni Hauptgebäudes (Edmund-Siemers-Alle 1) über den Inhalt ihres neuen Buches.

Pünktlich zum Jahrestag der russischen Revolution führt die Re-Konstruktion eines kommunistischen Begehrens in die Geschichte des Kommunismus und bürstet diese gegen den Strich: von 1939 bis 1917. Vom Hitler-Stalin Pakt bis zur Oktoberrevolution kreisen die Überlegungen Adamczaks um die Figuren von Partei und Klasse von Verrat und Versprechen, um sie in ihrer Logik, aber vor allem als Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin sucht das Trümmerfeld der Geschichte nach den revolutionären Wünschen ab, die darunter begraben liegen. Aber es gibt keinen unbeschadeten Zugriff auf die vergessenen Träume. Der Weg zu den vergangenen Hoffnungen führt über deren Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Die bergende Arbeit an der Geschichte ist somit eine Arbeit der Trauer, eine Trauerarbeit, die das Buch einfordert und zugleich performativ vollzieht. Es birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: „gestern morgen“.

Eine Rezension zum Buch erschien vor ein paar Wochen in der Jungle World. Die Veranstaltung wurde organisert von “Radio Loretta”, dem Fachschaftsrat Germanistik und Geschichte wird gemacht. An dieser Stelle sei auch schon mal verraten, dass Bini Adamczak wahrscheinlich im Sommersemester wieder in Hamburg sein wird, um einen anderen Vortrag bei “Jenseits der Geschlechtergrenzen” zu halten.

Wer dann sowieso so spät Abend noch an der Uni ist, kann anschließend in den AStA-Trakt (Von-Melle-Park 5) kommen und mit dem LesBISchwulTranSM – polymorph-perversen Referat ab 20 Uhr Weihnachten (?) feiern.

In diesem Jahr steht die Weihnachtsfeier des Referats unter dem Motto “Wahlverwandtschaft statt heteronormativer Kleinfamilie!” Es gibt – neben den obligaten Getränken, Weihnachtsplätzchen und Knabberkrams – Karaoke und ein Poly-Quiz.

Mittwoch & Donnerstag: Komplexe Positionierungen gesucht!

Schön, wenn die Abendgestaltung so gut zusammen passt, wie nächste Woche. Am Mittwoch findet im Rahmen der Vorlesungsreihe “Jenseits der Geschlechtergrenzen” eine Podiumsdiskussion mit Angelika Hassani, Jennifer Petzen und Georg Klauda statt, in der die Debatten rund um den Hamburger Stadtteil St. Georg hinsichtlich der diskursiven Verschränkung von Homophobie und Islamophobie zum Thema gemacht werden. Dabei soll es insbesondere um die Frage gehen, welche Interventionsmöglichkeiten aus einer antirassitischen, queeren Perspektive denkbar sind. Am Tag darauf stellt sich Kanak Attak im Rahmen der zweiten Feministischen Werkstatt dem Rätsel des Feminismus. Auch hier wird es um Positionierungen in umkämpften Feldern gehen.

Welchen Ismen gehört St. Georg ?
Eine Podiumsdiskussion, angeregt von Artikeln und Leser_Innenbriefen aus dem Hamburger Homo-Magazin “Hinnerk”.

Ausgangspunkt ist eine Debatte zum viel besungenen „Kulturkampf“, für dessen Schauplatz dieses Mal der Hamburger Stadtteil St. Georg auserkoren wurde und in dem DER Islam und DIE Schwulen gegeneinander antreten sollen. Anstelle einer Diskussionsrunde über potenzielle Lösungswege für ein “Stadtteilproblem”, wird eine kritische Perspektive eingenommen, in der die Hamburger Diskussion in den Kontext der Islam- und Integrationsdebatte der letzten Jahre eingeordnet wird. Von unterschiedlichen Standpunkten aus wird diskutiert, wie Islamophobie und Homophobie verstrickt sein können und welche Interventionsmöglichkeiten es in solche Debatten gibt, die stark von Stereotypen über “die Anderen” geprägt sind.

Es diskutieren:
Angelika Hassani, Mitgründerin von Queer-Muslime Hamburg e.V.
Georg Klauda, Dipl. Soziologe und freier Autor, Berlin
Jennifer Petzen, Doktorandin an der University of Washington, Seattle

Mittwoch, 12. Dezember 2007, 19 Uhr
Hörsaal F im Phil-Turm, Von-Melle-Park 6, Uni Hamburg
http://queerag.genderstudies-hamburg.de

Kanak Attak und das Rätsel des Feminismus

Eine Haltung gegen Rassismus und Sexismus beinhaltet oft den Spagat, beidem ausgesetzt zu sein. Praktisch heißt das, immer auf der Hut zu sein und Mehrarbeit an Sensibilisierung zu leisten. In diesem Kontext stellt Kanak Attak einige Überlegungen an über die Möglichkeiten,
einer antirassistischen und feministischen Positionierung gerecht zu werden.

Donnerstag, 13. Dezember 2007, 19 – 21 Uhr
Kölibri, Hein-Köllisch-Platz, St.Pauli
http://www.feministisches-institut.de/aktuelles.html

Ein Nachtrag zum ENDA: LGB … T?

Vor einige Tagen hatte ich etwas über den Employment Non-Discrimination Act (ENDA) geschrieben. Das amerikanische Bundesgesetz soll einen Schutz vor Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung bieten und wurde am 7. November vom Kongress verabschiedet. Eine alternative Gesetzesvorlage beinhaltete auch die Diskriminierung auf Grund von gender identity, d.h. aufgrund des Ausdrucks von Geschlechtsidentität unabhängig vom so genannten biologischen Geschlecht. ENDA wurde ohne die Berücksichtigung von gender identity verabschiedet, die vor allem – aber nicht nur – für Trans* Personen den Einschluss in den Diskriminierungsschutz bedeutet hätte.

Im sehr empfehlenswerten Quench Zine-Blog hat maudite Gedanken dazu aufgeschrieben und fragt So … now what?

We couldn’t pretend any longer that trans issues could hold up in the minds of “mainstream” gay and lesbian political activism when they were pitted against expediency. So, if this is a turning point, what are we turning towards?

FSK-Programmhinweis: Loretta Loretta

Am Dienstag Abend lohnt es sich vielleicht das Freie Sender Kombinat einzuschalten. Dort läuft um 20 Uhr Lorettas Leselampe spezial: Queer-/Feministische Kritiken neoliberaler Verhältnisse.

Wie können diese aussehen? Damit diskutieren wir u.a. mit Melanie Groß vom neu gegründeten Feministischen Institut Hamburg, die im Studio zu Gast sein wird. Sie ist Mitveranstalterin der “Feministischen Werkstatt” im Kölibri, bei der jeden zweiten Donnerstag in jedem zweiten Monat immer um 19 – 21 Uhr im Kölibri (Hein-Köllisch-Platz, Hamburg-St.Pauli) queere und feministische Praktiken erörtert werden sollen. Außerdem besprechen wir den im Unrast-Verlag erschienen Band “Queer-/Feministische Kritiken neoliberaler Verhältnisse

Melanie Groß wird leider doch nicht im Studio sein. Insofern ist das Zitat oben realativ sinnlos. Vertreten wird sie aber von einigen anderen Autorinnen des Buches. Einschalten, Stream hören, oder auf Wiederholungen achten… Ob es sich wirklich lohnt, weiß ich erst morgen Abend, denn es ist ja eine Live-Sendung.

Hugs and Kisses Release-Party am Samstag

Hugs and Kisses – tender to all gender” heißt ein neues, in Hamburg produziertes Magazin zu “queer musik, film, kunst, kultur”. Das 56-seitige, nicht auf Gewinn ausgerichtete Hochglanz-Fanzine erinnert mich von weitem ein bisschen an Persona Non Grata und ähnliche Hefte. Ich hatte es aber noch nicht in den Händen und konnte mir darum auch noch nicht die Fotostrecke “the tunte in me is the tunte in you” von Paula Winkler ansehen, oder das original Käsekuchenrezept von The Gossip ausprobieren.

Eine Release- und Druckkostenparty feiert Hugs and Kisses an diesem Samstag, dem 17. November 2007, im Spundloch in Hamburg. Eintritt 4 Euro, mit Magazin 6 Euro.

“the self proclaimed lesbians get their picture in the yearbook”


Zwei 17-jährige Schülerinnen sind zusammen. Ihr Foto landet unter der Überschrift “The Cutest Couple” im Schuljahrbuch. Die Schule will das zunächst nicht zulassen, erlaubt es dann aber trotz elterlicher Bedenken. Doch es gibt es Insitutionen wie Fox-News und die Sendung The O’Reilly Factor, die sich dem Problem annehmen. Bill O’Reilly, dem Daily Telegraph zufolge immerhin Nummer 82 der 100 einflußreichsten Konservativen in den USA, diskutiert den Fall mit der Psychologin Laura Berman.

O’Reilly, bekannt für seine meinungsstarken politischen Kommentare, hofft glaubt zu wissen, dass dies alles nur eine Provokation sei. Kids machen den Erwachsenen einfach gerne Ärger. Er beruft sich dabei auf Nachforschungen. Wie schön, dass man sich in solchen Fällen noch ordentliche Recherche leistet. Berman sieht in besagtem Foto allerdings vielmehr ein Indiz für die zunehmende Anerkennung von Homosexualität: “homosexuality is becoming thankfully more normalized”. Dankenswerterweise? O’Reilly gibt zu bedenken, dass 50-60 % “des Landes” über diese Aussage Bermans verärgert sein werden. Warum? “We don’t want to normalize homosexuality in a public way, in an academic setting – highschool – among minors.” Und zwar aus drei Gründen. Zum einen ist da der soziale Aspekt: In Amerika sei Homosexuell zu sein schwieriger als Heterosexuell zu sein. Zum anderen gibt es Menschen, die aus religiösen Gründen der Meinung sind, dass dieser “Lifestyle” gegen ihren Glauben verstößt. Falsch ist das beides nicht.

Kommen wir also zum dritten Punkt. Dem Sender liegt brisantes Fotomaterial vor, das uns nicht vorenthalten wird: In der Zwischenzeit wurde auf das Foto der beiden Mädchen gezoomt. Dort sieht man, wie sie Händchen halten: “an exposition of sexuality on minors […] is inappropriate in an acamdemic setting”.

Berman bringt O’Reillys Befürchtungen auf den Punkt: Die Anerkennung von Homosexualität würde dazu führen, dass mehr Menschen Homsexuell werden.

Während Berman der Meinung ist, es gehe hier doch um die Liebe zwischen zwei Menschen, hat O’Reilly den ganz dringenden Verdacht, dass diese “self-proclaimed lesbians” uns ihre Sexualität unter die Nase reiben: “Look, Doctor: There is no reason why Brandy and Lupe had to declare themselves anything other than friends”. In die Schulen gehöre solch unangemessenes Verhalten jedenfalls nicht: “You do not define yourself in a highschool in a sexual way. Period.”

Berman trägt die Diskussion mit viel Fassung und gibt zu bedenken: “You can’t encourage it, it happens any way”. Darauf O’Reilly: “That’s the old argument, let’s legalize drugs because it happens anyway. There should be boundarys.”

Interessant an O’Reillys Äußerungen finde ich, dass er hier argumentiert, dass Homosexuelle vor der Gesellschaft geschützt werden sollten, in dem die Repräsentation von Homosexualität verbannt wird. So würden weniger Leute auf die Idee kommen, Schwul oder Lesbisch zu sein, und alle hätten weniger Probleme. Homosexualität ist schließlich – im Gegensatz zu race – eine Frage des Handelns: “There is a difference between who you are and what you do.” Was man tut, kann man auch lassen. O’Reilly ist diskursiv aus dem Schneider. Er, Autor des Buches “Kids Are Americans Too”, will nämlich nicht, dass homosexuelle Jugendliche tyrannisiert werden. Er will sie vielmehr von der Mehrheit der Bevölkerung – die seiner Meinung nach das Recht hat, ihre homophobe Meinung zu vertreten – schützen. Im Gegensatz dazu muss sich die liberale Psychologin darauf beziehen, dass Homosexualität eine Eigenschaft ist, die einfach da ist.

Es wird deutlich, dass es die Denormalisierung von Heterosexualität wäre, die einen Bruch in diese Debatte einführen würde. Das versucht Berman ansatzweise auch, aber es geht leider unter. Das Privileg der Norm, überall auf unsichtbare Weise sichtbar zu sein, zeigt sich schon darin, dass heterosexuell auftretende Teenager nicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ihre Sexualität zur Schau zu stellen.

Das Video gibts bei dailymotion.com und natürlich auch bei youtube. Die Chicago Sun-Times hat auch was dazu, und falls jemand an weiteren Meinung interessiert ist, helfen Suchmaschinen.

“But isn’t this the first time we’ve had a debate about identity?”

Consider this a public draft!*

Ohne irgendwas über das ENDA zu wissen, finde ich interessant, was Jeremy im Foucault Blog darüber schreibt. So wie ich das verstanden habe, geht es darum, nicht nur Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung oder Geschlecht (Mann oder Frau) zu sanktionieren, sondern auch in Bezug auf gender identity. Unabhängig von sexueller Oriertung, und unabhängig vom “Ursprungsgeschlecht” (uiuiui). Das ist im allgemeinen Gleichstellungsgesetz wohl auch nicht drin, und ein interessanter Gedanke.

ENDA was first proposed in 1974 and is expected to pass without the additional clause above, which will be voted on separately. In other words there’s a tension between LBG ENDA and a LBGT ENDA covering transgender issues.

Diese Kongresssitzung war auch schon, und ENDA wurde ohne die Berücksichtigung von gender identity verabschiedet. Ich glaube, es wäre lohnenswert, sich diese Debatte auch noch mal genauer anzusehen: Was waren Diskussionspunkte in der öffentlichden und parlamentarischen Debatte, und was waren die Konfliktpunkte zwischen LGB und LGBT?

* Öffentliche Entwürfe – das public beta der schreibenden Zünfte?

Homophob? Nee, Heterosexist.

Im Bestatterblog gibt es eine Diskussion über Sinn und Unsinn der (Homo- und Hetero-) Ehe und da schreibt doch tatsächlich einer in den Kommentaren anlässlich seiner Ansicht, dass zwei Männer sich nicht fortpflanzen könnten und Heterosexualität somit höherwertiger sei:

Könnt mich ruhig als homophob bezeichnen, ich seh das aber als Heterosexismus.

Ist ja interessant.