Author: Kathrin

Blogs lesen schützt manchmal vor Enten

In der MOPO durfte ich gestern selbst lesen, dass bald alle fremdsprachigen Fernsehsendungen untertitelt ausgestrahlt würden. Da ich vorher schon diesen Artikel bei Behindertenparkplatz gelesen hatte, war ich mir sicher, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. In Wirklichkeit geht es gar nicht darum, dass Synchronisation wegfallen soll, sondern

Was die EU wirklich will ist, die Untertitelung in öffentlichen-rechtlichen Sendern sicherstellen, damit auch gehörlose und schwerhörige Zuschauer sich umfassend informieren können. (Behindertenparkplatz)

Oder noch mal anders ausgedrückt: Es geht um die Untertitelung insbesondere der deutschsprachigen Programme von ARD, ZDF und den Dritten. Die Synchronsprecher werden gar nicht alle arbeitslos. Bei Stefan Niggemeier finden sich jede Menge Ausrisse aus Zeitungen, die alle die Fehlmeldung übernommen haben. Ausgangspunkt war übrigens die Presseagentur AFP:

… was machen deutsche Medien mit einer Meldung, die total unwahrscheinlich ist und nach einem Aprilscherz klingt? Richtig: Man recherchiert sie erst einmal nach druckt sie sofort ungeprüft nach. (Stefan Niggemeier)

Große Koalition von Aliens gesteuert?

Entschuldigt den reißerischen Aufmacher, aber aufgrund der brisanten Entdeckung, die ich heute gemacht habe, muss ich den Verdacht beim Namen nennen.

Ich habe den Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung “Gemeinsam für Deutschland. Mit Mut und Menschlichkeit” als PDF aus dem Internet geladen.

Darin findet sich viel Text und es werden eckige Aufzählungszeichen zur Gliederung des Dokuments verwendet:

Ich habe Teile des Dokumentes von Vorschau in Pages kopiert. Dort ist mir aufgefallen, dass die Aufzählungszeichen seltsam aussehen. Um mir das Phänomen besser anschauen zu können, markierte ich eines der Aufzählungszeichen und vergrößerte es um ein Vielfaches. Ich traute meinen Augen zunächst nicht. War ich verrückt geworden? Ich habe es per Screenshot dokumentiert. Seht selbst:

Was tun? Hat jemand Kontakt zu den Men In Black? Sollte diese Entdeckung lieber nicht an das Licht der Öffentlichkeit geraten? Muss ich Angst haben, wenn ich heute ins Bett gehe? Wenn außerirdische Mächte schon im Koalitionsvertrag stecken … wer steckt dann hinter Merkel, Schäuble, von der Leyen?

K2 und 2.5 vertragen sich (noch) nicht

Ich warte auf die nächste stabile Version von K2. Bis dahin wird es hier optisch ziemlich basic dahergehen. Die Seite funktioniert zwar mit dem letzten nightly von K2 ganz stabil, aber das Design kann ich nicht anpassen. Ich kann mein eigenes Style-CSS für die Farben nicht aktivieren, die Archives Page ebenfalls nicht, und die Header weder auf die alte Art über die K2 Options, noch auf die neue Art über den Custom Image Header-Reiter auswählen. Dafür funktioniert mit dem Nightly der neue K2 Sidebar Manager und das Problem mit den Umlauten ist gefixt. Vielleicht versuch ichs die Tage auch noch mal mit einem neueren Nightly, denn ich würde so gerne meinen neuen Header in Action sehen.

Feministische Werkstatt: Grundeinkommen… und ein whine über den Diskurs

Nächsten Donnerstag findet wieder die Feministische Werkstatt im Kölibri statt. Thema dieses Mal ist ein absolutes Lieblingsthema von mir *räusper*: Das bedingungslose Grundeinkommen.

Das bedingungslose Grundeinkommen –
eine feministische Perspektive?!

Derzeit gewinnt die Forderung nach einem Grundeinkommen in der politischen Arena an Bedeutung. Allerdings ist auffallend, dass sich FeministInnen nur selten und zögerlich dazu äußern. In der Werkstatt geht es darum, aus feministischen Perspektiven eigene Positionen zu einem bedingungslosen existenzsichernden Grundeinkommen zu finden.
Gabriele Winker vom Feministischen Institut diskutiert gemeinsam mit VertreterInnen des Netzwerk Grundeinkommen die Frage, wie FeministInnen die Debatte für ein bedingungsloses Grundeinkommen erweitern und vertiefen können.

Wo? Kölibri, Hein-Köllisch-Platz, St.Pauli
Alle Infos auch unter:
http://www.feministisches-institut.de/aktuelles.html

Bei der Avanti-Veranstaltung zu Feminismus und Familienpolitik vor ein paar Wochen, die ansonsten sehr gut war, war das Grundeinkommen ja auch schon Thema. Es wurde ins Gespräch gebracht, als die Frage nach konkreten, emanzipatorischen Forderungen gestellt wurde, die in die Debatte um unbezahlte (Familien-)Arbeit eingebracht werden könnten. Aus dem Publikum wurde an dieser Stelle wie immer die berechtigte Frage gestellt, was die Bedingungen für den Bezug des bedingungslosen Grundeinkommen sein sollten: Staatsbürgerschaft oder Aufenthalt in Deutschland? Selbstverständlich, so die Verfechter_Innen der Grundeinkommensidee auf dem Podium, sollte es nicht an Staatsbürgerschaft gebunden sein. Daraufhin wurde die Frage gestellt, wie dieses Konzept in Hinblick auf Migration und die scharfen, mörderischen Kontrollen an europäischen Außengrenzen denkbar sei. Und an dieser Stelle gab es – wie so oft – einen Turn in der Argumentation der Befürworter_innen: Es ginge gar nicht um einen konkreten, realpolitischen Vorschlag. Niemand wolle das Grundeinkommen wirklich einführen, sondern es solle in erster Linie eine Perspektive darstellen, um einen Diskussion zu eröffnen, in der eben auch Nationalstaatlichkeit und vor allem der Arbeitsbegriff neu verhandelt werden könnten.

Also was jetzt? Konkrete Forderung oder Gedankenspiel? Das Grundeinkommen wird je nach dem, was gerade passt, entweder so oder so in die Diskussion gebracht. Über andere Interventionsmöglichkeiten oder alternative Konzepte wird dann kaum noch gesprochen. Denn was kann schon besser sein als die Vorstellung, den Kapitalismus von innen zu zerstören, in dem jede_r jeden Monat ein erquickliches Sümmchen erhält?! Das Grundeinkommen ist letztlich, wenn ich das mal so grob diskurstheoretisch ausdrücken darf, eine umfassende Forderung, durch die das Allgemeine repräsentiert werden soll. Dieses merkwürdige, unfassbare Ding, nach dem wir uns alle in einer Gesellschaft sehen. Deswegen gehen nach solchen Diskussionen immer viele Leute mit guter Laune zum Bier oder Wein über, und träumen von den guten Zeiten. Man steht nicht mehr ratlos dar, und hat ein wirklich nettes Ziel vor Augen. Verbleibende Widersprüche wurden weg-artikuliert.

Ich bin wirklich gespannt, ob es am Donnerstag anders laufen wird. Aber wenn ich ehrlich bin, ist meine Hoffnung klein.

Edit: Jetzt war ich am Ende gar nicht da.

“Mutter überglücklich, kann soviel Lob gar nicht fassen!”

Wer noch ein Thema für eine soziologische Abschlussarbeit sucht, kann gerne diese hier nehmen: Eine Analyse von Geschlechterverhältnissen in Familien und den Selbstbildern von Subjekten anhand der Kommentare unter den Rezepten bei Chefkoch.de. Das wäre sicher sehr ergiebig. Ich back jetzt mal was.

Herbsttyp auf dem Weg zum neuen Job

Dass der “aktivierende Sozialstaat” gerne mit eigenverantwortlichen Subjekten zusammenarbeitet, ist ja keine Neuigkeit. Wie Eigenverantwortung in Alltagspraxen konstruiert wird, hat mir eine Geschichte aus meinem Umfeld heute vor Augen geführt:

Der Landkreis bietet eine Maßnahme mit dem schönen Namen “Job-Fit” für Arbeitslose über 50 an. In der Informationsveranstaltung heißt es, dass u.a. ein Logopäde und eine ehemalige Friseurin als DozentInnen dabei sein werden. Es wird eine Farb- und Typberatung geben, und vermutlich eine Art Sprecherziehung, um besser anzukommen bei potentiellen ArbeitgeberInnen.

Aus dem strukturellen Problem der Arbeitslosigkeit und der Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt wird durch solche Maßnahmen ein persönliches Problem, dass sich mit einem etwas blaustichigeren Lippenstift, einem Halstuch in warmen Farben, und einer deutlicheren Aussprache lösen lässt. Wenn man nur will.

twitter & doodle

commoncrafts twitter in plain english hat mich überzeugt. ich bin jetzt auch bei twitter. ihdl der name. und ihr so? suche das twitter verzeichnis der gendernerds. muss wieder ganze sätze schreiben.

Okay okay. Die Neuentdeckung des Tages ist natürlich nicht twitter, sondern doodle. Das ist eine Webanwendung ganz nach meinem Geschmack. Auf das Notwendige reduziert, äußerst praktisch und man muss sich noch nicht einmal dort anmelden. Es dient der Terminabsprache von Gruppen. Jemand erstellt eine Umfrage und schickt den Link dazu an die Leute, die das betrifft. Die können dann bei doodle alle Tage und Zeiten ankreuzen, die ihnen passen, und am Ende sieht man entweder, dass es Donnerstags um 16 Uhr sein muss, oder aber dass man mit Leuten, die so voll Terminkalender haben, einfach nicht zusammen arbeiten sollte. Das erste Praxisexperiment läuft.

Bin ich hart?

10:00 Uhr: Charlotte Roches Buch beim Frühstück lesen.

15:04 Uhr: Besuch einer öffentliche Toilette. Gedanken an Helen Memel.

Thresengespräch statt Stammtischparolen

Avanti – Projekt undogmatische Linke veranstaltet am kommenden Mittwoch, dem 12. März eine Diskussionveranstaltung zum Thema Schöner neuer Feminismus? Emanzipative oder neoliberale Familienpolitik? Für mich ist das ein Pflichttermin, den ich äußerst gerne wahrnehme.

Kaum zu glauben: Mit Ursula von der Leyen propagiert eine konservative Familienministerin, dass Männer »Mitverantwortung für die Familienarbeit« leisten und »Mütter den Zugang zum Arbeitsmarkt« erhalten sollen. Erleben wir den endgültigen Siegeszug der feministischen Bewegung?

Wohl kaum. Die politische Bühne vollzieht zur Zeit eher eine ökonomische Entwicklung nach, die
die Vorzeichen von Arbeitsteilung seit den 70er Jahren verschoben hat.

Der Familienlohn, der früher – zumindest für große Teile der Lohnabhängigen – die starke Stellung des patriachalen Ernährers manifestierte, ist zu teuer geworden. »Die Rolle des Alleinernährers […] bricht zunehmend weg« (von der Leyen).

Stetige Reallohnsenkungen und der Ab- und Umbau der staatlichen Sicherungssysteme haben längst den universellen Zwang einer/eines jeden, sich als LohnsarbeiterIn ausbeuten zu lassen, manifestiert. Das beste Beispiel dafür ist Hartz IV.

Doch an der Verteilung der Reproduktionsarbeit hat sich real wenig geändert. Für den überwiegenden Teil Frauen bedeutet der »Zugang zum Arbeitsmarkt« Doppelbelastung und prekäre Arbeitsplätze.

Allemal die Bessergestellten haben im Zuge ihrer Integration einen deutlichen Prestige-Gewinn erfahren und können nun ihre Reproduktionsaufgaben auf eine (oft Migrantische und unterbezahlte) HausarbeiterIn verlagern. Genau solche Frauen sind gemeint, wenn es um Elterngeld oder Kita-Plätze geht.

Während den Ärmeren und damit den meisten Alleinerziehenden die Hälfte der Bezugsdauer gestrichen wurde, können gut verdienende Eltern kräftig profitieren.

Umverteilung von unten nach oben. Denn: Die Eliten-Reproduktion ist in Gefahr. Weil der unverminderte Kinderreichtum der Sozialblocks durch unser Bildungssystem außen vor bleibt, müssen die Fachkräfte halt von den Fachkräften gezeugt werden.

Beim Tresengespräch wollen wir uns darüber unterhalten, wie die familienpolitische Debatte interpretiert und emanzipativ reagiert werden kann:

Welche Interessen werden bedient? Was ist das überhaupt, „Familie“? Warum kann von der Leyen ihre Positionen durchsetzen?

Welche Forderungen sind in Anbetracht der unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen von ReproduktionsarbeiterInnen formulierbar?

Es diskutieren: Hilde Hoherz (Historikerin), Jonas (Avanti)

12. März, 19.00 Uhr, Werkstatt 3 (Saal), Nernstweg 32, Hamburg-Altona; Eintritt frei

Schon wieder Claudia Roth-Content

Eins muss ich zum meiner gestrigen SpOn-Lektüre noch loswerden. Das Claudia Rot-Bashing im Artikel über die Bütikofer-Nachfolge geht ja wohl gar nicht klar. Im Teaser wird sie als “Kollateralschaden” bezeichnet. Diese Vokabel zeugt in zweierlei Hinsicht von schlechten Stil. Am Ende des Textes, in dem es um die Personalpolitik der Grünen geht, steht dann dieser Absatz:

“Und dann gibt es noch ein gewichtiges Argument dagegen, Bütikofers Job zu übernehmen. Es lautet: Claudia Roth.
Die Begeisterung, an ihrer fröhlich-drallen Seite (“Ich liebe die Türkei und ihre Konflikte!”) in den nächsten Wahlkampf zu ziehen, hält sich bei allen vorstellbaren Kandidaten in engen Grenzen, wie man hört.” (Hervorhebungen von mir)

Vielen Dank, Claus Christian Malzahn, für diese grundlegende Auseinandersetzung mit Roths Politikstil!